Herr Professor Rieck, die Gründung der Vietnamesisch-Deutschen Universität geht auf einen Wunsch der vietnamesischen Seite zurück. Wieso ist gerade das Bundesland Hessen so eng in den Aufbau der Hochschule eingebunden?
Schon seit den 1960er-Jahren unterhält Hessen besondere Beziehungen zu Vietnam, gerade in der Bildungszusammenarbeit. Hier gibt es ein lange gewachsenes Vertrauenskapital. Dass es 2006 dann die ersten konkreten Gespräche und Überlegungen zum Aufbau einer gemeinsamen Universität gab, hing mit einer Reise des damaligen hessischen Wissenschaftsministers Udo Corts nach Vietnam zusammen. Er hat sich sehr beherzt für den Aufbau eingesetzt: Die VGU wurde dann am 29. Februar 2008 gegründet und konnte schon im September desselben Jahres den Lehrbetrieb aufnehmen.
Ein Konsortium von mehr als 30 deutschen Hochschulen unterstützt die VGU – wie muss man sich das praktisch vorstellen?
Die VGU ist in der ersten Phase auf deutsche Unterstützung angewiesen – zum einen finanziell, aber auch aus akademischer Sicht: Der Aufbau und die Entwicklung von Studiengängen erfolgen in Zusammenarbeit mit den deutschen Partnerhochschulen. Diese haben sich in einem Konsortialverein zusammengefunden und bilden eine Art „akademisches Backoffice“ für die VGU. Wir beziehen die Hochschulen in allen akademischen Fragen ein und können deren Expertise abrufen. Die beteiligten Hochschulen sind auch bereit mit ganz konkreten Studiengangsprojekten an die VGU zu kommen.
Wie beurteilen Sie die bisherigen Fortschritte beim Aufbau der VGU?
Wir sind gut im Zeitplan, was die Einrichtung der Studiengänge, den Aufbau der Verwaltung und des ersten Forschungszentrums angeht. Man muss immerhin bedenken, dass die VGU erst seit etwas mehr als zwei Jahren existiert. Und noch 2011 werden wir die ersten Absolventen haben. Da sind wir vergleichsweise schnell. Dennoch gibt es natürlich einige Aufbauprobleme. Zum Beispiel haben wir noch keinen eigenen Campus. Wir behelfen uns derzeit mit den Räumen und können nur in beschränktem Maß Labore aufbauen, was wieder Auswirkungen auf die Forschungsfähigkeit hat. Aber das sind ganz normale Probleme für eine Uni im Aufbau. Bei den Studierendenzahlen sind wir noch etwas hinter dem Plan. Das liegt daran, dass Bildung in Vietnam einen sehr hohen Stellenwert hat und die Ausbildung von den Familien mit großer Sorgfalt geplant wird. Viele wollten da erstmal sehen, wie diese neumodische Uni aus Deutschland überhaupt funktioniert. Aber jetzt sind wir so bekannt, dass wir diese Phase hinter uns lassen.
Welches sind die nächsten Schritte?
Noch 2011 werden wir die beiden ersten Fakultäten eröffnen, das heißt wir schaffen eine eigene akademische Struktur innerhalb der Universität und treten ein in eine akademische Selbstverwaltung wie in Deutschland. Die VGU ist ja die erste autonome staatliche Universität Vietnams und lehnt sich an das Autonomiemodell der TU Darmstadt an. Von der Weltbank wurde unlängst ein Kredit über 180 Millionen Dollar für den Aufbau unserer Campusuniversität bewilligt. Wir werden in diesem Jahr den Architekturwettbewerb ausschreiben und dann sollen Mitte 2012 die ersten Bagger für den Bau des Campus anrollen.














