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Die Vielfalt erforschen

Die Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies an der Freien Universität Berlin widmet sich der inneren Vielfalt, historischen Wandelbarkeit und globalen Vernetzung islamisch geprägter Kulturen und Gesellschaften.

Von Harriet Wolff

Sie ist einzigartig in Deutschland und sie will ihre Zusammenarbeit mit der arabischen Welt in Zukunft ausbauen: Die „Berlin Graduate School for Muslim Cultures and Societies“ an der Freien Universität Berlin bietet zur Zeit knapp 40 Doktoranden, Postdoktoranden und Forschungsgästen eine wissenschaftliche Heimat. Siegreich aus der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern hervorgegangen, beantwortet die Graduate School seit 2007 in oft ungewöhnlichen Forschungsvorhaben die Frage: Was genau ist islamisch an der islamischen Welt? Und welchen Einfluss hat die Religion auf Kultur, Recht und Politik islamisch geprägter Gesellschaften? Der Grundansatz der Schule ist allerdings kein religionswissenschaftlich geprägter, sondern ein interdisziplinärer. Die Studierenden kommen unter anderem aus der Ethnologie, Geschichte oder Politikwissenschaft.

Doktorandin Sarah Hartmann bringt es auf den Punkt: „Die Fächervielfalt hier bietet die Chance, die islamische Welt eben nicht auf die Religion zu reduzieren.“ Sie geht zum Beispiel in ihrer Promotion der Frage nach, wie der private Bildungssektor in Ägypten aufgestellt ist. Ihre Kommilitonin Sarah Albrecht erforscht das Konzept eines islamischen Minderheitenrechts (Fiqh Al-Aqalliyat). Sie geht der Frage nach, ob für gläubige Muslime in der Diaspora neben einem säkularen Recht auch ein muslimisches Recht möglich sein kann. Sarah schätzt an der Graduate School besonders die professionellen Arbeitsbedingungen in der, zeitlich straff gestalteten, dreijährigen Promotionsphase: „Ich bin ständig in Kontakt mit anderen Doktoranden aus aller Welt. Meine ganze Arbeitszeit widme ich dank eines Stipendiums meinem Projekt, wir haben unsere Büros hier in der Schule. Und die Unterstützung, die wir für Forschungsreisen ins Ausland erhalten, ist auch Gold wert.“

Direktorin der „Graduate School Muslim Cultures and Societies“ ist die renommierte Islamwissenschaftlerin Professor Gudrun Krämer. Erst in diesem Jahr ist sie mit dem Internationalen Forschungspreis der Gerda Henkel Stiftung ausgezeichnet worden. Professor Krämer hat die Schule mitbegründet. „Häufig werde ich in der islamischen Welt gefragt: Warum beschäftigen Sie sich überhaupt mit dem Islam? Ob ich zum Nutzen fremder Mächte recherchiere, also vielleicht sogar spioniere?“ Das ist selbstverständlich nicht der Fall, die Graduate School widmet sich ausschließlich der Wissenschaft. Mit rund 30 internationalen Partnerinstitutionen in Europa, Afrika, Asien und Amerika – darunter die American University in Kairo – steht die Schule zudem in engem Austausch. Gerne würde Professor Krämer noch weitere Kontakte zu Hochschulen in der Arabischen Welt knüpfen. „Wir haben natürlich schon einige Kooperationspartner in der arabischen Welt“, sagt sie „ einzelne Institutionen, einige Hochschullehrer. Aber hier ist noch Potenzial: Je etablierter wir als Schule sein werden, umso mehr wird man sich dort für uns interessieren.“////

06.09.2010
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