Der deutsche Artikel macht ihnen zu schaffen. „Der Kaffee und das Café?“ Die blonde Krankenschwester schüttelt den Kopf: „Wir mögen nicht diese Artikel!“, sagt Leslie Eldrige und lacht. Zusammen mit anderen Südafrikanern lernt sie Deutsch am Goethe-Institut in Johannesburg. „Die Lehrerin spricht nur Deutsch“, stöhnt die 50-jährige Schülerin, die trotzdem Spaß am Lernen hat und sich auch von „der, die, das“ – den drei Artikeln im Deutschen – nicht entmutigen lässt. „Ich besitze einen Schweizer Pass, aber keine deutschen Sprachkenntnisse.“ Der junge Schwarze Clement Scholtz trägt sogar einen deutschen Namen, er hat aber keine Verbindung zu Deutschland. Außer seinem Wunsch, dort studieren zu wollen.
Die Motivation für Südafrikaner, sich im Goethe-Institut in Rosebank im Norden von Johannesburg zu einem Sprachkurs anzumelden, ist so vielfältig wie ihr kultureller Hintergrund. Lehrerin Agnes Harms ermutigt ihre Schüler, die Übungen zum Besuch in einer deutschen Behörde durchzuspielen, schließlich könnte das für einen künftigen Aufenthalt in Deutschland nützlich sein. Fanyana Mazibuko war schon mehrmals in Deutschland. Er ist Lehrer im Ruhestand, war 20 Jahre während des Apartheidregimes in Südafrika an der Ausübung seines Berufes gehindert worden und hat später selbst einen Verband zur Erziehungsförderung gegründet. „Die Deutschklasse ist eine echte Herausforderung für mich“, grinst Mazibuko.
Das Institut in Johannesburg fördert die deutsche Sprache im Ausland, ermutigt internationale kulturelle Kooperation und vermittelt ein umfassendes und modernes Bild Deutschlands. Dabei ist das Johannesburger Institut nur eines von elf Goethe-Instituten und zehn Goethe-Zentren in der Region südlich der Sahara. Sprachlernzentren gibt es zwei in Kamerun und ein Zentrum in Dschibuti, dazu kommen noch vier Goethe-Verbindungsbüros in Malawi, Burkina Faso, Ruanda und Nordnigeria. 600000 Afrikaner lernen Deutsch in Schulen und rund 25000 schreiben sich pro Jahr an Instituten und Goethe-Zentren ein. Allein eine halbe Million lernt Deutsch an den Gymnasien in frankophonen Staaten Afrikas. „In den Ländern, die französischsprachig waren und sind, besteht ein starkes Interesse an Deutsch“, sagt Robert Fallenstein, Leiter der Sprachenabteilung Subsahara-Afrika.
Seit 2008/2009 gibt es auch zwei neue Institute in der Region: In Tansania ist das Institut in Dar-es Salaam wieder eröffnet worden, nachdem es aus finanziellen Gründen vor zehn Jahre schließen musste. Auch in Angolas Hauptstadt Luanda hat sich „Goethe“ – wie das Institut oft im Volksmund genannt wird – niedergelassen. „Angola ist ein kulturell sehr aktives und interessantes Land und ein wichtiger Wirtschaftspartner für Deutschland“, begründet Fallenstein diesen Schritt. In Südafrika zum Beispiel unterstützt das Goethe-Institut auch knapp 100 Schulen und ihre Lehrer mit Materialien, Stipendien zur Fortbildung und Schülersprachkursen in Deutschland. Rund 8000 Schüler lernen hier Deutsch. Allerdings waren es in den 80er-Jahren noch rund 25000 – ein Rückgang, der unter anderem damit zusammenhängt, dass Südafrika heute verstärkt afrikanische Sprachen fördert.
„Im Goethe-Institut in Johannesburg ist mit 300 Lernenden pro Jahr die Zahl konstant geblieben“, sagt Sprachkurs-Koordinatorin Ottilie Ramonat. Auch in Kapstadt gibt es ein großes Kursangebot. Insgesamt sind die Lerngruppen jedoch viel gemischter als früher, und mehr Schwarze nehmen am Unterricht teil. Manche werden von deutschen Firmen geschickt, andere kommen aus Spaß am Lernen und Interesse an der Sprache und Kultur. Und Kursteilnehmer Fanyana Mazibuko hat noch einen weiteren Grund: „Die Fußball-WM steht vor der Tür, da kommen viele deutsche Fans, das wird eine gute Übung für mich sein.“ Nicht nur Südafrika bereitet sich auf das Großereignis im Juni und Juli vor, auch das Goethe-Institut plant eine Reihe von Projekten zum Sportspektakel: 100 Kinder der regionalen Partnerschulen werden nach Johannesburg zum WM-Erlebnis in die Stadien eingeladen; sie werden mit Fußballern trainieren, und an Musik- und Theaterworkshops im „Deutschen Haus“ teilnehmen. Geplant sind auch eine Ausstellung zum Thema „Fußballimpressionen“ und eine naturwissenschaftliche Ausstellung zu der Frage: „Ist der Ball wirklich rund?“
„Soccer-Stories“ heißt das Stichwort eines Workshops in einem Township, bei dem Kinder Geschichten rund um Fußball aufschreiben, die dann veröffentlicht werden. Während der WM werden in vielen „Libraries with a Kick“ Informationen über Fußball angeboten, und Live-Übertragungen der Spiele sollen Büchereien in einen Treffpunkt verwandeln. Das Goethe-Institut in Johannesburg verwandelt sich während des Turniers gleichzeitig in einen „Trailer-Park“ für Fußball-Fans: Aufgeschnittene Wohnwagen, Lauben mit Rädern, Mini-Lounges, schöne Bars und Fußball auf Großleinwänden sorgen dann für eine subkulturelle Campingplatzidylle und WM-Stimmung mitten in der Großstadt.














