Neue Impulse für die Hochschulzusammenarbeit zwischen Deutschland und Argentinien: Eine Netzwerkuniversität soll von 2010 an die vielfältigen Kooperationen deutscher und argentinischer Hochschulen weiter ausbauen. Hinter der Idee der Netzwerkuniversität steht eine virtuelle Hochschule. An ihr können sich Studierende nicht direkt für Studiengänge einschreiben, die Hochschule besitzt auch keinen eigenen Campus, sondern bündelt unter einem Dach die bisher vorhandenen und künftigen deutsch-argentinischen Studienmöglichkeiten. Das Besondere an der Netzwerkuniversität: Für Studierende und Partnerhochschulen eröffnet sie mit aufeinander abgestimmten binationalen Studiengängen und der Möglichkeit eines Doppelabschlusses ganz neue akademische Perspektiven. Bewährt hat sich ein vergleichbares Modell in der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich. Als Vorbild dient die Deutsch-Französische Hochschule in Saarbrücken.
Maßgeblichen Anteil am Aufbau der Netzwerkuniversität hat die deutsche Wirtschaft in Argentinien, die als treibende Kraft hinter dem Projekt steht. Ob der Autobauer VW, der Pharmakonzern Boehringer-Ingelheim, das Chemieunternehmen BASF oder die Technologiefirma Siemens: Einige bekannte und international tätige deutsche Unternehmen haben Argentinien als Standort für Produktion und Forschungsprojekte entdeckt – und suchen gut ausgebildete Akademiker mit Kenntnissen beider Länder. Mit der Netzwerkuniversität sollen das Interesse am Austausch und die bislang bestehende Zusammenarbeit nicht nur deutlich sichtbarer, sondern weiter gefördert und in einen institutionellen Rahmen gebracht werden, heißt es an der Deutschen Botschaft Buenos Aires. Derzeit arbeitet die Botschaft zusammen mit argentinischen und deutschen Partnern, darunter der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), an der Struktur der Hochschule. Wo soll sie ihrenVerwaltungssitz haben? Wie viel Geld benötigt sie für ihre Arbeit? Nach welchen Kriterien wählt sie Studiengänge aus? Dies sind Fragen, deren Details bis Ende 2009 geklärt werden sollen.
Aufbauen kann das Projekt der Netzwerkuniversität auf ein solides Fundament: In der Hochschulkooperation mit Lateinamerika ist Argentinien ein Schwerpunkt. Rund 200 deutsche und 370 argentinische Stipendiaten – Studierende und Wissenschaftler – fördert der DAAD jedes Jahr. Hinzu kommen nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz in Bonn gegenwärtig 76 Kooperationen deutscher und argentinischer Hochschulen. Die Zusammenarbeit reicht dabei bis zu gemeinsamen internationalen Studiengängen mit Doppelabschluss. Bestes Beispiel hierfür ist das englischsprachige Masterprogramm in „Biomedical Sciences“, das die Universitäten Freiburg und Buenos Aires im Oktober 2008 gestartet haben. Ein weiteres Leuchtturmprojekt ist das Max-Planck-Partnerinstitut für Biomedizin, das 2010 in Buenos Aires eröffnet. Die Aufbruchsstimmung, die das Max-Planck-Institut im Forschungsbereich verbreitet, soll sich mit der Netzwerkuniversität auch in der Hochschulzusammenarbeit bemerkbar machen. Spätestens 2010. Dann feiert Argentinien den 200. Jahrestag seiner Unabhängigkeit. Ein Geschenk aus Deutschland soll die neue Netzwerkuniversität werden.














