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Forschung

Kooperation im Weltraum

Deutschlands neue Raumfahrtstrategie setzt auch auf zunehmende internationale Zusammenarbeit. Die NASA und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt gehen mit gutem Beispiel voran.

Von Johannes Göbel

Die Weiten des Alls erfordern starke Allianzen: Raumfahrt ist kostspielig – und benötigt wissenschaftliches Know-how vom Feinsten. Mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der US-amerikanischen National Aeronautics and Space Administration (NASA) bestärken nun zwei etablierte Forschungsorganisationen ihre Kooperation. Im Dezember 2010 unterzeichneten NASA-Administrator Charles F. Bolden und der DLR-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner ein Rahmenabkommen, das die bilaterale Zusammenarbeit fördern soll. Zusätzlich vereinbarten die Partner eine Kooperation zur Erforschung des Mondes, das Lunar Science Institute Agreement. Das vom DLR geführte German Network of Lunar Science and Exploration soll künftig eng mit dem NASA Lunar Science Institute zusammenarbeiten.

„Viele Missionen und Projekte in der Raumfahrt sind durch ihre hohe Komplexität und die damit verbundenen Kosten nur in internationaler Kooperation – zum Beispiel mit der NASA – zu realisieren. Deshalb ist das DLR als nationale Raumfahrtagentur und Forschungseinrichtung neben seinen anderen Verpflichtungen bestrebt, die bilaterale Zusammenarbeit zu suchen“, erklärte Professor Wörner. Er führte aus: „Ebenso wie das DLR werden auch andere in der Raumfahrtforschung aktive wissenschaftliche Einrichtungen Deutschlands von diesem Abkommen profitieren. Dazu zählen Universitäten und Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck-Gesellschaft, aber auch die Unternehmen der deutschen Raumfahrtindustrie, die über das DLR-Raumfahrtmanagement aus dem nationalen Raumfahrtprogramm gefördert werden.“

Ein Beispiel für die Kooperation deutscher und amerikanischer Unternehmen ist das unbemannte DLR-Raumfahrzeug SHEFEX II, das demnächst an der Spitze einer zweistufigen Höhenrakete ins All befördert werden soll. Mit dem Raumfahrzeug werden unter anderem neun verschiedene Hitzeschutzsysteme getestet. An der Herstellung der Außenhaut waren neben dem DLR auch der US-Konzern Boeing und Unternehmen der deutschen Raumfahrtindustrie wie EADS-Astrium und MT Aerospace beteiligt. SHEFEX II trägt zur Entwicklung eines neuen Raumgleiters bei, der von 2020 an zur Verfügung stehen soll.

Das NASA-DLR-Rahmenabkommen umfasst die Zusammenarbeit auf allen relevanten Gebieten der Luft- und Raumfahrtforschung. Im Bereich der Raumfahrt stehen Erdbeobachtung und Forschung unter Weltraumbedingungen im Mittelpunkt, ebenso Raumflugbetrieb und Planetenforschung. Auch das gemeinsame Entwickeln von Raumfahrzeugen und Forschungsplattformen sowie das Betreiben von Forschungsraketen und -ballonen ist Teil der Kooperation. Außerdem sieht die Vereinbarung den Austausch von Wissenschaftlern und wissenschaftlichen Daten vor. Bei der Nachwuchsförderung soll künftig ebenfalls noch enger zusammengearbeitet werden. Das DLR sieht in dem neuen Abkommen zudem die Chance, bewährte Entwicklungen der Radartechnologie weiterzuführen. In der satellitengestützten Radartechnik setzt Deutschland erfolgreich auf die beiden Erdbeobachtungssatelliten TanDEM-X und TerraSAR-X. Ihr von Wetter- und Lichtverhältnissen unabhängiges System der Erdvermessung findet in den USA schon seit längerem besondere Beachtung: DLR und NASA planen zusammen die Folgemission TanDEM-L.

Bereits im Sommer 2010 wurde das seit nunmehr neun Jahren bestehende GRACE-Projekt von DLR und NASA verlängert. Die Kleinsatellitenmission erstellt ein außergewöhnlich genaues Modell des Erdgravitationsfeldes und trägt zur Klimaforschung bei, indem sie etwa die Auswirkungen schmelzender Gletscher oder sich verlagernder Meeresströmungen dokumentiert.

Übrigens: Auch auf der internationalen Raumstation ISS geht die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit weiter. Im Januar 2011 starteten das Bremer Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation und die Portland State University auf der Station das „Capillary Channel Flow“-Experiment, das unter anderem helfen soll, den Treibstoffverbrauch im All zu optimieren.////

11.02.2011
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