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Weltausstellung

Der Pavillon der Prominenz

Der Deutsche Pavillon auf der Expo 2010 in Shanghai gehört zu den Besuchermagneten und zieht auch zahlreiche prominente Vertreter aus Politik, Gesellschaft, Kultur und Medien an. Ein Besuch in der „Balancity“.

Von Sybille Wilhelm

Der chinesische Vizepräsident Xi Jinping war da. Wan Gang, der chinesische Minister für Wissenschaft und Technologie. Die thailändische Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn. Der Sänger Tam Wing-Lun aus Hongkong. Die chinesische Schauspielerin Maggie Cheung mit ihrem Partner, dem deutschen Architekten Ole Scheeren. Und Robert de Niro, der zweifache Oscar-Gewinner aus den USA. Nur ein kleiner Auszug aus der illustren Gästeliste des Deutschen Pavillons auf der Expo 2010 in Shanghai. Er ist der Pavillon der Prominenz. Und einer der Zuschauermagneten der Expo. Rund zwei Millionen Gäste zählten die Veranstalter bis zur Halbzeit. Die Besucher konnten Deutschland-Feeling mit landestypischen Spezialitäten genießen – und auf dem Rundgang durch den 6000 Quadratmeter großen Pavillon komplexe Zusammenhänge spielerisch entdecken.

Die Expo 2010 in Shanghai ist die größte aller Weltausstellungen. Bis zum 31. Oktober werden 70 Millionen Besucher auf einer Gesamtfläche von fünf Millionen Quadratmetern erwartet. Über 240 Teilnehmer, Länder und Organisationen, interpretieren das Expo-Motto „Better City, Better Life“ auf ihre Weise. Das Motto des Deutschen Pavillons lautet „Balancity“, ein Kunstwort aus „Balance“ und „City“. Es greift die Idee von einer Stadt im Gleichgewicht auf. In 13 Themenräumen mit vielen interaktiven Exponaten und unterschiedlichen Atmosphären macht der Beitrag erlebbar, wie wichtig die Ausgewogenheit in der Stadt der Zukunft ist – etwa zwischen Bewahren und Erneuern, zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen Gemeinschaft und Individuum oder zwischen Globalisierung und nationaler Identität. Höhepunkt des Pavillons ist „die Energiezentrale“. Sie ist das Herz von „Balancity“, eine Quelle von Kraft und Lebensfreude. Ihr zentrales Element ist eine Kugel von drei Metern Durchmesser, deren Oberfläche mit rund 400000 LEDs besetzt ist. Im Lauf einer siebenminütigen Show, in der die Besucher die Kugel durch gemeinschaftliches Rufen selbst zum Leuchten und Schwingen bringen, entstehen auf ihr Bilder, Farben und Formen. Sie stehen für Impulse aus Deutschland zum Expo-Thema „Better City, Better Life“.

Das deutsche Konzept ist aufgegangen. So meinte zum Beispiel der Londoner Journalist Rafal Hejne: „Der Deutsche Pavillon gehört zu meinen Favoriten. Ich mag die Balance zwischen guter Information, Unterhaltung und Werbung für Deutschland, die erreicht wird.“ „Interaktive Erfahrungen – allgemein verständlich, aber lehrreich“, titelte am 1. Juli 2010 die große chinesische Tageszeitung Economic Daily. Im Deutschen Pavillon seien „nicht nur zufrieden lächelnde Kinder zu sehen, hier findet jeder Gelegenheit, an den innovativen Spielen teilzunehmen“, schreibt Chen Jingshe in seinem Bericht. „Dieses enorme Interesse und auch die Begeisterung der Menschen zeigen uns, dass wir mit unserer Philosophie, auch größere Zusammenhänge mit leichter Hand zu inszenieren, in China den Nerv des Publikums getroffen haben“, sagt der Deutsche Generalkommissar Dietmar Schmitz. Die Hostessen und Hosts haben den direktesten Draht zu den Besuchern. Ihr Halbzeit-Fazit: „Der Deutsche Pavillon bietet für jeden etwas. Es gibt Besucher, die nach unserer Energie-Show einfach nur begeistert sind. Dann gibt es diejenigen, die von den neuesten Techniken ‘made and designed‘ in Deutschland schwärmen. Aber der gemeinsame Nenner ist sicherlich, dass Deutschland vielschichtig ist und viel im Bereich Nachhaltigkeit leistet“, so Diana Hübel, Hostess im Deutschen Pavillon.

„Der Deutsche Pavillon gefällt mir sehr gut und liefert ein facettenreiches Bild von Deutschland“, sagte Xi Jinping nach seinem Rundgang. Besonders beeindruckt zeigte sich der designierte Nachfolger von Staats- und Parteichef Hu Jintao von der interaktiven Kugel in der Energiezentrale. Die begeisterte auch Maggie Cheung: Die Schauspielerin fand bei ihrem Rundgang heraus, wie viel Energie sie allein mit ihrer Körperwärme erzeugen kann und brachte eine Glühbirne zum Leuchten. Maggie Cheung kam in Begleitung ihres Partners, dem deutschen Architekten Ole Scheeren, der unter anderem den CCTV-Tower in Peking gebaut hat. Der amerikanische Schauspieler Robert de Niro wollte unbedingt die Energiezentrale sehen. Er brachte seine Familie mit und ließ sich beraten, welches deutsche Bier ihm schmecken könnte. Die Wahl fiel auf ein Weizen. Superstar Tam Wing-Lun ließ es sich nicht nehmen, den Deutschen Pavillon in der Begleitung eines Kamerateams zu besuchen. Ein Höhepunkt war sicherlich der Besuch der thailändischen Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn. Das dritte Kind der Bangkoker Königsfamilie verriet, dass sie gerne in Deutschland zur Universität gegangen wäre und sang vor Publikum zusammen mit dem Stellvertretenden Generalkommissar des Deutschen Pavillons, Dr. Peter Kreutzberger, aus Beethovens neunter Symphonie „Freude schöner Götterfunken“.

Sieben Tage die Woche läuft der Betrieb in dem Pavillon, der den Besuchern von 9:30 bis 22:30 Uhr offen steht. Mit vier Millionen Besuchern rechnen die Veranstalter bis zum letzten Tag am 31. Oktober. Das bedeutet auch Hochbetrieb für die deutsche Gastronomie. 2500 Portionen Essen werden täglich ausgegeben – von Roter Grütze bis zum Sauerbraten. Und trotz des großen Ansturms muss kein Gast länger als fünf bis acht Minuten auf seine Mahlzeit warten – und das bei einer maximalen Auslastung von 400 Plätzen. „Die deutsche Platte geht mit Abstand am Besten“, sagt Restaurant-Chef Gerhard Obermayr. Dazu gehören Würste, Sauerkraut und Kassler.

P.S.: Ende August wurde der Deutsche Pavillon mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet. Der Preis wird im Rahmen eines der größten und renommiertesten Designwettbewerbe der Welt vergeben. Er ist unterteilt in die Disziplinen Produktdesign, Kommunikationsdesign sowie Designkonzepte. Weit über 6000 Arbeiten aus 44 Ländern wurden in diesem Jahr eingereicht und begutachtet. Dabei wurden 610 Arbeiten mit dem „roten Punkt“ ausgezeichnet – wie der Deutsche Pavillon. Die feierliche Preisverleihung findet am 8. Dezember 2010 im Red Dot Design Museum in Essen statt.////

26.08.2010
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