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Wirtschaft

Mode mit gutem Gewissen

Das Projekt Cotton made in Africa setzt setzt sich für bessere soziale und ökologische Bedingungen in der afrikanischen Baumwollproduktion ein und verbessert so die Lebensbedingungen afrikanischer Kleinbauern

Von Michaela Ludwig

Die Schaltzentrale für fairen Baumwollanbau in Afrika liegt im Norden Hamburgs. Hier, bei den acht Mitarbeitern der Aid by Trade Foundation (AbTF), laufen die Fäden zusammen für das derzeit größte Public Private Partnership Projekt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit: der Initiative Cotton made in Africa (CmiA). 2005 haben sich textile Einzelhändler wie die Otto-Gruppe, öffentliche Geber wie die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) und Nichtregierungsorganisationen wie Welthungerhilfe, WWF und Naturschutzbund Deutschland zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie afrikanischen Baumwollbauern unterstützen, ihre Baumwolle wirtschaftlicher und ökologisch verträglicher anzubauen und damit die Lebensbedingungen der Familien zu verbessern.

Eine stilisierte Baumwollkapsel ist das Markenzeichen von Cotton made in Africa. Sie ziert die weinroten Etiketten von T-Shirts, Jeans, Bettlaken und Unterwäsche in Warenhäusern, im Versandhandel oder von ausgewählten Kollektionen unterschiedlicher Textilhersteller. Darunter finden sich Unternehmen wie das Versandhaus Otto und der Sportartikelhersteller Puma aus Deutschland sowie die französische Einzelhandelskette Celio und die größte spanische Kaufhauskette El Corte Inglés. Allein im Jahr 2010 haben die rund 30 Einzelhändler zehn Millionen Artikel mit dem Label Cotton made in Africa verkauft. 2011 soll diese Anzahl verdoppelt werden.

Vom Hamburger Stiftungssitz aus arbeiten die Mitarbeiter an einer ständigen Verstärkung der Nachfrageallianz. Denn das ist der Kerngedanke der Initiative: „Wir wollen die Nachfrage nach hochwertiger, afrikanischer Baumwolle in den Industrieländern weiter steigern, damit wir mehr Geld in die Projektgebiete zurückführen können und somit die Einnahmen der Produzenten mittel- bis langfristig steigen“, bestätigt CmiA-Sprecherin Tina Stridde. Dabei setzt sie nicht wie beim fairen Handel auf eine Prämie, die der Anbauer für jedes Kilogramm Baumwolle erhält, sondern auf einen sparsameren Umgang mit Pestiziden sowie effizientere und Ressourcen schonende Anbaumethoden, die den Bauern höhere Erträge – und damit mehr Geld einbringen sollen.

Initiator des Projekts ist Dr. Michael Otto, Aufsichtsratsvorsitzender der Otto-Gruppe, deren weitflächiges Firmengelände in derselben Straße wie der Stiftungssitz liegt. „Hilfe zur Selbsthilfe für hunderttausende afrikanische Bauern“ wolle die Initiative leisten, so der Unternehmer. „Agrarprodukte wie Baumwolle gehören zu den wichtigsten Exportgütern Afrikas. Allerdings können die Baumwollfarmer angesichts der durch Subventionen vor allem in den USA gedrückten Weltmarktpreise kaum überleben.“ Für viele Kleinbauern ist die Produktion nicht einmal kostendeckend, sie mussten aufgeben. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, die bislang anonym auf dem Weltmarkt verkaufte afrikanische Baumwolle durch dieses Label sichtbar zu machen und einen konkreten Nachfragesog zu schaffen.

Bis heute produzieren rund 200000 Bauern in Burkina Faso, Benin, Sambia, Malawi und Elfenbeinküste Cotton made in Africa. Sie haben sich verpflichtet, auf unzumutbare Kinderarbeit zu verzichten. Im Gegenzug werden sie von deutschen Entwicklungshelfern und den lokalen Baumwollgesellschaften in Anbautechniken geschult, um höhere Erträge und mehr Umweltschutz zu erreichen. Nach Angaben von Tina Stridde sind die ersten Erfolge sichtbar: Die Produzenten konnten ihre Erträge um bis zu 30 Prozent steigern. Um die Baumwollproduzenten als Kleinunternehmer auszubilden, bietet die Welthungerhilfe mit ihrer Partnerorganisation ORGANIC in Burkina Faso Alphabetisierungskurse an. „Wir wollen die Farmer in die Lage versetzen, selbständig zu agieren, etwa bei den Preisverhandlungen mit den Baumwollgesellschaften“, sagt Caroline Peyre von der Welthungerhilfe.

In den Anbaugebieten im Norden Benins hat Cotton made in Africa 2010 ein Schulprojekt angestoßen. Die Stiftung, das Unternehmen Tchibo und Organisationen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit stellten rund eine Millionen Euro bereit, um Schulbücher zu kaufen, neue Schulgebäude zu bauen, Stromanschlüsse beziehungsweise Solarstrom zu installieren und Schulkantinen mit Gemüsegarten und Trinkwasserbrunnen einzurichten. Bereits davor hat sich die Aid by Trade Foundation mit der lokalen Baumwollgesellschaft an der Herstellung von 10000 Schuluniformen beteiligt. Die so genannten Khakis wurden aus Cotton made in Africa-Baumwolle vor Ort hergestellt. „Durch die Mitfinanzierung der Khakis konnten die bei der Einschulung anfallenden Kosten für die Familien gesenkt und somit mehr Kindern in unseren Anbaugebieten der Schulbesuch ermöglicht werden“, sagt Stiftungsmitarbeiter Christoph Kaut. Dieses Engagement wurde auf Vorschlag der Bauernorganisationen und der Baumwollgesellschaft dann zum Schulprojekt ausgebaut.

Die Ziele der Baumwoll-Initiative sind hoch gesteckt, angestrebt wird der Eintritt in den Massenmarkt. Ab 2013 sollen die Verkaufszahlen von Cotton made in Africa so weit gestiegen sein, dass die Lizenzeinnahmen als Dividendenzahlungen direkt an die Bauern zurück fließen können. Dafür müssen etwa 60 Millionen Kleidungsstücke verkauft werden. „Wir verfolgen die Maxime, dass die Menschen, die einen Mehrwert erwirtschaften, diesen auch wieder zurückbekommen sollen“, so Christoph Kaut. Ein Teil davon soll in Gemeindeprojekte wie beispielsweise Schulen fließen. „Schließlich gehört zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Bauern auch eine gesunde, lokale Infrastruktur.“ Cotton made in Africa ist kein Charity-Projekt, sondern unternehmerische Entwicklungszusammenarbeit mit marktwirtschaftlichem Interesse.

Die „WinWin“-Situation bringe allen Beteiligten etwas, bekräftigt Stefan Dierks, Umweltmanager bei Tchibo, CmiA-Partner und Unterstützer des Schulprojekts in Benin. „Die Unternehmen profitieren von der nachhaltigeren Bewirtschaftung und damit von der langfristigen Rohstoffsicherung. Weitere Gewinner des Projekts sind die Bauern, aber auch die Umwelt und unsere Kunden, die mit gutem Gefühl trendige Mode tragen können.“////

13.01.2011
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