CHINA
Herr Wang, welchen Klang hat „Made in Germany“ heute in China? Und welche Eigenschaften verbinden Sie mit dieser „Marke“?
„Made in Germany“ hat einen ausgezeichneten Ruf in China. Es steht für beste Qualität, modernste Technik und Zuverlässigkeit – allerdings auch für einen hohen Preis.
Spielt das Herkunftsland von Waren und Dienstleistungen in einer globalisierten Welt überhaupt noch eine ausgeprägte Rolle?
Ja, ich denke schon. Waren und Dienstleistungen aus Deutschland wird zum Beispiel mehr Vertrauen entgegengebracht als vielen anderen.
Ganz persönlich: Was ist Ihr liebstes Produkt aus Deutschland?
Autos. Leider musste ich mich aus Kostengründen vor einigen Jahren beim Kauf meines ersten Autos allerdings für eine französische Marke entscheiden. Mein zweites Auto aber muss ein deutsches sein.
China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in Asien und Deutschland Chinas wichtigster europäischer Handelspartner. Welche neuen Trends und Tendenzen stellen Sie in Ihrem Job fest?
Früher kamen die deutschen Unternehmen, um in China zu investieren. Künftig könnte sich das ändern. Immer mehr chinesische Unternehmen zeigen Interesse an Investitionen in Deutschland. Die chinesischen Firmen interessieren sich auch nicht mehr nur für die Produkte, sondern auch für die Technik aus Deutschland.
Yang Wang (Foto oben) – Der ehemalige Bundeskanzlerstipendiat ist stellvertretender Geschäftsführer des Investment Promotion Department der Xiangtan Hi-tech Zone und Beauftragter des Hessischen Wirtschaftsministeriums in der Provinz Hunan.
USA
Herr Irwin, welchen Klang hat „Made in Germany“ heute in den USA? Und welche Eigenschaften verbinden Sie mit dieser „Marke“?
In den USA steht „Made in Germany“ für sehr gute Qualität. Auch wenn der Preis vielleicht etwas höher ist, verbinden Amerikaner mit dem Gütesiegel einen hohen Standard, innovative Produkte, die halten, was sie versprechen.
Spielt das Herkunftsland von Waren und Dienstleistungen in einer globalisierten Welt überhaupt noch eine ausgeprägte Rolle?
Ich glaube, diese Frage ist produktabhängig. Generell kann man sagen: Produkte werden immer austauschbarer. Bei weniger spezialisierten Waren, wie Textilien oder Agrargütern, nimmt die Bedeutung des Herkunftslandes eher ab. Viele Marken sind in unserer globalisierten Welt als globale Marken aufgestellt. Oft weiß der Konsument gar nicht, aus welchem Land ein Produkt kommt. Das Ursprungsland oder das dahinter stehende Unternehmen spielt daher in vielen Fällen keine oder eine untergeordnete Rolle. Meist kauft der Konsument eine Marke, weil ihn die durch sie vermittelten Werte ansprechen. Man kauft das Auto einer Marke, weil sie ein bestimmtes Lebensgefühl verspricht. Insbesondere jedoch bei Maschinen und Investitionsgütern stehen deutsche Produkte traditionell für sehr gute Qualität und erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit.
Ganz persönlich: Was ist Ihr liebstes Produkt aus Deutschland?
Es gibt nicht ein „liebstes Produkt“. Es gibt viele Produkte aus Deutschland, die ich gerne mag. Meine Vorlieben ändern sich manchmal auch. Bleiben wir mal im Automobilbereich: Die Autos gleichen sich technisch immer mehr an. Die Markenprodukte müssen sich also über andere Aspekte als die pure Technik profilieren und positionieren. Ich bin aber überzeugt: Starke Produkte mit eindeutiger Positionierung werden auch in Zukunft starke Produkte bleiben.
Ist Deutschlands Export zu abhängig vom Euro-Dollar-Wechselkurs?
Die USA sind der größte Absatzmarkt für deutsche Produkte außerhalb der Europäischen Union und wichtigstes Empfängerland deutscher Direktinvestitionen. Deutschland exportiert überdurchschnittlich viele Hightechwaren wie Luxusautos und hochspezialisierte Maschinen. Auch solche Produkte profitieren von einem niedrigen Euro-Kurs, aber stärker profitieren eher solche Produkte, die von vielen hergestellt werden und bei denen vor allem der Preis zählt. Kurzfristig mag der schwache Euro also eine gewisse Entspannung bringen, weil Produkte „Made in Germany“ im Welthandel günstiger werden. Durch einen niedrigen Euro-Kurs werden jedoch Zukäufe am wichtigen US-Markt deutlich teurer.
Fred B. Irwin – Der US-Amerikaner ist Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland. Die älteste bilaterale Handelsvereinigung Deutschlands fördert Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern. Die Kammer hat rund 3000 Mitglieder.
ARABISCHE WELT
Herr Al-Mikhlafi, welchen Klang hat „Made in Germany“ heute in der Arabischen Welt? Und welche Eigenschaften verbinden Sie mit dieser „Marke“?
„Made in Germany“ bedeutet in den arabischen Ländern hohe Qualität und Zuverlässigkeit. Man ist bereit, für Produkte aus Deutschland einen höheren Preis zu zahlen, weil man weiß, etwas Hochwertiges dafür zu erhalten. Es heißt, wer billig kauft, kauft zweimal. In den arabischen Ländern weiß man, dass dies auf deutsche Produkte nicht zutrifft. Erwähnen muss man allerdings auch, dass natürlich auch Produkte aus anderen Regionen in den arabischen Länden gut vertreten sind. Nicht nur japanische oder koreanische, auch Erzeugnisse aus China und anderen Schwellenländern können sich gut behaupten. Daraus folgt, dass man Präsenz vor Ort zeigen und Kooperationen anknüpfen muss. Das gilt sowohl für den Handel als auch für Investitionen.
Spielt das Herkunftsland von Waren und Dienstleistungen in einer globalisierten Welt überhaupt noch eine ausgeprägte Rolle?
Bei Qualitätsprodukten spielt dies eine Rolle. Unternehmensnamen wie Daimler oder Siemens sind Synonyme für Deutschland und für Qualität. Und wenn Kunden hochwertige Qualität kaufen möchten, dann sind Name und Herkunft des Produkts wichtige Kriterien für die Entscheidung. Das gilt aber nicht nur für die großen Namen. Deutschland ist auch bekannt für seine kleinen und mittelständischen Unternehmen, die höchst innovativ sind und ebenfalls mit viel Sorgfalt entwickelte und hergestellte Produkte liefern, und zwar im Maschinen- und Fahrzeugbau, in der Umwelttechnologie, in der Medizintechnik und Biotechnologie, in der Technologie alternativer Energien, um nur einige Beispiele zu nennen.
Ganz persönlich: Was ist Ihr liebstes Produkt aus Deutschland?
Ich selbst fahre seit über 20 Jahren Mercedes. Aber mich verbindet mit Deutschland mehr als das. Ich habe in Deutschland ein zweites Studium absolviert. Seit 17 Jahren arbeite ich in Deutschland und lebe mit meiner Familie sehr gern hier.
Wie beurteilen Sie den aktuellen Stand der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und der Arabischen Welt? Und in welchen Branchen sehen Sie die Zukunft?
Die deutsch-arabischen Wirtschaftsbeziehungen kann man als uneingeschränkt gut bezeichnen. Nichts belegt dies deutlicher als die Exportzahlen Deutschlands in die arabische Welt im Krisenjahr 2009. Weltweit gingen die deutschen Ausfuhren, im Vergleich zum Vorjahr, um 18,4 Prozent zurück, in die arabischen Länder sanken sie nur um 13,4 Prozent. Zum anderen engagieren sich die arabischen Länder vermehrt durch strategische Partnerschaften bei deutschen Unternehmen, was einen Vertrauensbeweis bedeutet. Ich erinnere zum Beispiel an die Beteiligung Katars an Volkswagen oder Kuwaits und Abu Dhabis an der Daimler AG. Abu Dhabi hat sich auch am Dresdener Halbleiterhersteller Globalfoundries und – mehrheitlich – an der Ferrostaal AG sowie an den Werften Nobiskrug und Blohm + Voss beteiligt.
Auch auf wirtschaftspolitischer Ebene kann man die Beziehungen nur als sehr gut bezeichnen. Im Mai besuchte die Bundeskanzlerin die arabischen Golfstaaten, der Bundesaußenminister war im Januar dort und stattete vier arabischen Staaten des Nahen Ostens im Mai seinen Besuch ab. Kaum eine Region in der Welt hat 2010 so häufig derart hochrangigen Besuch aus Deutschland erhalten. Umgekehrt haben viele hochrangige Persönlichkeiten der arabischen Politik in diesem Jahr Deutschland besucht und dabei Repräsentanten der Wirtschaft getroffen, zuletzt etwa der Emir von Kuwait, der auch auf Einladung der Ghorfa mit hochrangigen Unternehmensvertretern gesprochen und sie zu mehr Engagement der deutschen Wirtschaft in seinem Land eingeladen hat.
Abdulaziz Al-Mikhlafi – Der Diplomat im Rang eines Botschafters stammt aus dem Jemen. Seit 2000 ist er Generalsekretär der Arab-German Chamber of Commerce and Industry Ghorfa. Die Handelskammer knüpft Netzwerke in 22 arabische Länder und unterstützt deutsche Unternehmen dabei, im arabischen Markt Fuß zu fassen.
JAPAN
Herr Hitara, welchen Klang hat „Made in Germany“ heute in Japan? Und welche Eigenschaften verbinden Sie mit dieser „Marke“?
Deutsche Produkte sind stark von einer „Philosophie“ geprägt. Die Hersteller sind von ihrer Idee überzeugt, durchdrungen, folgen ihr und wollen sie umsetzen. Das kann manchmal auch dazu führen, dass man damit dem Kunden etwas aufdrängt. Aber diese „Philosophie des Produktes“ kann für Kunden umgekehrt auch ausgesprochen attraktiv sein. Vielen Japanern ist es auch wichtig, dass die Produkte belastbar sind und dass der Preis ihrem Wert entspricht – auch wenn man viel Geld für sie ausgeben muss. Das Label „Made in Germany“ verbinden viele Japaner eng mit dem guten Image der bekannten deutschen Automarken.
Spielt das Herkunftsland von Waren und Dienstleistungen in einer globalisierten Welt überhaupt noch eine ausgeprägte Rolle?
Die Qualitätskontrolle im Ausland ist schwieriger als im eigenen Land. Dieses Problem hat das japanische Unternehmen Toyota gerade deutlich zu spüren bekommen. Toyota war gezwungen, in den USA eine große Rückrufaktion zu starten. In Japan sind viele der Ansicht, dass die Verlagerung der Produktion ins Ausland negativen Einfluss auf die Qualitätskontrolle hat. Ich glaube in dem Fall eher, dass es Probleme mit dem Qualitätsmanagement innerhalb des Unternehmens gab. Eine Firma, die ihre Technik weltweit verbreitet, sollte auch ein international gut funktionierendes Qualitätsmanagement haben.
Ganz persönlich: Was ist Ihr liebstes Produkt aus Deutschland?
Ich besitze Messer und Bergsteigerausrüstung von deutschen Marken. In meinem Auto sind außerdem Zubehörteile von Bosch.
Japan und Deutschland sind Hochtechnologie-Länder. In welchen Bereichen ist Japan stark, in welchen Deutschland?
Deutsche Produkte sind von einer starken Unternehmensphilosophie und von origineller Technik geprägt – und von einem gewissen Selbstvertrauen. Bei japanischen Produkten legt man mehr Wert darauf, welchen praktischen Nutzen sie haben und ob sie interessant sind – man orientiert sich stärker am Kunden. Beide Länder bringen gute Produkte auf den Markt, aber sie unterscheiden sich in ihrem unternehmerischen Denken.
Ikuo Hitara – Der Japaner ist Chefreporter der führenden japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“.
NIEDERLANDE
Herr de Graaf, welchen Klang hat „Made in Germany“ heute in den Niederlanden? Und welche Eigenschaften verbinden Sie mit dieser „Marke“?
Zuverlässigkeit, Solidität, Qualität, Gründlichkeit und bis ins Detail durchdachte Produkte.
Spielt das Herkunftsland von Waren und Dienstleistungen in einer globalisierten Welt überhaupt noch eine ausgeprägte Rolle?
Sicher etwas weniger als früher. Doch „Made in Germany“ bleibt für mich eine klingende Empfehlung für einen Standort, an dem hochwertige Waren produziert werden.
Ganz persönlich: Was ist Ihr liebstes Produkt aus Deutschland?
Alles, was „Automotive“ ist. Da stehe ich sicher nicht allein, gerade wenn man sieht, wie die Qualitätsmarken jetzt vom zunehmenden Export unter anderem nach Asien profitieren.
Die Niederlande sind Deutschlands wichtigster Import-Handelspartner und verweisen die Volksrepublik China auf den zweiten Platz. Lässt sich diese Spitzenposition in der Zukunft verteidigen?
Das denke ich schon. Die geografische Nähe, gute Verbindungen über Land und Wasser und die jahrelange gute Beziehung tragen dazu bei. Die Niederlande sind für Deutschland ein wichtiger Partner bei Öl, Gas und nachhaltiger Energie, aber auch in Branchen wie Chemie, Nahrungsmitteln und Automobilzulieferung. Diese engen Strukturen sind über Jahre gewachsen und haben viel Vertrauen in die Leistungen des jeweils anderen geschaffen. Die Geschäftskulturen ähneln sich, und inzwischen vertragen wir uns ja sogar beim Fußball. Aus meiner Sicht werden die Niederlande auch langfristig der Partner Nr. 1 für Deutschland bleiben – und umgekehrt!
Willem de Graaf – Der Managing Director von voestalpine Plastics Solutions, einem Zweig der voestalpine Polynorm Group, pflegt intensive Beziehungen mit Deutschland. Die niederländische Gruppe zählt zu den führenden Zulieferern der Automobilindustrie und unterhält auch ein Produktions- und Entwicklungszentrum in Deutschland. Das global agierende Unternehmen ist auf die Entwicklung und Produktion von Karosserieteilen spezialisiert.














