Das olympische Motto „Dabei sein ist alles“ gilt auch für die deutsche Wirtschaft: Mit Blick auf die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 in Brasilien arbeiten deutsche Unternehmen beim Stadionbau, rund um die Sicherheit und die Infrastruktur mit Brasilien zusammen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf nachhaltigen Konzepten und grüner Technologie. Die Verzahnung von Forschung und Innovationen sind dabei eine besondere Stärke Deutschlands. „Insbesondere die Kooperation zwischen der Fraunhofer-Gesellschaft und brasilianischen Partnern wie dem Nationalen Institut für Technologieforschung (IPT) ist ein gutes Beispiel für die gelungene Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Brasilien im Bereich der erneuerbaren Energien. Dies wollen wir im Deutsch-Brasilianischen Jahr zeigen und weiter ausbauen“, betonte Bundesforschungsministerin Annette Schavan während des Besuchs einer hochrangigen brasilianischen Delegation zum „Tag der Energie“ am 25. September 2010 in Berlin.
Auch Rainer Brüderle, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, sagte bei seiner Reise mit 40 mittelständischen deutschen Unternehmern im April 2010 nach Brasilien: „Wir möchten unsere Erfahrungen aus den Olympischen Spielen in München und der Fußballweltmeisterschaft 2006 einbringen. Wir wollen dazu beitragen, dass die Veranstaltungen in Brasilien ein Erfolg werden“. Brüderle gab bei seinem Besuch in São Paulo auch das Startsignal für die „Casa Alemana“. In dem mobilen Pavillon stellen deutsche Unternehmer Produkte und Systeme aus den Bereichen der erneuerbaren Energien, der Energieeffizienz und der Energieberatung vor. Denn grüne Technologie „made in Germany“ ist international Markt- und Innovationsführer. In der Casa Alemã sollen einem breiten Publikum verschiedene Möglichkeiten gezeigt werden, wie Privatleute Gebäude mit erneuerbaren Energiequellen betreiben können und welche Lösungen für den effizienten Einsatz von Energie und Energieeinsparungen in einem Gebäude sinnvoll sind. Der deutsche Pavillon fährt seit April 2010 über einen Zeitraum von 16 Monaten durch 13 Länder Lateinamerikas.
Energieeffizienz ist auch in Brasilien ein großes Thema. Mit einem Anteil von 45 Prozent am gesamten Energieverbrauch sind die erneuerbaren Energien derzeit Brasiliens wichtigste Energiequelle. Trotzdem werden bis heute nur ungefähr 63 Prozent der gewonnenen Elektrizität tatsächlich genutzt. 37 Prozent gehen verloren, beispielsweise auf den langen Transportwegen. Bis hin zum Endverbraucher sind darüber hinaus oft veraltete Technologien im Einsatz . Im Jahr 2008 unterzeichneten die beiden Länder daher das deutsch-brasilianische Abkommen über die Zusammenarbeit im Energiesektor mit den Schwerpunkten erneuerbare Energien und Energieeffizienz. „Hierfür bietet die deutsche Industrie Spitzentechnologie und innovative Lösungen. In den kommenden Jahren wollen wir daher unser Engagement in Brasilien deutlich ausbauen“, bestätigte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel auf den 28. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstagen im Mai in Deutschland. „Brasilien ist und bleibt der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands in Lateinamerika.“ Mit dem Projekt „WinWin 2014/2016“ – einer deutsch-brasilianischen Wirtschaftsinitiative – bietet Deutschland Brasilien zudem bei der Organisation der Sport-Großereignisse, der Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016, seine Erfahrung an.
Neben den Großwasserkraftwerken, die Brasilien hauptsächlich mit Strom versorgen, sollen auch andere regenerative Energiequellen stärker genutzt werden. Zum Beispiel ist das Potenzial für Windkraft in Brasilien riesig. Die brasilianische Entwicklungsbank BNDS hat ein Programm aufgelegt, das private Investitionen in Windparks mitfinanziert. Mindestens drei größere Anlagen von zusammen 80 Megawatt (MW) sind geplant. Pro Jahr sollen sie 200 Gigawattstunden (GWh) Leistung bringen und 78000 Tonnen an Kohlendioxid-Emissionen einsparen. Ein erster Windpark wird derzeit im „Vale dos Ventos“ in Pernambuco im Nordosten Brasiliens errichtet. Das deutsche Unternehmen Enercon baut zudem einen Windpark in Fortaleza bei São Paulo. Für die Finanzierung des Windkraft-Programms steuert die deutsche KfW Entwicklungsbank ein zinsverbilligtes Darlehen von 100 Millionen Euro bei.
Auch die Kraft der Sonne soll in Brasilien künftig mehr genutzt werden. Bislang erbringen die wenigen existierenden Solar-Kleinanlagen gerade einmal eine Leistung von zusammen 0,2 Mega-Watt-peak (MWp). Das entspricht weniger als 0,01 Prozent der derzeit in Deutschland erreichten Leistung aus Solarkraft. Dabei ist die Sonneneinstrahlung im viel größeren Brasilien doppelt so energiereich wie in Deutschland. Derzeit werden das Dach des Verwaltungsgebäudes und die Parkplatzüberdachungen des staatlichen Energieversorgers Eletrosul aus Florianópolis im Bundesstaat Santa Catarina umgerüstet: Wenn sie steht, wird sie Brasiliens größte an das Stromnetz angeschlossene Solaranlage sein und mit einer Spitzenleistung von 1 Mega-Watt-peak gleich fünfmal so viel Strom ins nationale Versorgungsnetz einspeisen wie alle derzeitigen Solaranlagen Brasiliens zusammen. Mit diesem Pilotprojekt im Rahmen der deutsch-brasilianischen Entwicklungszusammenarbeit will Eletrosul Strom aus Sonnenkraft als Alternative zu fossilen Energieressourcen stärker ins Blickfeld rücken und den Weg für einen Ausbau der Solarenergie in Brasilien ebnen. Und wenn es mehr und leistungsstärkere Photovoltaik-Anlagen in dem Land gibt, wirkt sich das nicht nur positiv auf das Klima aus: Mittelfristig kann sich so auch eine Solarindustrie entwickeln, die Arbeitsplätze schafft.
Gemeinsam mit dem Energieversorger COELBA in Salvador de Bahia und der Regulierungsbehörde ANEEL hat die Bundesregierung darüber hinaus die Planung, Finanzierung und Umsetzung der ersten Solarstadien in Lateinamerika sichergestellt. So bekommen etwa die Fußball-WM-Stadien in Brasilia und Belo Horizonte Solardächer. Federführend für den Bau der Stadien ist das deutsche Architekturbüro gmp – von Gerkan, Marg und Partner.














