1 Herr Professor Dudenhöffer, 125 Jahre nach der Erfindung des Automobils steht die Autoindustrie angesichts von Klimawandel, neuen Abgasvorschriften und steigenden Spritpreisen vor großen Herausforderungen. Wie wird sich die Branche verändern?
Das Auto wird grün und intelligent. In 15 Jahren werden bei den Neuwagen weniger als ein Drittel der verkauften Fahrzeuge reine Verbrennungsmotoren sein, zwei Drittel sind teilelektrisch und elektrisch. Das zweite große Feld sind teilautonomes Fahren und Assistenzsysteme. Die dritte große Entwicklungslinie ist das Billigauto. Da entsteht ein gewaltiger Markt in den Schwellenländern.
2 In Deutschland sollen bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen unterwegs sein. Wie realistisch ist dieses Ziel?
Bei der heutigen Unterstützung des Themas Elektromobilität in Deutschland ist das schwer zu schaffen. Wenn wir bei 600000 Fahrzeugen in 2020 rauskommen, wäre das gut. Wer aber seinen Weg macht, Stück für Stück, ist der Hybrid. Da werden wir in den nächsten 15 Jahren viel Bewegung sehen. Wenn sich Deutschland nicht stärker für die Elektromobilität engagiert, läuft die Industrialisierung im Ausland.
3 Hauptkritikpunkte an Elektromobilen sind die bisher unzureichende Batteriekapazität und eine fehlende Infrastruktur mit Ladestationen. Bleibt das E-Mobil eher ein Auto für die Kurzstrecke?
Das reine batteriegetriebene Fahrzeug hat seine großen Vorteile in Stadtverkehren. Hier kommt es zum Einsatz, für Überlandfahrten gibt es bessere Alternativen. Von daher ist der Plug-in Hybrid sicher eine Art Königsweg, bis dann in vielleicht zwanzig Jahren die Bedingungen für die Brennstoffzelle stimmen. Dann gilt Reichweite ohne Grenzen.
4 Bei der Brennstoffzellentechnik geht es nur langsam voran, weil Wasserstoff schwer zu gewinnen ist und ein Netz von Tankstellen bisher fehlt. Welche Chance geben Sie der Technik?
Wir brauchen Zeit. Einerseits müssen die Kosten der Technik marktfähig werden, und zum anderen brauchen wir Wasserstoffproduktionssysteme, die sinnvoll sind. Mit der ökonomischen Wasserstoffproduktion aus erneuerbaren Ressourcen werden auch die Tankstellen kommen. Dann gehen wir in eine wirkliche Zukunft: emissionsfrei und lautlos.
5 Wo stehen die deutschen Hersteller im internationalen Vergleich bei der Entwicklung umweltfreundlicher Autos?
Eigentlich sind die deutschen Autobauer besser als ihr Image. Die deutsche Autoindustrie schafft es einfach nicht, von ihren Lösungen zu überzeugen. Das hat auch damit zu tun, dass man sich bei einigen Autobauern immer sehr sträubt, Neues anzupacken. Wer Weltmeister im Diesel ist, hat Angst, Neues anzupacken. Da haben die Japaner, Koreaner und bald Chinesen einen freieren Kopf.
6 Liegt die Lösung für das umweltfreundliche Auto am Ende eher in sparsamen Verbrennungsmotoren und moderner Leichtbauweise?
Leichtbau absolut ja. Da wird Carbon sicher eine wichtige Rolle spielen. BMW ist hier dabei, sich einen passablen Vorsprung zu erarbeiten. Verbrennungsmotoren sind nicht die Zukunft. Die Geschichte von der Optimierung der Verbrennungsmotoren wird von den Deutschen schon 50 Jahre erzählt. Vielleicht hat man auch deshalb das Image vom Zauderer. Die Effizienz des Verbrennungsmotors liegt im Extremfall bei 35 Prozent, beim Elektromotor bei 95 Prozent.
7 Welche neuen Assistenzsysteme, die Vorteile bringen, sind marktreif?
Bei den Pkws gehen wir Schritt für Schritt in das teilautonome Fahren. Das verbessert Sicherheit und Komfort. Der automatische Einparkassistent ist ein schönes Beispiel für Komfortsysteme, die hohen Kundennutzen bringen. Im Sicherheitsbereich gehen wir über Abstandsassistenten, tote Winkel, Spurbahnhalten, Fernsicht immer stärker in die „Car to Car“-Kommunikation.
Interview: Oliver Sefrin















