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Wie die KfW russische Klein- und Mittelstandsunternehmen fördert

Kleine Firmen ganz groß

Mittelständische Unternehmen gelten in Deutschland als Rückgrat der Wirtschaft. Mithilfe einer deutschen Förderbank soll sich der Erfolg in Russland wiederholen

Von Oliver Heilwagen

Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) mit höchstens 250 Mitarbeitern sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft: Sie erzeugen mehr als die Hälfte des Bruttosozialprodukts und stellen mehr als vier Fünftel aller Arbeitsplätze. Innovationsfreudig und flexibel erfüllen sie weltweit die verschiedensten Kundenwünsche. Dagegen wird die russische Industrie traditionell von Großbetrieben dominiert. Seit den Wirtschaftsreformen der Perestroika sind aber auch in Russland zahllose KMU entstanden, die vom Aufschwung der vergangenen Jahre stark profitiert haben. Dennoch tragen sie zum nationalen Bruttosozialprodukt bislang weniger als 15 Prozent bei. Häufig fehlt diesen Unternehmen der Zugang zu Krediten, um Investitionen zu tätigen und ihre Produktion zu steigern. Doch die Vergabe von Darlehen an solche Unternehmen ist mittelfristig ein sichereres Geschäft, da es stabile Zinseinnahmen auch dann garantiert, wenn manche Schuldner ausfallen oder die Kapitalmärkte wie seit Mitte 2007 in die Krise geraten. Mit deutscher Unterstützung sollen sich die Chancen der kleinen und mittelständischen Firmen in Russland jedoch langfristig verbessern.

Um den Aufbau des russischen Mittelstands zu fördern, wurde 2004 das Deutsche KMU-Kreditprogramm in Russland (DKMUP) geschaffen. Die KfW-Entwicklungsbank, eine Förderbank im Besitz der öffentlichen Hand, stellt dafür bis zum nächsten Jahr 300 Millionen Euro zur Verfügung, die durch Garantien der Bundesrepublik gegen politische Risiken abgesichert werden. Mit diesen Fördermitteln werden Kredite von maximal 200000 Euro mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren an russische KMU zu marktüblichen Konditionen vergeben. Das geschieht mithilfe von 17 kommerziellen Partnerbanken, die zusammen in etwa der Hälfte aller russischen Regionen vertreten sind. „Es geht uns darum, dass abseits der Metropolen Moskau und Petersburg die Banken ihr regionales Filialnetz ausbauen, um neue Unternehmen zu erreichen“, erklärt KfW-Projektmanagerin Elvira Lefting: „Die Banken sollen kompetentes Personal und marktnahe Produkte anbieten, um auf die spezifischen Bedürfnisse von KMU einzugehen." Dafür sind Fortbildungsmaßnahmen vorgesehen, die vom Bundeswirtschafts- und vom Bundesfinanzministerium gefördert werden. Die konkrete Arbeit vor Ort übernehmen Consultingfirmen im Auftrag der KfW: Ein russischsprachiger Berater agiert als „Schatten-Manager“ in der jeweiligen Bank und hilft den Mitarbeitern im Umgang mit den KMU. Sowohl die Mittel der KfW als auch die der Ministerien stellen aber nur eine Anschubfinanzierung dar. Die russischen Partnerbanken steuern einen bis zu zehnfach höheren Betrag aus Eigenmitteln zur Kreditvergabe bei.

Auf diese Weise sind bislang rund 250 Millionen Euro an mehr als 4000 russische KMU vergeben worden. Das sind keine Subventionen – die aufgenommenen Darlehen müssen verzinst zurückgezahlt werden. Doch die Zahlungsmoral der Kleinunternehmen sei sehr gut, lobt Lefting: „Da sie ortsgebunden sind, bedienen KMU selbst in wirtschaftlichen Stress-Situationen ihre Kredite, denn ihr Überleben hängt vom Zugang zu den lokalen Finanzeinrichtungen ab.“ Nur zwei bis 2,5 Prozent der Schuldner würden säumig, nur 0,5 Prozent der Kredite fielen aus – diese Anteile seien niedriger als in Deutschland.

Vielen KMU gelingt es, mit vergleichsweise bescheidenen Beträgen ihre Produktion bedeutend auszuweiten oder sich völlig neue Geschäftsfelder zu erschließen. Etwa der „OOO TFM XXI“, deren 26 Mitarbeiter seit 1996 in Wolschsk, Republik Mari, Polstermöbel für Abnehmer in der Region herstellt. Im Laufe der Jahre hat die Firma ihre Produktpalette um andere Einrichtungsgegenstände wie Türen, Schrankwände, Schlafzimmer und Küchengarnituren erweitert. Mit einem DKMUP-Kredit konnte Inhaber Fanis Faritowitsch Schajdullin eine so genannte Randbeschichtungsmaschine zur Herstellung von Schränken kaufen und die Lagerkapazität ausbauen.

KMU bieten aber nicht nur Konsumgüter und Dienstleistungen, sondern auch Industrieprodukte an. Wie die „OOO Rastr-Technologia“, die eng mit einem deutschen Partner zusammenarbeitet: Die Holding mit Niederlassungen an sechs russischen Standorten ist offizieller Vertreter der deutschen Karl Marbach GmbH & Co. KG – dem führenden Anbieter von Stanzformtechnik in Europa. Das deutsche Unternehmen liefert Maschinen und Werkstoffe, um Stanzerzeugnisse aus Karton, Papier, Folien und leichtem Furnierholz herzustellen. Die russische Firma mit 200 Angestellten steuert ihr Know-how bei Laserbearbeitungen und Ionenplasma-Beschichtungen bei. Mit einem DKMUP-Kredit wurde eine neue Produktionsstätte in Obninsk errichtet und eine Laser-Anlage angeschafft. Die Kooperation mit deutschen Partnern oder der Import von Ausrüstungen aus Deutschland sind jedoch nicht Voraussetzungen, um DKMUP-Mitel zu bekommen, betont Lefting: „Das Programm soll den russischen Mittelstand wirtschaftlich fördern – aber nicht ihm deutsche Exporte aufnötigen. Das kommt von allein.“ Um die Berührungsängste von Banken und Kleinunternehmen abzubauen, werden regelmäßig „Deutsch-Russische KMU-Finanzierungstage“ veranstaltet, an denen hochrangige deutsche und russische Bankvertreter und russische Regionalregierungen beteiligt sind. 2009 wird die Erfolgsgeschichte in Jekaterinburg fortgesetzt.

02.07.2008
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