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Warum die deutschen Maschinenbauer ein Büro in Moskau eröffnen

„Der wichtigste Markt in Osteuropa“

Manfred Wittenstein, Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, über die Bedeutung des Exportmarktes Russland

Interview: Rainer Stumpf

Manfred Wittenstein

Manfred Wittenstein

Herr Wittenstein, in die USA exportieren die deutschen Maschinenbauer fast doppelt so viele Maschinen wie nach Russland. Dennoch hat Ihr Verband Ende Mai ein Verbindungsbüro in Moskau und nicht in Washington oder New York eröffnet. Warum ist Russland für den Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) so wichtig?

Die Vereinigten Staaten sind nach wie vor unser wichtigster Absatzmarkt. Hier sind unsere Mitglieder aber schon sehr lange tätig, besitzen gewachsene Geschäftsbeziehungen und sind hervorragend aufgestellt. Unser Verband verfolgt die Strategie, seine Mitglieder auf den Märkten zu unterstützen, in denen schwierigere Rahmenbedingungen existieren. Dies ist im dynamischen Wachstumsmarkt Russland der Fall. Hier möchten wir unsere Mitgliedsunternehmen direkt aktiv unterstützen.

Wie nehmen Ihre Mitarbeiter in der russischen Hauptstadt diese Aufgabe wahr?

Durch das VDMA-Verbindungsbüro in Moskau sollen die bilateralen Aktivitäten des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus unterstützt und gefördert werden. Dieses Büro dient als Drehkreuz zwischen deutschen und russischen Regierungsstellen, Verbänden sowie Unternehmen. Unsere Repräsentanz in Moskau betreut die vielfältigen Aktivitäten unserer Branche vor Ort. Die Kooperation mit russischen Unternehmen zu intensivieren, die Kundenbindung zu stärken und langfristig zu gestalten, das sind die wichtigsten Ziele der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer auf dem russischen Markt.

Wie wichtig ist Russland überhaupt als Absatzmarkt für die deutschen Maschinenbauer?

Russland ist für unsere Branche der bedeutendste Absatzmarkt in Osteuropa. Allein im vergangenen Jahr stiegen die deutschen Lieferungen nach Russland um 23,5 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Damit ist Russland auf Platz sechs unserer wichtigsten Exportländer vorgerückt. Insgesamt wuchsen die deutschen Maschinenausfuhren 2007 um 10,6 Prozent auf 135,8 Milliarden Euro. Noch ein Jahr zuvor lag diese Summe bei 122,8 Milliarden Euro.

Warum sind Maschinen aus Deutschland auf dem russischen Markt überhaupt so erfolgreich?

Die deutsch-russischen Beziehungen im Maschinenbau sind traditionell gewachsen. Bereits seit Jahrzehnten bestehen intensive Verbindungen. Die russischen Kunden schätzen deutsche Hersteller als vertrauensvolle Partner, die mit ihren qualitativ hochwertigen Maschinen und ihrem innovativen technischen Know-how in der Lage sind, auf alle Kundenwünsche individuell eingehen zu können. Rund ein Viertel der Maschineneinfuhr Russlands stammt aus Deutschland. Wir freuen uns, dass deutsche Maschinen und Anlagen in Russland so beliebt sind und sind stolz darauf, der wichtigste Maschinenlieferant Russlands zu sein.

Maschinen aus welchen Branchen sind denn bei Ihren russischen Kunden besonders gefragt?

Besonders gefragt waren im vergangenen Jahr vor allem Maschinen Bau- und Baustoffmaschinen, Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen sowie Landtechnik. Stark vertreten sind auch Werkzeugmaschinen, Fördertechnik, Allgemeine Lufttechnik, Armaturen und Bergbaumaschinen. Russland ist seit zwei Jahren wichtigster Exportmarkt für deutsche Maschinen zur Süßwarenproduktion.

Gibt es auch deutsche Unternehmen, die in Russland produzieren?

Es gibt bereits einige deutsche Maschinenbauunternehmen, die im Land produzieren oder montieren. Ein Beispiel ist Claas, einer der weltweit führenden Hersteller von Agrarmaschinen, der mit einem Werk in Krasnodar vertreten ist. Insgesamt gesehen überwiegen derzeit aber deutlich die direkten Liefergeschäfte.

Welches Feedback erhalten Sie von deutschen Unternehmen, die in Russland aktiv sind?

Russland ist ein dynamischer Wachstumsmarkt, auf dem in den nächsten Jahren zahlreiche große Investitionen in den Bereichen Industrie, Energiewirtschaft und Infrastruktur anstehen. Entsprechend sehen unsere Mitglieder enorme Geschäftschancen und sind mit viel Engagement im Markt tätig, der nach wir vor nicht einfach ist. Beispielsweise ist der Aufbau einer stabilen Kundenbeziehung sehr zeitintensiv und es existieren stark bürokratische Prozedere in den Bereichen Zoll und Zertifizierung.

Welche Marktentwicklung erwarten Sie denn genau in den kommenden Jahren?

Wir rechnen damit, dass die deutschen Maschinenlieferungen bis 2015 um jährlich zwölf Prozent zulegen. Dabei handelt es sich um eine durchschnittliche Wachstumsrate. Es wird Jahre geben, in denen die Zuwachsraten deutlich darüber liegen, wie es bereits in den vergangenen Jahren der Fall war. In der mittelfristigen Perspektive kann es aber auch durchaus einmal ein schwächeres Jahr geben. Aus Sicht des deutschen Maschinenbaus wird Russland aber auch zukünftig einer unserer dynamischsten Absatzmärkte weltweit sein.

19.06.2008
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