Mit der Nordsee-Offshore-Initiative setzen neun europäische Länder ein eindrucksvolles Zeichen für die Nutzung erneuerbarer Energien. Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Luxemburg, die Niederlande und Schweden wollen Windkraftanlagen in der Nordsee über ein unterseeisches Hochspannungsnetz miteinander verbinden. Ein Pioniervorhaben: So entstünde das erste europäische Energienetz, das sich über mehrere Ländergrenzen erstreckt. Auch wenn die Klimakonferenz von Kopenhagen im Dezember 2009 keine Einigung über ein neues weltweites Klimaschutzabkommen erzielen konnte, stellen die europäischen Länder mit dem gewaltigen Ökostromnetz eine weitere Weiche für eine klimafreundliche Energieversorgung.
„Für Deutschland als Land mit ambitionierten Offshore-Ausbauplänen hat die Initiative große Bedeutung“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Er sieht das Projekt als Beitrag zu einem Sprung ins Zeitalter der erneuerbaren Energien. Noch ist das grenzüberschreitende Ökostromvorhaben in der Planungsphase. Ende 2009 haben Deutschland und seine europäischen Partnerländer die ehrgeizige Idee mit einer politischen Erklärung ins Leben gerufen. Mit der Stärkung der Versorgungssicherheit, einem höheren Wettbewerb auf dem Binnenmarkt und der Integration erneuerbarer Energien werden in der Erklärung drei wesentliche Gründe für die Initiative deutlich. Sie ist nach dem Wüstenstromprojekt „Desertec“ innerhalb kurzer Zeit bereits die zweite gemeinsame europäische Großinvestition im Bereich nachhaltiger Energietechnologien. Die bei „Desertec“ mit Sonnenkraftwerken in Nordafrika gewonnene Energie soll bis 2050 rund ein Fünftel des gesamten europäischen Strombedarfs decken.
Damit auch der Strom der Windkraftwerke später in große Teile Europas geliefert werden kann, plant die Nordsee-Offshore-Initiative Windparks mit Tausenden Kilometern Kabel zu vernetzen und so Energieressourcen zu bündeln. Möglich wären außerdem Verbindungen mit Wasserkraftwerken in Skandinavien, um den Ökostrom besser zu speichern, sowie mit mehreren Gezeitenmeilern an der belgischen und der dänischen Küste und weiteren Wind- und Solaranlagen auf dem europäischen Festland. Derartig vernetzt wäre die Versorgung der beteiligten Staaten unabhängiger von Wetterschwankungen, die bisher noch einen Nachteil bei der Nutzung von Wind- und Sonnenenergie darstellen.
Noch 2010 wollen die Gründer der Nordsee-Offshore-Initiative weitere Planungsschritte einleiten und auch die Netzbetreiber einbinden. Die möglichen Kosten für das Hightechnetz beziffern Experten auf bis zu 30 Milliarden Euro.















