Schulterschluss an der Küste: Um das Potential erneuerbarer Energien besser nutzen zu können, planen neun europäische Staaten ein riesiges Ökostromnetz. Der Nordsee-Offshore-Initiative haben sich neben den Anrainern Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und der Niederlande auch Irland, Luxemburg und Schweden angeschlossen. Die Staaten wollen Windkraftanlagen in der Nordsee durch ein unterseeisches Hochspannungsnetz miteinander verbinden. Dies wäre das erste Energienetz Europas, das sich über viele Ländergrenzen erstreckt.
„Für Deutschland als Land mit ambitionierten Offshore-Ausbauplänen hat die Initiative große Bedeutung“, betont Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Mit ihr würden „die Ressourcen der verschiedenen Teilnehmerstaaten gebündelt“. Zudem bietet eine mögliche Anbindung an Wasserkraftwerke in Skandinavien die Chance, wertvollen Ökostrom zu speichern. Bei starkem Wind wird derzeit noch überschüssiger Ökostrom erzeugt. Er könnte jedoch bei einer Vernetzung mit Wasserkraftwerken zum Pumpen von Wasser in Speicher genutzt werden. Diese Wasservorräte könnten wiederum bei Windstille für benötigte Energie sorgen. Derartig vernetzt wären die beteiligten Staaten unabhängiger von Wetterschwankungen, die bisher einen Nachteil bei der Nutzung von Windenergie darstellen. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ könnten auch Gezeitenmeiler an der belgischen und dänischen Küste sowie Wind- und Solaranlagen auf dem europäischen Festland zum geplanten Netz gehören.
Die Begründer der Nordsee-Offshore-Initiative wollen in der ersten Jahreshälfte 2010 Schwerpunkte der Zusammenarbeit erarbeiten. Ende 2010 soll in einem „Memorandum of Understanding“ das weitere Vorgehen festgelegt werden. Die möglichen Kosten für das Hightech-Netz beziffern Experten laut der „Süddeutschen Zeitung“ auf bis zu 30 Milliarden Euro. Vor dem Hintergrund der enttäuschenden Weltklimakonferenz von Kopenhagen setzt das Ökostrom-Projekt ein positives Zeichen für den Klimaschutz. Wirtschaftsminister Brüderle: „Wir wollen dazu beitragen, dass uns möglichst schnell der Sprung in das regenerative Zeitalter gelingt. Dies muss mit neuesten Technologien und auf wirtschaftliche Weise erfolgen.“
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