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Entwicklung

Saubere Kochenergie für Afrika

Offene Feuerstellen durch moderne Kochherde zu ersetzen, kann das Leben vieler Menschen retten und das Klima schützen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit engagiert sich seit Jahren auf diesem Feld. In Kenia mit großem Erfolg

Von Michael Netzhammer

Wenn Clementia Wurenabi kochen muss, verlässt sie ihre Hütte, geht über den Hof zu einem kleinen Verschlag. Innen ist es dunkel, die Wände sind schwarz vor Ruß. In der Ecke liegen drei Steine. Dazwischen häuft sie Äste und Laub an, stellt einen Topf auf die Steine und zündet das Feuer an. Sofort füllt sich der Raum mit Rauch. Die Mutter von sechs Kindern hustet und ihre Augen tränen. Kochen ist für die Kenianerin eine Qual. Wie sie kochen drei Milliarden Menschen weltweit ihr Essen über offenen Feuern oder ineffizienten Herden. Als Brennstoff sind sie auf Holz, Pflanzenreste oder Dung angewiesen. Wer wie Clementia Wurenabi kocht, inhaliert so viele Schadstoffe wie ein Kettenraucher. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass daran jedes Jahr mehr als 1,6 Millionen Menschen sterben. Kochen tötet damit mehr Menschen als Malaria.

Hinzu kommt der Verbrauch an Biomasse. Jeden Tag verbrennen weltweit mehr als drei Millionen Tonnen Feuerholz unter Töpfen und Pfannen. In vielen afrikanischen Regionen wird das Holz knapp. Wer einen Eindruck von der Brennstoffkrise bekommen will, muss nur den Hügel hinter Clementia Wurenabis Haus hinauflaufen. Es ist eine wunderbar grüne Landschaft. Nur Wald gibt es keinen mehr. Clementia Wurenabi muss deshalb immer länger nach Feuerholz suchen – Zeit die fehlt, für ihre Kinder, für produktive Arbeiten. Oder sie muss den Brennstoff kaufen. Ineffizientes Kochen hält die Menschen arm. Die vielen Millionen Kochfeuer beeinflussen auch das Klima. Allein beim Verbrennen von Biomasse entstehen drei Prozent der CO2-Emissionen und sogar fünf Prozent der weltweiten Methangas-Emissionen.

Wie die Welt kocht, ist also nicht nur eine Frage des Geschmacks. Moderne Kochherde können Leben retten, die Armut reduzieren und das Klima schützen. Das Wissen um dieses wirksame Werkzeug blieb viele Jahre Entwicklungsexperten vorbehalten. Nun aber haben im September 2010 Regierungen, Organisationen, Unternehmen und Stiftungen die Global Alliance for Clean Cookstoves gegründet. Ziel der Initiative ist es, bis 2020 die Verbreitung von 100 Millionen effizienten Herden zu unterstützen. Zu den Gründern der Global Alliance gehören unter anderem Organisationen der Vereinten Nationen und verschiedene Staaten, unter ihnen Deutschland.

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) entwickelt und verbreitet im Auftrag der Bundesregierung seit fast 30 Jahren Herde in Afrika und Lateinamerika. Dieses Wissen fließt nun in die Initiative ein. „Es ist wichtig, dass wir unsere fachliche Expertise und finanziellen Mittel bündeln, denn Herde zu verbreiten, ist eine komplexe Aufgabe“, sagt Marlis Kees von der GIZ. Stadtbewohner kochen anders als Menschen auf dem Land. Geographie, Klima und Lebensmittel prägen regionale Kochkulturen. Welche Herde die Menschen nutzen, das hängt von ihrer Kaufkraft und Fähigkeit ab, moderne Technologien zu adaptieren. Gerade Frauen müssen vom Wechsel der Kochtechnologie erst überzeugt werden. „Die Küche ist ein sehr traditionsbeladener Ort“, weiß Kees. Die Art zu kochen wird von Generation zu Generation weitergeben. Einen Wechsel erreicht nur, wer Kochtraditionen und Verhaltensweisen berücksichtigt.

Zahlreiche Projekte erreichten ihre Ziele nicht, weil sie nicht angepasste Technologien wie Solarkocher verwendeten oder die Herde kostenlos verteilten. „Auch arme Frauen wollen eine moderne und einfach zu bedienende Kochtechnologie“, sagt Marlis Kees. Dann sind sie auch bereit, Geld dafür zu bezahlen. Die GIZ setzt deshalb verstärkt auf die Bildung von lokalen und regionalen Märkten für moderne Kochherde. Denn ein funktionierender Markt stellt Versorgung mit modernen Herden auch ohne Entwicklungshilfe sicher. Dafür passt die GIZ modernes Herddesign an die lokalen Verhältnisse an, stellt das Wissen darüber Unternehmen zur Verfügung, schult zusammen mit ihren Partnerorganisationen potentielle Herdbauer und startet Informations- und Aufklärungskampagnen.

Ein gutes Beispiel für diese Aktivitäten ist Kenia. „Wir brauchen dringend bessere Herde. Nicht nur der Gesundheit wegen, sondern auch um den riesigen Holzverbrauch zu reduzieren“, sagt Anna Ingwe, Leiterin des Herd-Programms der GIZ in Nairobi. Zumal effiziente Herde nicht teuer sein müssen. Auf die Technologie kommt es an. Die GIZ greift auf eine Technologie des ehemaligen NASA-Ingenieurs Larry Winiarski zurück. Brennkammer und Design des so genannten Rocket Stoves sind State-of-the-Art, die Brennkammer besteht aus gebranntem Ton. Die übrigen Materialien können sowohl aus Lehm als auch aus Blech gefertigt sein.

Je nach Herd sparen die Nutzer zwischen 40 und 60 Prozent Feuerholz ein, vor allem aber entsteht beim Verbrennen kaum Rauch. Die Technologie allein reicht jedoch nicht aus. In einem zweiten Schritt müssen die Menschen auch davon überzeugt werden. Deshalb kooperiert das Projekt mit Ministerien und NGOs, mit Kirchen und Frauengruppen, mit Plantagen und Zuckerfabriken. Die Botschaft kommt an, auch weil die Suche nach Feuerholz immer langwieriger wird, die Preise für Holz auf der anderen Seite in die Höhe schnellen. Die Menschen sind deshalb bereit, anders zu kochen. „Seit 2006 haben wir 1,1 Millionen Herde verbreitet und für jeden haben die Kunden bezahlt“, sagt Anna Ingwe. Mit der Nachfrage ist außerdem ein neues Geschäftsfeld für Unternehmen und selbständige Herdbauer entstanden.

Was die GIZ in Ländern wie Kenia, Uganda oder Malawi initiiert, will die neu geschaffene Global Alliance for Clean Cookstoves jetzt weltweit anschieben. Statt selbst Herde zu verbreiten, will die Initiative die Rahmenbedingungen dafür schaffen, in dem sie saubere und effiziente Technologien entwickelt, Standards für Herde festlegt und Finanzierungsmodelle schafft zum Beispiel über Mikrokredite oder den Emissionshandel. Mit ihrer Gründung hat die Global Alliance for Clean Cookstoves schon einmal ein Zeichen gesetzt und das Thema auf der internationalen Agenda verankert. Der eigentliche Wandel aber muss in den vielen Millionen von Kochhütten in Afrika und andernorts geschehen. Wie man Frauen wie Clementia Wurenabi überzeugt, das kann die Initiative in Kenia studieren.////

21.01.2011
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