„Dass ich einmal hier forschen würde, hätte ich nicht gedacht“, strahlt Kristy Peña Muñoz, 30Jahre und aus Mexico City, als sie über ihre Arbeit am Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart berichtet. „Als Studentin assoziierte ich mit Deutschland nur das Adjektiv kalt – in jeder Hinsicht.“ Dafür, dass sich das änderte, sorgte schon ein erster Aufenthalt in Deutschland für ein Master-Programm. Damals beschäftigte sich die junge Wissenschaftlerin mit Umweltmanagement und der unterschiedlichen Gesetzeslage in verschiedenen Ländern. Danach wartet ein anspruchsvoller Job: Für ein neues Werk des Daimler-Konzerns in Mexiko plante sie das gesamte Umweltmanagement.
Während ihres Alexander von Humboldt-Stipendiums beschäftigt die junge Frau sich mit Klärschlamm. „Bei uns in Mexiko wird er einfach irgendwo vollkommen ungeschützt deponiert“, erklärt die Umwelttechnikerin. „Daran muss sich etwas ändern, aus Umweltgründen, und weil der Schlamm eine Ressource ist.“ Nun erforscht Peña Muñoz die Vergärungsprozesse im Klärschlamm, bei denen zwei Gase herauskommen: Wasserstoff, begehrt als emissionsfreier Treibstoff, und das Treibhausgas Methan. Je nachdem, wie man den chemischen Prozess steuert, ändert sich das Verhältnis der entstehenden Gase. Heute sind es bei den bekannten Prozessen gut zwei Drittel Methan und nur ein Drittel Wasserstoff. „Ich möchte den Prozess so optimieren, dass möglichst viel Wasserstoff herauskommt und möglichst wenig Methan. Dabei muss der Prozess leicht einsetzbar, umweltfreundlich und bezahlbar bleiben“, erklärt Peña Muñoz.
Im Moment wertet die Mexikanerin den aktuellen Wissensstand aus und bereitet Versuchsreihen vor. Dabei ist sie eng in die internationale Gemeinschaft am Institut eingebunden. So unterstützt sie zum Beispiel ihr griechischer Kollege Iosif Mariakakis, der schon ein Jahr länger in dem Bereich forscht. Sobald Peña Muñoz in einigen Monaten wieder nach Mexiko zurückkehrt, wartet dort ungeduldig ihr ehemaliger Arbeitgeber, ein mittelständischer Spezialist für Abwasseranlagen. In dessen Betrieb hat sie gelernt, wie man Abwasserbehandlungsanlagen baut und konzipiert. Nun möchte ihr ehemaliger Chef innovative Klärschlammbehandlungsanlagen entwickeln, die auf Peña Muñoz‘ verbesserten Verfahren basieren.
Mit ihrem Wunsch, ihr Wissen möglichst praktisch umzusetzen, ist die Mexikanerin typisch für das Wunschprofil des 2010 erstmals vergebenen Klimaschutz-Stipendienprogramms der Alexander von Humboldt-Stiftung für Nachwuchskräfte aus Entwicklungsländern. „Wir fördern mit diesem Programm nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Mitarbeiter von NGOs, aus der Politik oder aus Unternehmen“, erklärt Georg Scholl, Sprecher der Stiftung. Neben ausreichend wissenschaftlicher oder beruflicher Erfahrung, Kontakt zu einer deutschen Partnerinstitution, die mit den Bewerbern arbeiten möchte, und einem ansprechenden Projekt, kommt es bei der Auswahl vor allem auf die Persönlichkeit an. „Wir wollen junge Menschen mit Führungspotenzial unterstützen, die wahrscheinlich gute Multiplikatoren werden“, sagt Scholl. Denn der Klimaschutz als globales Problem erfordert internationale Zusammenarbeit. Oft gibt es in den Ländern der Stipendiaten zwar viele landesspezifische Daten, aber es fehlen Methoden oder Technologien, um daraus wissenschaftliche Theorien und praktische Handlungsanweisungen zu machen. Wer das einjährige Stipendium erhält, bekommt bis zu 2400 Euro monatlich und kann auch seine Familie mitbringen. Zudem werden die Stipendiaten zum „Humboldtianer“, wie sich die Angehörigen dieser weltweiten wissenschaftlichen Gemeinschaft mit 24000 Wissenschaftlern in mehr als 130 Ländern nennen. „Die Betreuung durch die Stiftung ist sehr persönlich und geradezu perfekt“, lobt Peña Muñoz.
Das bestätigt auch der zweite südamerikanische Programmteilnehmer, Armas Angel aus Peru. Der 31-Jährige arbeitet im Umweltministerium seines Heimatlandes und beschäftigt sich dort mit der Frage, wie sich die Entwaldung des Amazonasbeckens stoppen oder zumindest bremsen lässt. Denn der Primärwald am Amazonas ist eine der wichtigsten Kohlenstoffsenken der Welt und von großer Bedeutung für die Stabilität des Weltklimas. Bei seinem Projekt kooperiert Angel am Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) mit deutschen Kollegen, die sich bereits in Zentralamerika mit ähnlichen Themen befasst haben. „Aus Zentralamerika oder Brasilien gibt es viel mehr Daten als aus Peru. Dort hängt man wie in vielen anderen Ländern des Südens hinsichtlich der Methoden und Modelle etwas zurück“, sagt Angel, der das mit seiner Arbeit ändern will.
Konkret möchte er zwei Dinge herausfinden: Einmal, welche Regionen besonders verletzlich sind und daher am dringendsten geschützt werden müssen. Zum anderen, ob Kompensationszahlungen an die Waldbewohner bewirken können, dass sie sich einen Lebensunterhalt suchen, der nicht auf dem Abholzen und Abbrennen des Regenwaldes basiert. Außerdem untersucht Angel, wer überhaupt diejenigen sind, die am meisten Wald zerstören. „Zu diesem Thema gibt es fast keine Forschung“. Der Wissenschaftler möchte mit konkreten, politisch umsetzbaren Empfehlungen nach Peru zurückkehren. Mit den Ergebnissen seines Projekts will er mithelfen, den Regenwald vor weiterer Zerstörung zu bewahren – ein Ziel ganz im Sinne des neuen Klimaschutz-Stipendienprogramms der Humboldt-Stiftung.////














