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Wissenschaft

Eine Vision für die Mongolei

Erstmals lud die Alexander von Humboldt-Stiftung dieses Jahr internationale Nachwuchsführungskräfte mit einem Klimaschutz-Stipendium nach Deutschland ein. Saruul Agvaandorjiin aus der Mongolei will in ihrem Heimatland mehr Verantwortung für die Umwelt etablieren.

Von Katja Winckler

Saruul Agvaandorjiin hat eine Vision: Sie möchte in ihrem Land für einen umwelt- und menschenverträglicheren Bergbau und saubere Luft sorgen. Dafür hat die Vorsitzende der Mongolischen Grünen Bewegung in Ulan Bator ihre Koffer gepackt und ist mit ihrem Laptop unterm Arm nach Berlin geflogen. Für ein Jahr wird Saruul in Berlin in einer Zwei-Zimmer-Wohnung leben. Und immer wieder die 6195 Kilometer Entfernung und knapp neun Flugstunden in Kauf nehmen, um zwischen der Mongolei und Deutschland zu pendeln. Hohe Ansprüche hat sie nicht, dafür hohe Ideale.

In der deutschen Hauptstadt ist die 46-Jährige für die nächsten Monate nicht nur Gast der Bundestagsfraktionspolitikerin Andrea Schwarzkopf des Bündnis 90/Die Grünen. Die promovierte Politikwissenschaftlerin und Germanistin ist auch Klimaschutz-Stipendiatin der renommierten Alexander von Humboldt-Stiftung. Die in diesem Jahr erstmals initiierte Programminitiative für Nachwuchsführungskräfte unterstützt Saruul bei ihrem Projekt. Sie möchte unter anderem dafür sorgen, dass in den 34 mongolischen Umweltgesetzen der Aspekt Verantwortung aufgenommen wird. „Ich möchte dazu beitragen, dass die Bergbaufirmen, die Bürger und die Entscheidungsträger sich durch gesetzliche Änderungen ihrer Verantwortung bewusster werden“, sagt die Mongolin, die vor sechs Jahren zur Grünen Bewegung in der Mongolei stieß und seit 2006 deren Vorsitzende ist. Ihrer Ansicht nach kann es nur eine Zukunft geben – und die ist grün.

Das Stipendium setzt auf Umwelt- und Wissenstransfer. „Mit dieser Initiative unterstützen wir Menschen aus außereuropäischen Schwellen- und Entwicklungsländern und ergänzen die schon bestehenden Programme unserer Stiftung“, sagt Professor Dr. Helmut Schwarz, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung. „Ziel ist es, dass deutsche und ausländische Experten langfristig zusammenarbeiten, um den Herausforderungen des Klimawandels und seinen Folgen zu begegnen.“ 15 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Ägypten, Äthiopien, Indien, Kenia, Mexiko, Nigeria, Peru, den Philippinen, der Volksrepublik China und eben auch der Mongolei sind dabei. Sie arbeiten unter anderem im Bereich der Außenpolitik und Internationale Beziehungen, Biotechnologische Verfahren, Forstwissenschaften, Ökonomie, Öffentliches Recht, Abwasserchemie, Ökologie und Klimatologie. Verwirklicht werden die Projekte an Universitäten, bei politischen Organisationen und in Vereinen.

Ginge es nach Saruul sollen die internationalen Bergbaufirmen, die in ihrem Land gute Geschäfte machen, modernste, umweltfreundliche Technologien wie erneuerbare Energien einsetzen und den immensen Wasserverbrauch senken. Außerdem möchte die Wissenschaftlerin die Möglichkeiten des Ausbaus von Mitspracherechten der Bürger und der Umwelterziehung untersuchen. Sie hofft, innerhalb des einen Jahres Kooperationen zwischen den entsprechenden Institutionen in Deutschland und der Mongolei herzustellen zu können. Im Rahmen ihres Stipendiums besucht Saruul deshalb diverse Hochschulen wie beispielsweise die Bergakademie in Freiberg, der Fraunhofer Gesellschaft in Freiburg im Schwarzwald. „In meinem Land den Grundstein für das grüne Business zu legen, ist eines meiner Ziele“, sagt sie. Saruul knüpft derzeit Kontakte zu Wissenschaftlern und anderen Stipendiaten und hofft so, ihr Wissen im Bereich Bergbau, Jura, Lizenzvergabe, Erneuerbare Energie und Umwelterziehung sowie Stärkung von NGOs erweitern zu können.

Deutschland ist ihr übrigens nicht fremd. Die Affinität zu diesem Land ist in ihrer Familie tief verwurzelt: Ihr Großvater Erdene Batukhan, der erste Bildungsminister der Mongolei, hatte in den 20-er Jahren nach Deutschland die ersten Studenten aus der Mongolei zu Ausbildung geschickt und diese selbst begleitet. Auch ihre Eltern waren von der deutschen Sprache und einer Ausbildung in Deutschland sehr angetan. Daher studierte Saruul in Jena zu DDR-Zeiten Philosophie, promovierte per DAAD-Stipendium in Marburg inklusive Gastaufenthalt in Wien über das Thema „Demokratisierungschancen in der Mongolei“ und arbeitete in Ulan Bator – als Germanistik-Lektorin an der mongolischen Staatsuniversität und als Soziologin am Institut für Bauwesen. Am meisten hat sie die Lust am Diskutieren in Deutschland begeistert. Diese Gesprächskultur Kultur würde sie gern in ihrer Heimat stärker etablieren.////

29.10.2010
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