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In Afrika hat ein deutscher Reeder den Bau von 800 Schulen unterstützt

Volle Kraft für Bildung

Reeder Peter Krämer aus Hamburg engagiert sich für Bildung in Afrika. Als Initiator des Projekts „Schulen für Afrika“ sind zusammen mit Unicef bereits 800 Schulen in sechs afrikanischen Ländern entstanden

Von Andrea Jeska

Es regnet in Hamburg, es stürmt hanseatisch. In seinem Büro im vierten Stock eines Hamburger Kontorhauses bläst der Reeder Peter Krämer Zigarettenrauch in die Luft und feilt an den letzten Sätzen eines Briefes, den er an die Intendanten von ARD und ZDF schreibt. Er möchte, schreibt er, dass die öffentlich-rechtlichen Sender einen von Krämer finanzierten Werbespot senden, in dem um Bewusstsein für die Bildungsmisere Afrikas und um Geld für Schulen dort geworben wird. Der Werbespot solle zur besten Sendezeit gezeigt werden: während der Spiele der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika. „Endlich wird dann das Interesse an Afrika einmal groß sein.“

Peter Krämer hat viele Rollen. Der studierte Jurist ist seit 1982 Inhaber von „Marine Services“, einer 1958 von seinem Vater gegründeten Reederei für den Transport von Öl, Chemikalien und Flüssiggas. Als Krämer übernahm, befand sich das Unternehmen in der Krise, heute fahren für Marine Services 33 Schiffe. In seiner zweiten Rolle ist er der Gründer der Hamburger Gesellschaft zur Förderung der Demokratie und des Völkerrechts, und in seiner dritten, die seine wichtigste, seine Lebensaufgabe wurde: Initiator des von Unicef getragenen Projekts „Schulen für Afrika“, das er 2005 mit einer Großspende von einer Million Dollar an den Start brachte.

Krämer ist ein umtriebiger Mann, der daran glaubt, die Welt lasse sich zum Guten verändern. Ob er nun eine „Elite“ fordert, die „nach menschlichen und christlichen Vorgaben handelt“ oder den Geiz, die Gleichgültigkeit der Wohlhabenden geißelt, stets mischt er sich ein. Auch der geplante Werbespot ist für ihn ein Instrument, Politik zu machen. Er möchte, dass das Milleniumsziel Nr. 2 erfüllt wird: Bis 2015 alle Kinder der Welt zur Grundschule zu schicken. Nun hilft Peter Krämer nicht der ganzen Welt, er hilft nur Afrika, aber wenn sich einer fände, der den Rest übernähme, er hätte nichts dagegen. 12 Milliarden Euro würde es kosten die 80000 Grundschulen zu bauen, die weltweit fehlen. Ohne die Unterstützung der internationalen Politik aber werde man diese Summe nicht zusammenbekommen. In Krämers Augen wäre das durchaus machbar: „12 Milliarden sind ein Fingerschnipp für die Staaten der G8, die schon Billionen in die Finanzwirtschaft gesteckt haben. “

Wenn die Medien über Peter Krämer schreiben, dann schreiben sie eine Heldengeschichte. Krämer gefällt das, denn Helden sind ihm sehr lieb. Er benennt seine Schiffe nach ihnen. Eines wollte er Nelson Mandela nennen, das klappte rechtlich nicht. Trotzdem engagiert sich Krämer für die Bildungsprobleme auf dem afrikanischen Kontinent. Also schrieb er einen Brief an die Nelson-Mandela-Foundation. Wenn er, Krämer, eine Million Dollar als Grundkapital gäbe und Unicef zur Umsetzung der Idee gewänne, ob die Foundation dann mit im Boot sei? Sie war es.

So begann eine bildende Erfolgsgeschichte, wie man sie nicht oft hört: 800 Schulen in sechs Ländern gebaut oder wieder hergerichtet. Tausende von Schulen eingerichtet, Waschräume, Latrinen gebaut, Lehrer ausgebildet, Bücher gespendet. 800000 Kinder, die ohne „Schulen für Afrika“ bildungslos blieben, wurden eingeschult. Alles unter dem Dach von Unicef, von der Mandela-Foundation in der Umsetzung unterstützt, ausgeheckt und dirigiert in einem Büro in Hamburg. Fünf Millionen Euro hat Krämer bislang in sein Projekt gesteckt. Geld, das aus eigener Tasche stammt.

Er sei stolz darauf, sagt Peter Krämer. Dass seine Idee solche Bewegung entfalten würde, nicht einmal er hatte am Anfang damit gerechnet. Viele der Schulen hat der Reeder schon persönlich besucht, und auf allen Fotos dieser Besuche sieht man die weiße Krämer-Mähne zwischen schwarzlockigen Kinderköpfen. Glücklich sieht Krämer darauf aus, manchmal erschöpft, doch mittendrin ist er immer. Stolz ist er auch auf die Begegnung mit Nelson Mandela, von der es an der Wand seines Büros ein Foto gibt: zwei Männer, Hand in Hand. „Was wollen Sie mir sagen“, hat der Freiheitskämpfer Südafrikas ihn damals gefragt. Krämer wollte gerne etwas Besonderes sagen, um in Erinnerung zu bleiben. Und sagte also: „Sie sind der Vater Südafrikas, aber ich möchte, dass sie durch mein Bildungsprojekt der Vater von ganz Afrika werden.“ Das habe Nelson Mandela gefallen.

Es ist nicht leicht, dem Reeder durch das Dickicht seiner Gedanken und Ideen zu folgen, wenn man eigentlich nur über die Erfolge seines Schulprojekts reden will, über Zahlen, Fakten und Motivation. Während man sich als Zuhörer noch in Afrika wähnt, ist Krämer schon bei der deutschen Politik, fordert eine vertretbare Globalisierung und Umweltbewusstsein, erzählt Anekdoten aus seiner Jugendzeit. Die Streitkultur in seinem Elternhaus habe ihn positiv geprägt. Um dann auf jenen Satz zu kommen, der alles, was Peter Krämer antreibt, zusammenfasst: Er wolle zurück geben, was das Leben ihm gab. Viele Privilegien, vor allem Bildung.

Hopp, und schon ist Peter Krämer wieder bei Afrika und philosophiert, eingewoben im Rauch einer neuen Zigarette. Grundschulbildung sei das Fundament für eine gesunde gesellschaftliche Entwicklung. Ein gebildetes Afrika sei ein starkes Afrika. „Wenn sie eine Generation ausbilden, haben sie am Ende eine selbstbewusste Generation. Denken sie mal: Nur 40000 Euro kostet eine Schule in Afrika.“

Die Spendenmarke von 50 Millionen Dollar wollte „Schulen für Afrika“ in diesem Jahr erreichen. Schon jetzt aber sind es 63 Millionen, und Krämer hat Unicef um Erweiterung der Länderliste gebeten. In Planung sind Mali, Madagaskar, Nigeria, Burkina Faso und, so es die politische Lage erlaubt, der Sudan. Dass die Menschlichkeit in Zeiten der Wirtschaftskrise auf der Strecke bleibt, glaubt Krämer nicht. „Der Kleinspender wird immer seinem Idealismus treu bleiben. In der Not rücken Menschen zusammen. Vielleicht wird daraus ja ein globales Zusammenrücken.“

07.05.2009
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