„Wir haben es geschafft. Das Leben im Dorf beginnt und morgen bauen wir weiter“. Aino Laberenz Worte klingen erleichtert. Sie freut sich über die Eröffnung der Schule und die Fortschritte des Operndorfs in Burkina Faso. Das außergewöhnliche Projekt war eine Initiative ihres Ehemannes Christoph Schlingensief, die vor zwei Jahren in Laongo, einem Dorf in der Nähe der Hauptstadt Ouagadougou, geboren wurde. Unter dem Motto „Von Afrika lernen“ hatte der bekannte deutsche Theaterregisseur und Filmemacher die Idee eines kompletten Dorfs mit Schule, Wohhäusern, Büros, einem Krankenhaus und einer Theaterbühne mit Festsaal mit großer Leidenschaft verfolgt, bis er im August 2010 an Krebs starb.
Mit dem im Oktober 2011 fertiggestellten Schulhaus ist jetzt mit der ersten von drei Bauphasen ein wichtiges Etappenziel erreicht. Seitdem lernen in der Grundschule rund 50 Mädchen und Jungen im Alter von sechs Jahren, die aus den umliegenden Dörfern kommen. Auf ihrem Lehrplan steht neben den üblichen Fächern auch Kunst-, Tanz- und Musikunterricht als besonderes Bildungsangebot. Dicke Mauern aus roten Ziegeln, ein spezielles Dach, das Hitze abhält und ein natürliches Belüftungssystem: Entworfen hat das klimagerechte Schulgebäude ein Freund von Christoph Schlingensief: der Berliner Architekt Francis Kéré. In Burkina Faso geboren, kam Kéré zum Studium nach Deutschland und leitet heute sein eigenes Architektur-Büro in Berlin. Für die Grundschule in seinem Heimatdorf Gando, die er gemeinsam mit den Bewohnern baute, erhielt er 2004 den Aga Khan Award – den höchstdotierten Architekturpreis der Welt.
„Wir haben nicht das Ziel, unsere Schüler alle zu kleinen Künstlern zu machen“, sagt der Lehrer und künstlerische Direktor Abdoulaye Ouedraogo. „Aber wir sind sicher, dass die Kinder sehr viel lieber lernen, wenn es kreativ und mit Spaß passiert.“ Auch das Goethe-Institut, das zusammen mit dem Auswärtigen Amt und der Kulturstiftung des Bundes zu den wichtigsten Unterstützern zählt, will das Operdorf als Anlaufstelle für den Dialog mit afrikanischen Künstlern nutzen. In Laongo arbeiten Aino Laberenz und Francis Kéré unterdessen daran, dass es möglichst schnell mit dem zweiten Bauabschnitt des Operdorfs weitergehen kann, damit bald auch Krankenstation, Wohnhäuser und Sportplatz stehen. Das Opernhaus selbst kommt erst zum Schluss. Mit ihm würde Christoph Schlingensiefs Traum schließlich in Erfüllung gehen.///














