Ein Blumenstrauß und ein toter Fisch haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam – auf den zweiten aber vielleicht doch. Genau darum hält sich der kenianische Umweltchemiker Peter Otieno (38) für ein Jahr als Klimaschutz-Stipendiat der Humboldt-Stiftung am Institut für Ökologische Chemie des Helmholtz-Zentrums München auf. Unterstützt vom Team seines Gastgebers Professor Dr. Dr. Karl-Werner Schramm sucht Otieno bezahlbare, mobile, schnelle und zuverlässige Tests, die hochgiftige Chemikalien wie Chlorfurane oder Organophosphate in Wasser, Fisch und Sediment nachweisen. „Moderne Chromatografen und Massenspektrometer sind für uns zu teuer. Wir haben nur sehr wenige und meist veraltete Exemplare, für deren Nutzung es lange Wartelisten gibt“, sagt Otieno.
Otieno hat Versuchsmaterial vom Naivasha-See im kenianischen Rift Valley mitgebracht. Der See ist umgeben von immer mehr Blumenplantagen, die für den Export produzieren, denn für die Teeproduktion ist es inzwischen zu trocken. Nur fließen Dünger und Pestizide aus den Anlagen mit dem Abwasser ungeklärt in den See. Sie sind, vermutet Otieno, eine Ursache für schwindende Fischbestände im See, der früher seine Anwohner ernährte. Auch Wildtiere in der Umgebung verenden. Ein eindeutiger Nachweis von unabhängiger Seite für erhöhte Giftwerte in Wasser, Tieren und Sedimenten fehlt aber noch. Otieno setzt auf die aus der HIV-Primärdiagnostik bekannten ELIZA-Schnelltests, die es auch für Chemikalien gibt. „Ich vergleiche deren Ergebnisse mit chromatografischen Analysen derselben Proben, um herauszufinden, welche Sets sich für unsere Situation am besten eignen“, erklärt Otieno. Denn nur harte Fakten, so glaubt er, können die Regierung überzeugen, endlich auf die Probleme am See zu reagieren.
Mit diesem handfesten Ziel ist Otieno typisch für Teilnehmer des 2010 aufgelegten Klimaschutz-Stipendienprogramms der Alexander von Humboldt-Stiftung für Nachwuchskräfte aus Entwicklungsländern. „Wir fördern damit Wissenschaftler, Mitarbeiter von NGOs, aus der Politik oder aus Unternehmen“, erklärt Georg Scholl, Sprecher der Stiftung. Neben ausreichend wissenschaftlicher oder beruflicher Erfahrung, einem geeigneten Projekt und dem Kontakt zu einer deutschen Partnerinstitution, die mit dem Stipendiaten arbeiten möchte, kommt es bei der Auswahl vor allem auf die Persönlichkeit an. „Wir wollen junge Menschen mit Führungspotenzial unterstützen, die vermutlich gute Multiplikatoren werden“, sagt Scholl. Denn der Klimaschutz als globales Problem erfordert globales Zusammenwirken. Wer ein einjähriges Stipendium erhält, bekommt bis zu 2400 Euro monatlich und kann auch seine Familie mitbringen. Die Stipendiaten werden zudem Mitglied im Netzwerk der „Humboldtianer“, wie sich die Mitglieder der Gemeinschaft mit 24000 Wissenschaftlern in mehr als 130 Ländern nennen.
Außer Otieno forschen noch zwei weitere Wissenschaftler aus Afrika mit dem neuen Stipendium in Deutschland: Der Nigerianer Akinyemi Gabriel Omonijo (35) beschäftigt sich am Meteorologischen Institut der Universität Freiburg mit ansteckenden Krankheiten in seinem Land. Meist treten sie zu bestimmten Jahreszeiten verstärkt auf. Omonijo füttert komplexe Computermodelle, die ihm in Nigeria nicht zugänglich sind, mit langjährigen nigerianischen Zeitreihen zu Sonneneinstrahlung, Temperatur, Regenmengen, Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit. Dann vergleicht er sie mit Daten über das Auftreten der Krankheiten. „Umweltfaktoren beeinflussen die Menschen, etwa indem sie ihre körperlichen Abwehrkräfte schwächen“, erklärt Omonijo. „Am Ende sollen Indikatoren und Schwellenwerte stehen, bei deren Überschreitung die Situation kritisch wird.“ Das Ziel: Ein Frühwarnsystem für die Regierung, die nach einer Warnung präventive Maßnahmen ergreifen kann, um den Ausbruch von Krankheiten frühzeitig zu kontrollieren.
Der Äthiopier Worku Zewdie Gebrehiwot (36) beschäftigt sich mit der Landnutzung in einer trockenen Region an der Grenze zum Sudan. Dorthin werden immer mehr Menschen aus dem landwirtschaftlich benachteiligten Hochland Äthiopiens umgesiedelt. Viele Bewohner leben davon, bestimmte Baumharze zu verarbeiten. Die begehrten Harze werden dann exportiert. Sie finden sich in Parfüm, Ölessenzen und medizinischen Produkten. „Der Klimawandel bedroht diese Existenzgrundlage“, erklärt Gebrehiwot, denn steigende Temperaturen und mehr Luftfeuchtigkeit schaden den Harz liefernden Bäumen. Hinzu kommt der Bevölkerungsdruck. Mit Hilfe von Luftbildern findet Gebrehiwot am Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung der TU Dresden heraus, inwieweit sich in der Region die Landnutzung bereits geändert hat und wie sich dies auf die Lebensbedingungen der wachsende Bevölkerung auswirkt. Ein Computerprogramm hilft ihm, seine Ergebnisse grafisch zusammenzufassen, so dass er sie als Argumentationsgrundlage bei der Beratung der äthiopischen Regierung verwenden kann. Auch dies ist ein Projekt, an dem Alexander von Humboldt wohl seine Freude gehabt hätte.////














