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Medien

Fit für die WM

Mit Medientrainings und Journalismus-Seminaren schulen die Deutsche Welle Akademie und die Konrad-AdenauerStiftung Journalisten in Afrika – und fördern damit die demokratische Entwicklung des Kontinents

Von Martina Schwikowski

Auf dem Kopf des Fußball-Fans rasiert der Barbier die Buchstaben „Ghana“ ein. Es ist das Lieblingsteam des Westafrikaners, der im Schnelldurchlauf auf den Computer-Bildschirmen der Videojournalisten in Johannesburg auftaucht. Er betritt den Salon im Armenviertel in seiner Heimat Ghana, in Nahaufnahme wird sein Kopf herangezoomt. Der Friseur in Accra greift zur Klinge und in Johannesburg langt Trainer Michael Kraus über die Schulter eines Kursteilnehmers und setzt gezielt den Schnitt mit einem Maus-Click. „Wir wollen so nah wie möglich an ihm dran sein“, erklärt der ProjektManager der Deutschen Welle Akademie. Die Journalisten lernen, mit dem digitalen Filmschneidegerät umzugehen. Dabei stellt Oboui, der Ghana-Fan vom Afrikanischen Nationalen-Pokal 2008 stimmungsvolles Rohmaterial: Im dreiwöchigen DW-Training dreht sich alles um Fußball. Der Countdown für den Anpfiff der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika läuft.

Die Journalisten werden technisch auf das Großereignis vorbereitet, das sie 2010 mit eigenen Drehs für ihre Sendestationen begleiten werden. „Die jungen Kollegen sind alle Redakteure und müssen in Zukunft auch kleinere Stücke schneiden können“, sagt DW-Trainer Michael Kraus. Für diesen Produktionskurs hat die DW-Akademie Teilnehmer ausgewählt, die bereits in anderen Workshops durch Engagement und Zuverlässigkeit aufgefallen sind. Die 14 Journalisten stammen aus Afrika, Asien, Lateinamerika sowie dem Nahen und Mittleren Osten – Regionen, in denen die DW-Akademie in der Medienentwicklung tätig ist.

In Johannesburg lernen die TV-Reporter, Produzenten und Kameraleute im ersten Teil des Workshops, professionell Hintergrund-Geschichten in ihren multikulturellen Teams zu recherchieren und audiovisuell zu verarbeiten. „Human-Interest-Stories“ zeigen Südafrika und somit den Kontinent von einer anderen Seite, bei der nicht Katastrophen den Eindruck bestimmen: Die Menschen, ihr Leben und ihre Träume in einer aufstrebenden Gesellschaft bleiben im Vordergrund. Ihre Filmdrehs während der WM 2010 werden die Journalisten zusammen mit Online-Spezialisten in ein selbst erarbeitetes Online-Portal einstellen und weltweit verbreiten. In der Nachbarklasse hat sich die Gruppe um eine Fernsehkamera versammelt. Die erfahrenen Ausbilder erklären die Funktionen. Kimani Githae, 31 Jahre, ist Kameramann für den kenianischen Sender Citizen TV in Nairobi. Er will mehr über Aufnahmentechnik wissen, damit er während der WM schneller und besser arbeiten kann. „Mein Vorteil ist dann, dass ich die Umgebung schon kenne.“ Der Einblick in die Arbeitsweise von Kollegen aus anderen Ländern sei ein weiterer Bonus und Farouk Kayondo, der TV-Nachrichtenredakteur aus Uganda, fügt hinzu. „Wir lernen voneinander.“

Gerade in Entwicklungsländern wird es über die WM weder in den Fernsehprogrammen noch auf den Online-Portalen der Sender ausführliche Hintergrundberichte geben. Dabei seien genau diese Geschichten wichtig, meint Dr. Andrea Rübenacker, Bereichsleiterin Afrika bei der DW-Akademie. „Sie bringen ein Stück Südafrika nach Vietnam oder Bhutan und vermitteln ein umfassenderes Bild über die Stimmung im Land durch die Begegnungen mit den Menschen.“ Dieser DW-Kurs ist ein spezielles Projekt, betont sie. Die DW konzentriert sich bei ihrer Medienförderung in Afrika auf „konfliktsensitiven“ Journalismus besonders in Ostafrika und engagiert sich in Staaten, die ein ernsthaftes Bemühen um Medienfreiheit zeigen. Mit Verantwortlichen in den Medienhäusern werden Absichtserklärungen und Zielsetzungen für die Zusammenarbeit festgelegt, damit die Umsetzung von Inhalten und der Aufbau von Sendern nach pressefreiheitlichen Prinzipien eingehalten werden. Effektivere Nutzung von Finanzen in solchen Projekten ist ein weiterer Aspekt, der als wichtiger Baustein für erfolgreiche Arbeit gilt.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Johannesburg will mit ihrer Arbeit mehr in den Führungsetagen bewirken: „Vor Jahren haben wir möglichst breit gefächerte Kurse für Journalisten angeboten. Jetzt setzen wir mehr auf Multiplikatoren im Medienbereich“, sagt Frank Windeck, Leiter des KAS Medienprogramms Sub-Sahara-Afrika. Medienmanager und Chefredakteure gehören zur Zielgruppe. Die 8. „Leadership Conference“ der KAS fand jetzt erstmals im westafrikanischen Ghana mit 60 Teilnehmern aus 20 Ländern statt. Sie brachte neue Erkenntnisse zur Frage nach der afrikanischen Medienlandschaft der Zukunft. Traditionelle Medien können ohne „Citizen-Journalismus“ und die neuen Medien nicht auskommen, meint Windeck. In Afrika wachsen die herkömmlichen Medien: „Das große Potential muss noch ausgeschöpft, und parallel dazu die neuen Medien mehr etabliert werden.“ Die KAS plant, zur Konferenz im nächsten Jahr einen Online-Kurs anzubieten, bei dem Teilnehmer bloggen, twittern und debattieren sollen. „Diejenigen, die mit digitalen Medien aufwachsen, sind die Entscheider von morgen, die müssen wir bei unseren Initiativen mitnehmen.“

Radio ist immer noch das meistgenutzte Medium in Afrika. 2009 etwa hat die KAS neben einem Seminar für afrikanische und deutsche Journalisten zusammen mit der Witwatersrand Universität Johannesburg ein Programm für das mittlere Radiomanagement mit Blick auf Ethik und Geschäftspraktiken angeboten. Überlegungen gibt es auch, in Südafrika ein Fernstudium für Afrikaner, Journalisten und Manager aufzubauen. Ein KAS Zentrum für Medienmanagement ist noch Zukunftsmusik. „Wir brauchen es, weil es an Hintergrundwissen im Finanzwesen fehlt und die Abhängigkeiten von Spendern und Staat als Geldgeber oftmals den Ton angeben.“

Meinungs- und Pressefreiheit sind unerlässlich, um widerstandsfähige Demokratien aufzubauen. „Freie und verantwortliche Medien forcieren eine bessere Amts- und Regierungsführung, indem sie gesellschaftliche Prozesse kritisch hinterfragen und zur freien Meinungsbildung beitragen“, sagt Astrid Kohl, Leiterin des Internationalen Instituts für Journalismus der Organisation Inwent in Berlin. Das Institut bietet jungen, aufstrebenden Journalisten aus Entwicklungs- und Transformationsländern die Chance, ihr journalistisches Können zu verbessern und souveräneren Umgang mit Medien zu lernen. Das IIJ engagiert sich wie die DW-Akademie und die KAS in reformorientierten Ländern und unterhält 40 Trainings- und Dialogveranstaltungen für Print- und Online-Journalisten pro Jahr in Deutschland und in den Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Austauschprogramme zwischen afrikanischen und europäischen Journalisten fördern zudem neue Netzwerke.

Einen realeren Blick für Land und Leute haben auch die Video-Journalisten in der DW-Ausbildung erhalten. Die Gruppe hat in ihren Beiträgen unterhaltsam und gut geschildert, wie Südafrika dem Spektakel um das runde Leder entgegenfiebert. Sie sind fit für die WM, meinen die Ausbilder. Farouk Kayondo aus Uganda fühlt sich bestens vorbereitet für die Rückkehr 2010: „Ich kann selbst TV-Aufnahmen machen. Das ist zwar nicht mein täglicher Job, aber nun kann ich jederzeit einspringen.“

26.10.2009
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