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Kultur

Film ab für „FilmAfrica!“

Mit der Initiative „FilmAfrica!“ fördert der deutsche Regisseur Tom Tykwer den afrikanischen Filmnachwuchs. Nach dem Erfolg des Pilotfilms Soul Boy realisiert das internationale Team nun ein neues Filmprojekt in Kenia.

Von Michaela Ludwig

Der Junge Abi sorgt sich um seinen Vater. Hat der seine Seele verloren? Abi macht sich auf die Suche nach der Nyawara, einer mysteriösen Frau mit Pferdefuß, die dem Jungen sieben Aufgaben stellt. Im Wettlauf gegen die Zeit, gegen Tod und seine eigenen Ängste, gelingt es Abi, diese Aufgaben zu lösen. Schauplatz dieses märchenhaften Films ist das Hüttenmeer von Kibera, einem der größten Slums Afrikas. Die Schauspieler sind Laiendarsteller aus dem Slum, zum Filmteam gehören Filmschaffende aus Nairobi. Produziert wurde Soul Boy von dem deutschen Regisseur Tom Tykwer, der sich mit Filmen wie „Lola rennt“ und „Das Parfum“ international einen Namen gemacht hat. Der Film ist das Pilotprojekt der von Tom Tykwer und seiner Lebensgefährtin Marie Steinmann gegründeten Produktionsfirma „One Fine Day Films“, die Kulturarbeit in Ostafrika leisten will. Soul Boy lief unter großer Beachtung auf internationalen Filmfestivals.

Auf die Idee zu dem Projekt kam Tom Tykwer über Marie Steinmann, die mit einer Nichtregierungsorganisation seit Jahren Kunstunterricht an Slumschulen organisiert. Er beschloss, einen Filmworkshop anzubieten. Über eine lokale Produktionsfirma lernte er den kenianischen Autor Billy Kahora kennen, der das Drehbuch für Soul Boy schrieb. Tykwer versammelte Nachwuchsfilmer und Filmenthusiasten, die noch nicht viele Möglichkeiten hatten, ihr Talent zu erproben. Aus Deutschland holte er Filmprofis, die die jungen Menschen anleiteten und in den Produktionsprozess integrierten. So entstand dieser authentische Streifen in nur 13 Drehtagen – mit kleinem Budget und im großen Kinoformat. „Erst war es ein großes Chaos, dann wurde es eine sehr gemeinschaftliche Aktion“, sagt Tom Tykwer. Regie führte die gerade 30-jährige ghanaisch-kenianische Regisseurin Hawa Essuman, die bisher nur Kurzfilme gedreht hatte. „Es war für uns alle eine einmalige Chance. Vorher hatte jeder vor sich hinproduziert. Wir haben uns für Soul Boy zusammengetan, um etwas Großes zu machen.“

In Ostafrika steckt die Filmindustrie noch in den Kinderschuhen. „Die Nachwuchsfilmer haben selten Gelegenheit, eigene Geschichten und einer subjektiven Perspektive zu erzählen“, sagt Tom Tykwer. Und genau das möchte er fördern. „Jegliche Entscheidung über Stil oder Haltung überlassen wir den Machern vor Ort.“ Es wolle nicht zeigen, wie „das Filmemachen funktioniert“. Hawa Essuman bestätigt: „Genau das ist wichtig für unsere Filmindustrie.“ Derzeit arbeitet die Regisseurin an einem neuen Projekt. „Natürlich werden die Erfahrungen die Art und Weise beeinflussen, wie ich an den nächsten Film herangehe. Ich freue mich zu sehen, was dabei herauskommt. Dann wird sich zeigen, was ich gelernt habe.“

Nach den ermutigenden Erfahrungen mit Soul Boy sollte das Projekt weiterlaufen. Doch dafür war eine solide Finanzierung notwendig. „Soul Boy hat auf jeden Fall gezeigt, dass das Experiment funktioniert hat“, erläutert Sarika Lakhani von „One Fine Day Films“. „Es war wichtig, um Erfahrungen über die Arbeit vor Ort zu sammeln.“ Gelernt hat das Team beispielsweise, dass der Ton in Kenia in der Regel Mono produziert wird, für die Bearbeitung in Deutschland jedoch in Stereo-Qualität gefordert wird. In kurzer Zeit konnte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) als Hauptförderer für die zwei folgenden Projekte gewonnen werden. Neben der Filmproduktion sollte nun auch die Ausbildung der Filmschaffenden in den Mittelpunkt rücken. Dafür gründeten „One Fine Day Films“, die Deutsche Welle (DW) Akademie und die kenianische Produktionsgesellschaft Ginger Ink mit „FilmAfrica!“ eine Mini-Filmhochschule. Gemeinsam wurde ein Ausbildungskonzept entwickelt. „Uns gefiel die Idee, schließlich sind wir auch in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Unsere Ziele sind sehr ähnlich“, so Michael Tecklenburg von der DW-Akademie in Bonn. „Uns gefällt die Sichtweise von Tykwer, sie ist nicht eurozentrisch.“

Damit war die Klappe gefallen. Im September 2010 bildeten Mentoren aus Europa in zweiwöchigen Workshops 50 afrikanische Filmschaffende aus: von Regie über Kamera bis zum Schnitt. Aus diesen Teilnehmern wird die Mannschaft zusammengestellt, die später den 90-minütigen Spielfilm produzieren soll. Das Interesse war groß, über 200 Bewerbungen waren eingegangen. Bereits Ende letzten Jahres fand der Drehbuchworkshop statt. Zurzeit brütet ein dreiköpfiges Team in Nairobi über dem Drehbuch für den neuen Film. Jeden Montag konferieren die Schreiber per Skype mit dem Soul-Boy Autor Billy Kahora, Tom Tykwer und der Produktionsgesellschaft und diskutieren die Weiterentwicklung der Handlung. Das Thema, so verrät Sarika Lakhani, werden die Gegensätze zwischen Stadt und Land sein und die damit einher gehenden Konflikte. Die Handlung in Kurzform: Ein junger Mann vom Dorf kommt in die Stadt, um sein Glück zu suchen.

Im November endlich wird der Film in Kenia abgedreht. Dieses Mal stehen 20 Drehtage zur Verfügung. Danach geht es in die gemeinsame Nachbereitung, die bei Soul Boy immerhin ein Jahr gedauert hat. „Es ist schließlich ein Ausbildungsprojekt, deshalb sollen die Filmschaffenden nicht zu stark unter Zeitdruck stehen“, so Sarika Lakhani. Dass das neue Projekt von „FilmAfrica!“ wieder für Aufmerksamkeit sorgen wird, steht bereits fest. Wann es auf die Leinwand kommt, hingegen noch nicht.////

25.08.2010
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