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Das STEP-Programm fördert Nachwuchskräfte

Eine Chance fürs Leben

Das „Students Experience Programme“ ermöglicht Studierenden und Hochschulabsolventen aus dem südlichen Afrika Berufserfahrung in einem deutschen Unternehmen zu sammeln

Von Kety Quadrino

Nokuthula Zungu (by SAFRI/Step)

Fillemon Shilongo ist seit fast fünf Monaten in Deutschland, doch an das Essen kann sich der 23-jährige Wirtschaftswissenschaftler aus Namibia immer noch nicht gewöhnen. „Die Deutschen essen viel Gemüse“, wundert er sich. Dabei gebe es hier an vielen Imbissläden etwas viel Besseres: „Döner!“, sagt Fillemon begeistert, das türkische Grillfleisch. Konzentriert sitzt Fillemon vor seinem Computer und bearbeitet den nächsten Druckauftrag für die Daimler AG. Ein neues Fahrzeug-Handbuch soll gedruckt werden. Dass er im Digitaldruckbereich des Medien- und Kommunikationsdienstleisters Sommer Corporate Media im schwäbischen Waiblingen arbeitet, verdankt er dem „Students Experience-Programm“ (STEP) der Südliches Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft (SAFRI). Eine Initiative getragen von Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft (BDI/DIHK) und vom Afrika-Verein unter Vorsitz des ehemaligen Daimler-Chefs Jürgen Schrempp. Fünf Monate lang können Fillemon und weitere sieben Studenten und Hochschulabsolventen aus Ländern des südlichen Afrika ein Praktikum in deutschen Unternehmen absolvieren – unter anderem bei Thyssen Krupp, Daimler und Dornier Consulting.

„Das ist eine gewaltige Chance für mich“, sagt Fillemon, der sich in seinem schwarzen Anzug, dem blaukarierten Hemd und der gleichfarbigen Krawatte ganz in seinem Element fühlt. Sein Traum ist es, irgendwann ein richtiger „Businessman“ zu sein. „Mit diesem Praktikum habe ich die Chance, von deutschen Kollegen zu lernen und meine Erfahrungen im Heimatland weiterzugeben.“ Damit beschreibt Fillemon zugleich die Idee, die hinter dem STEP-Projekt steht: Die Initiative hat das Ziel, die unternehmerische Qualifikationen südafrikanischer Studenten und junger Führungskräfte zu fördern, die Länder des südlichen Afrikas stärker in die Weltwirtschaft zu integrieren und Geschäftsbeziehungen mit den 14 SADC-Staaten auszubauen.

Seit 2005 kommen nun jedes Jahr Studenten aus Botsuana, Madagaskar, Mosambik, Namibia, Südafrika und Zimbabwe nach Deutschland. Bewerben können sich Studierende der Fächer Ingenieurwissenschaften, Controlling, Logistik, Vertrieb und Marketing, Betriebswirtschaft sowie Informationstechnologie. „Wir möchten die jungen Menschen dazu befähigen, dass sie sich eine gute Lebensgrundlage aufbauen und die Gesellschaft weiterentwickeln können“, nennt Georg Beuerle den Grundgedanken der Initiative. Der Leiter des Stuttgarter SAFRI-Büros ist überzeugt, dass sich die Mühe für beide Seiten lohnt: „Die meisten bekommen danach einen Job“, sagt er. „Und deutsche Unternehmen, die in Südafrika investieren, finden vor Ort qualifizierte Menschen.“

Nokuthula Zungu hat einen Praktikumsplatz im Einkauf Produktionsmaterial von Daimler AG bekommen. Die 23-jährige Betriebswirtin aus dem südafrikanischen Durban überzeugte das Gremium in einem Assessment Center und saß wenige Monate später im Flieger Richtung Stuttgart. „Ich war wahnsinnig aufgeregt“, erzählt sie. Auf sie warteten eine neue Kultur, eine fremde Sprache und der Einstieg ins Berufsleben. Deutschland, das bedeutete für sie Zukunft, denn sie wusste, wie wertvoll dieses Praktikum für ihre berufliche Laufbahn in Südafrika sein würde. Den ers­ten kleinen Kulturschock bekam Nokuthula, als sie in die U-Bahn stieg. „Die Menschen grüßen nicht, wenn jemand in die U-Bahn steigt“, sagt sie und muss im Nachhinein lachen. „Es war unheimlich, jeder war mit sich selbst beschäftigt, las Zeitung, hörte Musik“, erinnert sie sich. In Südafrika sei das undenkbar, neben jemanden zu sitzen ohne ihn zu grüßen oder sich mit ihm zu unterhalten. In Deutschland ist es ganz normal.

Der erste Arbeitstag war für Nokuthula eine große Herausforderung: Ein ganztägiges Meeting – auf Deutsch. „Das war hart, aber eine gute Erfahrung für mich, wenn man direkt von der Uni kommt“. Doch die schönste Überraschung wartete auf sie bei einem Ausflug zum Stuttgarter Fernsehturm, wo sie mit der STEP-Gruppe die Stadt und Umgebung aus der Vogelperspektive erlebte. Denn nicht nur Deutschunterricht, Integrationskurse und Workshops gehören zum Programm, sondern auch das kulturelle Erleben: Ausflüge in die Universitätstadt Tübingen zum Stocherkahn fahren, ein Besuch in der Stuttgarter Staatsoper oder schwäbische Spezialitäten wie Spätzle und Maultaschen. Auch die erste Schneeballschlacht ihres Lebens wird Nokuthula wohl nicht so schnell vergessen.

Wofür Balomeletsi Bafedile ihre deutschen Kollegen besonders bewundert ist, dass sie Arbeit nicht mit Privatleben vermischen. „Wenn sie arbeiten, dann sind sie voll auf ihre Tätigkeit konzentriert“, sagt sie. Die 23-Jährige aus Botsuana hat Betriebswirtschaft studiert und macht ihr Praktikum im Nutzfahrzeug-Vertrieb bei Daimler im Bereich CharterWay International. Auf ihrem Schreibtisch liegt eine deutsche Grammatik, an den Wänden hängen Poster von Lastwagen. Wie alle anderen STEP-Praktikanten hat auch sie im Unternehmen ihre persönliche Betreuerin. Für Silke Stubenrauch war es eine neue Erfahrung, eine Praktikantin aus dem südlichen Afrika zu betreuen. „Es ist ein interkultureller Austausch am Arbeitsplatz“, sagt die Managerin und erzählt, wie Balomeletsi den Kollegen in einem Vortrag ihre Heimat vorgestellt hat. „Das war sehr hilfreich, da wir seit letztem Jahr auch in Südafrika vertreten sind“, sagt Stubenrauch. Für Balomeletsi dagegen war der Besuch der Produktionsstätte ein Höhepunkt. „Faszinierend, wie diese unzähligen Roboterarme einen großen Truck zusammenbauen.“ Stolz zählt sie auf, was sie alles gelernt hat: „Ich weiß jetzt, wie man Marketingbudgets plant, wie man mit Powerpoint Vorträge vorbereitet und wie ich mit internationalen Kunden umgehen muss.“

Wie es für Fillemon nach dem Praktikum weitergeht, weiß er noch nicht. Er hofft, so viel Glück zu haben wie seine STEP-Kollegin Nokuthula, die bereits einen Praktikumsvertrag bei der Daimler-Konzerntochter in Südafrika hat. „Ich möchte etwas aufbauen in Namibia“, sagt er voller Tatendrang. Durch das Praktikum habe er Selbstbewusstsein gewonnen: „Wenn ich einen Traum träumen kann, dann kann ich ihn auch umsetzen.“

15.07.2009
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