Kaum hatte Bundesaußenminister Guido Westerwelle ihn Anfang November 2010 zu seinem neuen Afrika-Beauftragen ernannt, saß Walter Lindner schon im Flugzeug. Das Ziel: die Sudankonferenz in Addis Abeba in Äthiopien. Weitere Termine folgten: In der libyschen Hauptstadt Tripolis nahm er mit dem Bundesaußenminister am dritten Gipfeltreffen der EU mit Afrika teil, auf dem sich rund 80 Länder über das Thema „Investitionen, Wirtschaftswachstum und Beschäftigungsförderung“ in Europa und Afrika austauschten. Angesichts der angespannten Lage in Côte d‘Ivoire wurde Lindner im Dezember 2010 für Gespräche mit Vertretern der Europäischen Union, der Vereinten Nationen und der ivorischen Politik nach Abidjan entsandt. Der Auftrag: ein Lagebild zu gewinnen und Wege aus der politischen Krise zu besprechen.
Reichlich Erfahrung im Krisenmanagement bringt der 54 Jahre alte deutsche Diplomat und ehemalige Sprecher des Auswärtigen Amts für seine neue Aufgabe mit. Bevor er Afrika-Beauftragter wurde, leitete er zwei Jahre lang das Krisenreaktionszentrum des Ministeriums in Berlin. Mit Afrika verbindet Lindner vor allem seine Zeit als deutscher Boschafter in Kenia von 2006 bis 2009. Mit diplomatischem Geschick trugen Lindner und andere Diplomaten dazu bei, dass in dem Land die politische Krise 2007/2008 nach den Wahlen nicht in einem Bürgerkrieg eskalierte. Der Botschafter-Posten in Nairobi hat Lindner geprägt. „Wer einmal den Afrika-Bazillus bekommen hat, nämlich den Kontinent zu lieben, der wird ihn nie wieder los“.
In seiner neuen Rolle will Lindner sich dafür einsetzen, dass Deutschland und Europa sich mehr als bisher mit dem Kontinent auseinandersetzen. „Afrika geht uns alle an“, ist Lindner überzeugt und wirbt dafür, stärker das positive Gesicht des Nachbarkontinents zu zeigen ohne die Probleme zu verschweigen. Mit Blick auf die 2007 gestartete EU-Afrika-Strategie spricht er sich dafür aus, den begonnenen Dialog ernster zu nehmen und auch die Zivilgesellschaft stärker einzubinden. Es gehe darum, nicht nur die Notlagen zu sehen, sondern auch die wirtschaftlichen und Tendenzen der Demokratisierung. Die Zusammenarbeit mit Afrika müsse insgesamt noch breiter aufgestellt werden. Sein Afrika-Bazillus dürfte Lindner antreiben, genau daran mitzuwirken.////














