Henning Glaser hat alle Hände voll zu tun. Gerade ist er mit den Nachbereitungen einer hochkarätig besetzten, internationalen Konferenz zum Thema „Schutz der Menschenrechte durch den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) – ein Beitrag zum Aufbau eines verfassten Rechtsstaats und einer Nation“ in Bangkok beschäftigt. „Keynote Speaker“ war Hans-Peter Kaul, der Zweite Vizepräsident des ICC – ein Highlight. Der Jurist Henning Glaser koordiniert als DAAD-Fachlektor in Thailand das „Deutsch-südostasiatisches Exzellenzzentrum für Politik und Gute Regierungsführung“, kurz „CPG“ (German-Southeast Asian Center of Excellence for Public Policy and Good Governance). Es ist an der Thammasat Universität in Bangkok angesiedelt und hat im Januar 2010 seine Arbeit aufgenommen. Es geht in erster Linie um den deutsch-thailändischen Austausch und das Thema öffentliches Recht und seine Rolle für die Entwicklung und Stabilisierung guter Regierungsführung.
Die rechtswissenschaftliche Kooperation zwischen der Thammasat Universität und deutschen Hochschulen hat eine lange Tradition. Seit über 30 Jahren gibt es enge persönliche und institutionelle Beziehungen. Die Thammasat Universität zählt zu den Spitzenuniversitäten des Landes. Ihre juristische Fakultät ist nicht nur die älteste des Landes, sie genießt auch bis heute einen exzellenten Ruf. An der Uni gibt es eine große Zahl thailändischer Absolventen deutscher Hochschulen, viele Dozenten sprechen Deutsch. Seit einigen Jahren existiert ein „German Law Center“, das die akademischen und beraterischen Tätigkeiten der Professoren bündelt, die sich mit deutschem Recht auseinandersetzen. Mit dem CPG erreicht die deutsch-thailändische Zusammenarbeit eine neue Dimension. Das Exzellenzzentrum soll sich zu einem Think Tank entwickeln, der auf die gesamte Region ausstrahlt.
Auch Carolin Mülverstedt, Leiterin des Informationszentrums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Bangkok, berichtet von einem regelrechten Boom in den akademischen Beziehungen zwischen Deutschland und Thailand. „Die Nachfrage nach Stipendien, Studienplätzen und Kontakten mit deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen ist so groß, dass wir sie nicht vollständig befriedigen können.“ Allerdings betrifft das nicht alle Fächer gleichermaßen. „Ein paar mehr Bewerber für klassische Studienfächer wie Kunst und Musik hätten wir schon gern, doch derzeit steht die Nachfrage nach ,rentablen‘ Curricula im Vordergrund“, sagt die Koordinatorin, die gleichzeitig auch als Dozentin an der renommierten Chulalongkorn Universität arbeitet. Die eher technisch orientierten Universitäten in Aachen oder Hannover erfreuen sich großer Beliebtheit. Auch die Hochschulen in der ehemaligen DDR werden verstärkt nachgefragt. „Das dortige hohe Bildungsniveau ist in Asien längst bekannt“, sagt Carolin Mülverstedt. Doch heute kommt noch ein Argument hinzu: „Durch den gefallenen Euro-Kurs und unsere weltweit günstigen Studiengebühren sind die Neuen Bundesländer noch attraktiver für ausländische Studenten geworden.“
Die Exportnation Deutschland hält im internationalen Vergleich nun auch eine Spitzenposition in Sachen Bildungsexport. Mehr als 230000 ausländische Studierende sind an deutsche Hochschulen eingeschrieben. Der größte Anteil kommt aus China. Aus Thailand kommen fast 1000 Studierende oder Wissenschaftler – viele von ihnen sind „erfolgreiche Kunden“ des DAAD. Carolin Mülverstedt, die beim Goethe-Institut im Herzen Bangkoks sitzt, verweist auf Dutzende von Symposien, Seminaren und Veranstaltungen allein in Thailand. „Seit Ende der 50er Jahre sind mehr als 1750 Alumni zurückgekehrt, die oft wichtige Positionen in Thailand innehaben.“ Hier schließt sich der Kreis. Wer in Deutschland studiert hat, ist für eine deutsche Firma in Thailand ebenso interessant wie für thailändische Unternehmen und Institutionen.
Nun setzt der DAAD mit dem CPG, das in den nächsten fünf Jahren mit insgesamt 1,2 Millionen Euro unterstützt wird, einen neuen Schwerpunkt. „Nicht nur in Thailand, auch in anderen Ländern der Region sind die Gerichte zu wichtig, als dass man sie nicht nach Kräften unterstützen müsste“, sagt Henning Glaser. „Ohne modernisierte Rechtssysteme wäre nach Meinung aller Fachleute die Lage in vielen Ländern ernster. Wir halten uns natürlich aus Regierungsgeschäften heraus, doch gleichzeitig helfen wir, das Fachwissen, aber auch die ethischen Grundlagen, bei Gerichten und Institutionen zu vertiefen, auf die sich jede irgendwie demokratische Regierung stützen muss“. In einer Zeit, in der die immer noch jungen Demokratien in Asien um ihre Zukunft ringen, ist das für den gestandenen Rechtsanwalt und Dozenten für Öffentliches Recht an der Thammasat-Universität weit mehr als Routinearbeit.////















