Donnerstag, 24.05.2012 19:15

Aktuell

Reise durch die Musik und Kultur Afrikas

Afrikanische Lebensfreude erleben: Musikstars von den Kapverdischen Inseln und aus dem Senegal stehen in diesem Jahr im...weiter

© Thomas Dorn

Nachrichten

ifo Geschäftsklimaindex in Deutschland etwas gesunken

Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im Mai etwas gefallen. Die Einschätzung der...weiter

53 % der Internetnutzer in Deutschland sind in sozialen Netzwerken aktiv

Mehr als die Hälfte (53 %) der Internetnutzer in Deutschland nutzte im Jahr 2011 soziale Netzwerke für private...weiter

IMK: Rezessionsgefahr in Deutschland weiterhin niedrig

Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in Deutschland ist weiterhin sehr niedrig. Bis Ende Juli besteht keine Gefahr...weiter

Aktuell

Deutschland

Beckstein Zeuge im NSU-Untersuchungsausschuss  

Wirtschaft

Tarifeinigung in der Chemieindustrie  

Kultur

"Wir setzen auf Musikalität"  

Veranstaltungen

Comicleben

Eine Endeckungsreise in die Welt der Superhelden: Das Museum Europäischer Kulturen in...weiter

Deutschland Veranstaltungskalender

Übersicht von Veranstaltungen und Orten:
> Veranstaltungskalender

Porträt

Grünes Talent

Der Kenianer Mike Otieno erforscht mit deutscher Unterstützung den nachhaltigen Umgang mit Stahlbeton und leistet damit...weiter

Goethe-Institut Nachrichten

Mehr als Tanz – die Ausstellung „Yvonne Rainer. Raum, Körper, Sprache“  

„Wir verlassen uns auf Prinzipien, die seit 40 Jahren eingeübt sind...  

Vergangenheit und Zukunft des Weltverbands der Bibliotheken (IFLA)  

Bookmarks
| |

Zusammenarbeit

Kochen für den Klimaschutz

Offene Feuerstellen durch moderne Kochherde zu ersetzen, kann das Leben vieler hunderttausend Menschen retten und das Klima schützen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit engagiert sich seit Jahren in diesem Feld. In Peru mit großem Erfolg.

Von Michael Netzhammer

Die Küche war Tabu. Gäste hätte Yeny Landa Medrano niemals in ihre Küche geführt. Aus Scham. „Damals waren die Wände schwarz vor Ruß. Gekocht habe ich auf einem Drei-Steine-Feuer in der Ecke. Die Küche war voller Rauch und meine Kinder deswegen dauernd krank“, sagt sie. Nun steht die Tür offen. Es ist hell und sauber. Das liegt am neuen Herd in der Ecke. Der besteht aus Lehm. Die Keramik-Brennkammer jedoch ist eine Innovation. Sie stellt sicher, dass das Feuerholz effizienter verbrennt, ingesamt weniger davon gebraucht wird und kein giftiger Rauch entsteht. Familie Medrano wohnt in Tapaya, einem kleinen Dorf hoch oben in den peruanischen Anden. Vor ihrer Tür blickt die Frau mit den langen schwarzen Haaren auf Berge und grüne Hügel. „Holz ist knapp hier oben und deshalb sehr teuer“, erzählt Yeny Medrano.

Wie die junge Mutter einst kochte, bereiten weltweit noch mehr als drei Milliarden Menschen ihr Essen auf offenen Feuern oder ineffizienten Herden zu. Wer im giftigen Rauch kocht, inhaliert so viele Schadstoffe wie ein Kettenraucher. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass jedes Jahr mehr als 1,6 Millionen Menschen sterben, vor allem Kinder und Frauen. Kochen tötet damit mehr Menschen als Malaria. Hinzu kommt der ungeheure Verbrauch an Biomasse. Jeden Tag verbrennen weltweit mehr als drei Millionen Tonnen Feuerholz unter Töpfen und Pfannen. In vielen Regionen wird das Holz knapp. Frauen wie Yeny Medrano suchen viele Stunden nach Feuerholz – Zeit die fehlt, für die Kinder, für produktives Arbeiten. Oder sie müssen den Brennstoff kaufen und geben dafür bis zu einem Viertel ihres Einkommens aus. Ineffizientes Kochen hält die Menschen arm. Die vielen Millionen Kochfeuer beeinflussen auch das Klima. Allein beim Verbrennen von Biomasse entstehen drei Prozent der Kohlendioxid-Emissionen und sogar fünf Prozent der weltweiten Methangas-Emissionen.

Wie die Welt kocht, ist also nicht nur eine Frage des Geschmacks. Moderne Kochherde können Leben retten, Frauen und Kinder vor Krankheiten bewahren, die Armut reduzieren sowie Umwelt und Klima schützen. Um dieses Potential wussten bisher lang nur Fachleute und Entwicklungsexperten. Nun aber haben im September 2010 Regierungen, Organisationen, Unternehmen und Stiftungen die Global Alliance for Clean Cookstoves gegründet. Ziel der Initiative ist es, bis 2020 die Verbreitung von 100 Millionen effizienten Herden zu unterstützen. Zu den Gründern der Global Alliance gehören UN-Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), die United Nation Foundation, sowie die Regierungen der USA, Norwegens und Perus. Gründungsmitglieder sind jedoch auch die Bundesregierung sowie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Die GIZ entwickelt und verbreitet im Auftrag der Bundesregierung seit fast 30 Jahren Herde in Afrika und Lateinamerika. Dieses Wissen stellt sie der Initiative zur Verfügung. „Es ist wichtig, dass wir unsere fachliche Expertise und finanziellen Mittel bündeln, denn Herde zu verbreiten, ist eine komplexe Aufgabe“, sagt Marlis Kees, Leiterin des Sektorprogramms „Armutsorientierte Energiegrundversorgung“ der GIZ.

Stadtbewohner kochen anders als Menschen auf dem Land. Geographie, Klima und vorhandene Lebensmittel prägen regionale Kochkulturen. Welche Herde die Menschen nutzen, das hängt von ihrer Kaufkraft und Fähigkeit ab, moderne Technologien zu adaptieren. Gerade Frauen müssen vom Wechsel der Kochtechnologie erst überzeugt werden. „Die Küche ist ein sehr traditionsbeladener Ort“, sagt Kees. Die Art zu kochen wird von Generation zu Generation weitergeben. Einen Wechsel erreicht man nur, wenn man Kochtraditionen und Verhaltensweisen berücksichtigt und entsprechende Kochherde entwickelt. Die GIZ setzt deshalb verstärkt auf die Bildung von lokalen und regionalen Märkten für moderne Kochherde. Dafür passt sie modernes Herddesign an die lokalen Verhältnisse an, stellt das Wissen darüber Unternehmen zur Verfügung, schult zusammen mit ihren Partnerorganisationen potentielle Herdbauer und startet Informations- und Aufklärungskampagnen. Ein gutes Beispiel für diese Aktivitäten ist Peru.

Dort hat sich ein Bündnis aus nationalen und internationalen Organisationen, Regierungen und Institutionen gebildet. Die peruanische Regierung gehört – was die Verbreitung der Herde angeht – zu den fortschrittlichsten der Welt. Das liegt auch daran, dass Pilar Nores, die Ehefrau des früheren Präsidenten Alan García, zusammen mit Entwicklungsexperten seit vielen Jahren die Verbreitung moderner Herde betreibt. „Um die Gesundheit von Kindern und Frauen zu verbessern, sind saubere Herde essentiell“, sagt die Gründerin der Hilfsorganisation Sembrando. „Wir raten zum Beispiel in unseren Aufklärungskampagnen dazu, Wasser immer abzukochen. Wenn die Menschen das aber über offenen Feuern tun, werden sie dadurch ebenfalls krank.“

Mit ihrem Herd kann Yeny Landa Medranos kochen und gleichzeitig ihr Trinkwasser abkochen. „Auf der einen direkt über dem Feuer bereite ich unser Essen, auf der anderen koche ich unser Wasser ab, ohne dafür zusätzliches Holz zu verbrauchen“, sagt Yeny Landa Medrano. Denn die Brennkammer unter der ersten Herdplatte ist seitwärts mit der zweiten Herdplatte verbunden. Die heiße Luft umfließt den Topf, bevor sie zum Schornstein austritt. Pilar Nores hat in Peru zusammen mit anderen Organisationen die Initiative „Eine halbe Million Herde ohne Rauch“ ins Leben gerufen. Die GIZ gehört ebenfalls zu den Gründern. „Wir kooperieren mit dem staatlichen Programm Juntos, das an 420000 Menschen auch Sozialhilfe auszahlt. Darüber haben wir einen direkten Draht zur bedürftigen Bevölkerung“, sagt die Kolumbianerin Ana Moreno, Leiter des Projekts Energising Development (EnDev). EnDev selbst kümmert sich zum einen um die Ausbildung von Herdproduzenten, zum anderen prüft das Projekt alle für das Programm eingesetzten Herdtypen im Testzentrum Lima, aber auch im Feld.

Die Arbeit der Kampagne trägt Früchte. Inzwischen investieren Kommunen und Regionalregierungen, private Unternehmen wie zum Beispiel Minenbesitzer, NGOs und Stiftungen in die Herdverbreitung. Es gibt noch viel zu tun. Zwei Millionen Peruanerinnen kochen noch ineffizient und gefährlich. Mit der Kampagne ist das südamerikanische Land allerdings auf einem guten Weg und Vorbild für andere Länder in Lateinamerika und der Welt.///

18.11.2011
Bookmarks
| |

Videos

Get the Flash Player to see this player.

G8 Gipfel 2012

HANNOVER MESSE 2012

Ostseerat

YouTube Deutschland Channel

Deutschland Channel YouTube

Zeitschrift DE Magazin Deutschland

PDF-Sonderausgaben

zur Übersicht