Brücken bauen, zusammenführen und Denkanstöße geben: Gleich zu Beginn seiner Amtszeit als Bundespräsident machte Christian Wulff deutlich, wie er seine neue Rolle als erster Mann im deutschen Staat versteht. Mit seiner Antrittsrede am 2. Juli vor dem Deutschen Bundestag sprach er möglichst viele Gruppen der Gesellschaft an: „Mir ist es wichtig, Verbindungen zu schaffen zwischen Jung und Alt, zwischen Menschen aus Ost und West, Einheimischen und Zugewanderten, Arbeitgebern und Arbeitslosen, Menschen mit und ohne Behinderung.“
Mit 51 Jahren ist Christian Wulff der jüngste der bisher zehn deutschen Bundespräsidenten. Der Christdemokrat will in Politik und Gesellschaft als Vermittler wirken – als Staatsoberhaupt aller Deutschen. In seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag forderte Wulff dazu auf, unvoreingenommen aufeinander zuzugehen, aufmerksam zuzuhören, miteinander zu reden. Er sprach von einem bunten Deutschland, dessen Vielfalt und Talent das Land lebens- und liebenswert machten. Auch Wulff selbst, der bis zu seiner Wahl zum Bundespräsidenten sieben Jahre lang als Ministerpräsident Niedersachsen regierte, steht für dieses Bild ein: Viel Beifall bekam er für die Berufung der ersten türkischstämmigen Ministerin in ein Landeskabinett. Konservativ und doch unkonventionell: Mit Christian Wulff und seiner zweiten Ehefrau Bettina wird erstmals eine junge Patchworkfamilie Deutschlands „first family“. Beide haben Kinder aus früheren Beziehungen und einen gemeinsamen Sohn.
In der Politik sieht sich Wulff als Moderator. Sein großes Vorbild ist Nelson Mandela. Wulff will den Menschen Mut machen, auf die Substanz der Argumente setzen und in der politischen Auseinandersetzung Respekt einfordern. Ein Amtsverständnis, das ankommt. Rund drei Viertel der Deutschen halten ihn schon jetzt für einen guten, glaubwürdigen Präsidenten. 80 Prozent sind der Meinung, er könne Deutschland in der Welt gut vertreten.
Rückblick: Nach dem überraschenden Rücktritt von Horst Köhler war Christian Wulff als Kandidat der Regierungskoalition von CDU/CSU und FDP für das Amt nominiert worden. Als Favorit unter vier Kandidaten wählte ihn die Bundesversammlung am 30. Juni zum zehnten Bundespräsidenten – im dritten und letzten Wahlgang nach mehr als neun Stunden. Kein Traumstart. Aber Wulff lässt sich davon nicht beirren. Er sagt: „Aus Niederlagen habe ich eigentlich immer noch mehr gelernt als aus Siegen.“
Diszipliniert, fleißig, freundlich und verbindlich – so lernten die Menschen in Niedersachen Christian Wulff als Ministerpräsidenten kennen. Seit gut 30 Jahren macht der in Osnabrück geborene Jurist Politik: Schüler-Union, Junge Union, Stadtrat, Landtagsabgeordneter, Fraktionschef, Landesvorsitzender der CDU, stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU, Ministerpräsident – die wichtigsten Stationen seines politischen Aufstiegs. Und doch: Der „unbedingte Wille zur Macht“ fehle ihm, hat Wulff einmal gesagt. Jetzt ist er Bundespräsident – ein Amt, das zu seinem Politikansatz passt. Seine erste große Rede will er am 3. Oktober 2010 halten, zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit. Ein idealer Anlass für jemanden, der sich als Brückenbauer versteht.















