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Beim Straßenfußball in Afrika ist Deutschland am Ball

Straßenfußball: Wenn Fairness siegt

In Südafrika und anderen Ländern des Kontinents unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) Straßenfußball-Projekte für Jugendliche

Von Christiane Kahrmann

Es gibt keinen Elfmeter und kein Abseits. Freundschaft, Respekt und Fairness zählen mehr als Tore. Soweit sind sich die zwei Teams einig. Die Jugendlichen sitzen auf dem Boden und vereinbaren die Regeln. Das Spiel ohne Schiedsrichter beginnt. Der starke Wind wirbelt auf dem Bolzplatz in Soshanguve, dem größten Township in der Nähe der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria, den roten Sand auf. Die vielen jungen Fußballbegeisterten stört das nicht. Es ist der Tag für Straßenfußball. Kleine und Größere kommen zur Veranstaltung, die das lokale Jugendforum mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) organisiert. Von Woche zu Woche werden es mehr.

Das Projekt „Jugendentwicklung durch Fußball“ holt die Jugendlichen von der Straße. Kriminalität, Gewalt, Drogen, Aids und eine hohe Rate von Jugendschwangerschaften – in den Townships gibt es viele Gefahren. „Wir nutzen die Leidenschaft der Jugendlichen zum Fußball und verknüpfen das mit Bildungsmaßnahmen“, betont Gerald Guskowski von der GTZ. Fußball als Weg zu Frieden und Gewaltverzicht, als Mittel gegen Drogen, Armut oder Aids. „Unsere Aktivitäten geben den Jugendlichen eine Lebensperspektive“, sagt Guskowski. So war es bei Calvin Magubane. Er flog von der Universität, war in einer Gang und wusste nichts mehr mit seinem Leben anzufangen. „Der Straßenfußball gab mir neues Selbstvertrauen. Nun weiß ich, wer ich bin und wo ich hin will“, sagt Calvin. Heute organisiert er für das Jugendforum in Soshanguve den Straßenfußball. „Ich will ein Vorbild für die Jüngeren sein, die ich trainiere und ihnen helfen, aus sozialen Missständen herauszukommen. Wir reden ganz offen über Probleme“. Inzwischen jobbt Calvin als Trainer für den Gauteng Sports Council. Er hat Geld gespart und will sein Sportstudium abschließen. Vom Fußballspiel fürs Leben lernen, darum geht es im Straßenfußball. „Das positive soziale Verhalten, das die Kinder und Jugendlichen auf dem Fußballplatz gelernt haben, sollen sie mit nach Hause nehmen“, sagt der 21 Jahre alte Mpho Ramela, selbst ein großes Fußballtalent und einer der Trainer der jungen Kicker.

Erfolge mit Straßenfußball-Projekten kann die GTZ, die seit 2007 im Auftrag der Bundesregierung in Südafrika auf dem Gebiet „Entwicklung durch Fußball“ tätig ist, bereits viele vorweisen. Zusammen mit ihrem Hauptpartner, dem südafrikanischen Sportministerium, wählt die GTZ lokale Partnerorganisationen aus, die sich bereits auf diesem Gebiet engagieren und unterstützt sie beim Ausbau ihrer Aktivitäten. Über ein internationales Netzwerk werden die Erfahrungen ausgetauscht. 2007 sind zunächst Projekte in Südafrikas Provinzen Mpumalanga und Eastern Cape sowie in Pretoria angelaufen. Neue Vorhaben am Western Cape und in Townships im Großraum von Johannesburg sind gerade im Entstehen. Seit Anfang 2008 gibt es auch erste Projekte in Ghana, dem Ausrichter des Africa Cups 2008. Die GTZ plant ihre Aktivitäten auf insgesamt zehn weitere afrikanische Länder auszuweiten. Dann könnte demnächst auch bei Jugendlichen in Lesotho, Namibia, Botsuana, Sambia und Mosambik die Fairness beim Straßenfußball siegen.

05.09.2008
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