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FIFA-Berater Horst R. Schmidt über die WM 2010 in Südafrika

Große Erwartungshaltung

Horst R. Schmidt ist FIFA-Berater für die WM 2010 in Südafrika und organisiert am Kap seine zehnte WM. Ein Gespräch über WM-Vorbereitungen und WM-Vorfreude

Interview: Jürgen Rollmann

Horst R. Schmidt

Horst R. Schmidt

Herr Schmidt, am Rande der Fußball-Europameisterschaft (EM) warben Vertreter des südafrikanischen Organisationskomitees (LOC) um Geschäftsführer Danny Jordaan für die WM 2010 und zeichneten dabei ein überaus positives Bild vom Stand der Vorbereitungen. Es ist aber kein Geheimnis, dass es noch einige Schwierigkeiten gibt.

Es ist völlig in Ordnung, dass die Herren über die Besonderheiten des Landes gesprochen und Zielvorstellungen im Zusammenhang mit der WM 2010 gegenüber Journalisten erläutert haben. Aber noch wichtiger war, dass auch eine große Beobachtergruppe aus Südafrika die gesamte EM begleitet hat. Es waren viele Mitglieder des LOC-Boards sowie die Direktoren und Abteilungsleiter des LOC vor Ort, denn die Euro 2008 war die letzte große Fußball-Veranstaltung als Anschauungs- und Lernobjekt, bevor es in Südafrika 2009 mit dem Confederations Cup so richtig losgeht.

Was wurde angeschaut?

Alles. Die praktischen Abläufe bei der Stadion-Organisation, dem Team-Service, dem Karten-Management, die Last-Minute-Abwicklung beim Ticketing, wie das Protokoll funktioniert hat, die Medienarbeit, Akkreditierung, die Hospitality-Einrichtungen in den Stadien oder auch das Volunteer-Programm.

Gab es besondere Erkenntnisse?

Nicht neu ist die Erkenntnis, dass bei einer solchen Groß-Veranstaltung auch große Flexibilität erforderlich ist. In Basel musste vor einem Viertelfinale zum Beispiel kurzfristig der Rasen ausgetauscht werden. Nach dem EM-Finale gab es in der FIFA-Zentrale in Zürich eine Ergebnis-Auswertung, die jetzt zeitnah umgesetzt werden muss.

Jüngst sorgte ein Interview von FIFA-Chef Blatter für große Aufregung. Er sprach darin von einem Plan B und bestätigte damit erstmals Überlegungen, die WM in ein anderes Land zu verlegen.

Man beachte bitte den Zusammenhang: Der FIFA-Präsident erläuterte, für den Fall, dass es eine Naturkatastrophe gäbe, wäre er ein schlechter Präsident, wenn er nicht einen Plan B in der Schublade hätte. Ich halte weiterhin den eingeleiteten WM-Prozess in Südafrika für unumkehrbar. Die gewalttätigen Vorfälle in jüngster Zeit werden noch größere Konzentration auf die Sicherheits-Konzepte nach sich ziehen. Wir sollten bei all diesen Berichten Fairness walten lassen und dabei negative Meldungen, wie es sie auch vor dem Turnier in Deutschland gab, nicht überbewerten.

Welche Arbeits-Schwerpunkte gibt es noch in diesem Jahr?

Die Frage der Mannschafts-Quartiere ist sehr aktuell. Das LOC wird seinen Katalog mit mehr als 80 potentiellen Unterkünften fertig stellen. Das Problem sind dabei nicht die Hotels, davon gibt es ausreichend, sondern in Hotel-Nähe müssen sich auch genügend Trainingsplätze befinden, die überwiegend noch gebaut werden müssen. Bis spätestens Anfang 2009 muss das alles stehen, weil sich verschiedene Länder schon vor der Beendigung der Qualifikationsspiele im Oktober 2009 umsehen und planen wollen.

Es war zu lesen, dass Mannschaften in Nachbar-Ländern untergebracht werden sollen, um den Charakter einer WM für ganz Afrika zu unterstreichen.

Es gab diesen Gedanken, dass Teams in Namibia, Lesotho, Mosambique, Botswana oder Simbabwe untergebracht werden. Die FIFA hat mittlerweile entschieden, dass alle Teilnehmer während der gesamten Turnierzeit auf südafrikanischem Boden sein müssen. Diese Entscheidung ist nachvollziehbar, denn es muss auch für die Mannschaften absolute Sicherheit gewährleistet sein. Das geht zentral besser als dezentral.

Was machen Sie genau als FIFA-Berater für die WM 2010?

Es geht um den umfassenden Kenntnistransfer aus der WM 2006 in praktisch allen wichtigen organisatorischen und finanziellen Fragen und um die Entwicklung der richtigen Konzepte für 2010. Dabei darf nicht übersehen werden, dass die Entscheidung über die Konzepte immer bei FIFA und LOC liegen – und der Berater dann einen Schritt zurück tritt.

Wie oft halten Sie sich in Südafrika auf?

Durchschnittlich bin ich eine Woche pro Monat in Südafrika.

Werden Sie 2009 oder 2010 ganz übersiedeln?

Nein. Ich bin schließlich noch DFB-Schatzmeister und habe Verpflichtungen in Deutschland. Aber es kann gut sein, dass zukünftig die Aufenthalte länger als eine Woche pro Monat dauern werden.

Spüren Sie in Südafrika eigentlich schon so etwas wie eine WM-Euphorie?

Aus meinen Gesprächen mit vielen Menschen weiß ich, dass eine große Erwartungshaltung und Unterstützung in allen Bevölkerungskreisen vorhanden ist. Dies wird – je näher die Ereignisse kommen – sich auch immer deutlicher in der Öffentlichkeit darstellen. So wie dies bei allen Großereignissen auch auf anderen Kontinenten der normale Verlauf ist.

LOC-Geschäftsführer Jordaan hat gesagt, es sei sein Traum, dass jeder Afrikaner die WM als Gelegenheit zu Einheit, Stabilität, Toleranz und ökonomischer Entwicklung nutzt. Große Worte – aber auch realistisch?

Ich kann die WM-Visionen, die die Verantwortlichen in Südafrika entwickelt haben, vollständig nachvollziehen. Wenn man dabei sieht, welche vollständige Unterstützung Südafrika auch von den anderen Nationen des Kontinents erhält, so sind diese Visionen ganz gewiss keine Utopie.

Wenn Sie einen Wunsch mit Blick auf die WM 2010 frei hätten. Wie sähe der aus?

Dieser Wunsch ist ganz einfach: Nämlich ein friedliches und sportlich hervorragendes WM-Turnier mit der großen Ausstrahlung, die sich alle Beteiligten erhoffen.

10.07.2008
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