Mit einem Floß beginnt die ungewöhnliche Reise. Aufsteigen, ablegen – und sofort taucht man ein in eine verschlungene Wasserwelt. Die Fahrt beginnt in den unterirdischen Höhlen des Grundwassers, führt durch ein Labyrinth von Versorgungsleitungen in einem futuristisch eingerichteten Haushalt, ehe man Minuten später das saubere und glasklare Wasser der Kölner Bucht erreicht, die in Wahrheit eine Projektion ist. Das originelle Floßabenteuer durch eine virtuelle Wasserwelt – einem modernen Wasserkreislauf nachempfunden – ist das Herzstück des Deutschen Pavillons auf der Expo 2008 im nordspanischen Saragossa, die sich „Wasser und nachhaltige Entwicklung“ als Thema gesetzt hat.
Zusammen mit Deutschland werden sich rund 100 Nationen, Regionen sowie internationale Organisationen und Unternehmen vom 14. Juni bis 14. September auf der Expo dem Thema stellen. Sie alle zeigen, zum Großteil in eigenen Pavillons, 93 Tage lang innovative Technologien und neue Entwicklungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser. Die lebenswichtige Ressource ist kostbar – und knapp. Ein Drittel der Weltbevölkerung lebt ohne ausreichend Wasser. Der Mangel an sauberem Trinkwasser und schlechte oder fehlende Sanitärversorgung sind Auslöser für Krankheiten, soziale Konflikte und zwischenstaatliche Spannungen. Wissenschaftler vermuten, dass Auseinandersetzungen um Wasser eine der Hauptkonfliktursachen der Zukunft sein werden. Wasserknappheit ist ein durch und durch ernstes Thema, doch die Expo-Besucher sollen die Grundsätze nachhaltigen Wasserkonsums auch mit Spaß und sinnenfroh erleben dürfen, verspricht Expo-Generaldirektor Jerónimo Blasco.
Seine Ideen für einen nachhaltigen Gebrauch von Wasser präsentiert Deutschland in Saragossa auf rund 1200 Quadratmetern. So groß ist der Deutsche Pavillon, für den das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie verantwortlich ist und mit dessen Organisation es die Hamburg Messe und Congress beauftragt hat. Die Expo-Philosophie, der Dreiklang aus Information, Technologie und Unterhaltung, ist im Deutschen Pavillon zu einer spannenden Erlebnislandschaft verdichtet.
Auf der 120 Meter langen Floßfahrt durch die Wasserwelt werden Filtersysteme beschrieben, die Entnahme von Wasserproben veranschaulicht und Verfahren zur Reinigung von Abwasser vorgestellt. Wia, eine junge Frau, begleitet die Floßfahrer virtuell, erklärt die Stationen und den bewussten Umgang mit Wasser in Deutschland. Nach der Fahrt mit dem Floß gelangen die Besucher weiter zu einer Ausstellung: Hier zeigen deutsche Unternehmen innovative Technologien für eine nachhaltige Wasserwirtschaft (siehe S. 22). „Der Deutsche Pavillon ist eine wissenschaftliche Erlebnislandschaft. Die siebenminütige Floßfahrt soll unterhalten, Verständnis wecken für den Wasserkreislauf und für Wassertechnologien sensibilisieren“, sagt Bernd Reinecke, der mit seiner Agentur Reinecke New Media und der Partneragentur Totems Communication & Architecture das Konzept des Deutschen Pavillons entwickelt hat.
Rund 6000 Gäste am Tag – mit so vielen Besuchern kann Dietmar Schmitz, der Kommissar des Deutschen Pavillons, voraussichtlich rechnen. Insgesamt werden auf der drei Monate dauernden Expo etwa sechs Millionen Besucher erwartet. Viele von ihnen führt dann der Brückenpavillon auf das Weltausstellungsgelände. Das von der Natur des Wassers inspirierte Bauwerk der Londoner Stararchitektin Zaha Hadid verbindet die Stadt über den Fluss Ebro mit dem Expo-Areal und ist zusammen mit dem Wasserturm, der einem Tropfen ähnelt, das Expo-Wahrzeichen. Eine weitere Attraktion der Expo ist das 9000 Quadratmeter große Aquarium – eins der größten der Welt –, in dem mehr als 60 Becken das Leben in Flusslandschaften auf fünf Kontinenten zeigen.
Übrigens: Beim sparsamen Umgang mit Wasser hat Saragossa schon Vorbildliches geleistet. Die 700000-Einwohner-Stadt hat mit 96 Litern den niedrigsten Wasserverbrauch pro Kopf und Tag in ganz Spanien. Willkommen in der „Hauptstadt des Wassers“.














