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Gesellschaft

Drei Menschen, drei Geschichten

Ein Fußballer aus der zweiten japanischen Liga avanciert zum Shooting-Star der Bundesliga. Ein deutscher Fernsehkoch entdeckt die japanische Küche. Und eine deutsche Film-Schauspielerin veröffentlicht Erzählungen über den japanischen Alltag. Drei Geschichten, die den Austausch zwischen Deutschland und Japan beschreiben.

Von Martin Orth

Tim Mälzer

Tim Mälzer ist der Rockstar unter Deutschlands Köchen. Er absolvierte eine Kochlehre, wollte aber eigentlich Hoteldirektor werden. Als er aber diverse Auszeichnungen bei mehreren Kochwettbewerben gewann, blieb er dabei, machte ein Praktikum in Hongkong und ging für drei Arbeitsjahre nach London. Dort kochte er im noblen „Ritz“ und lernte im Restaurant von Gennaro Contaldo den britischen Starkoch Jamie Oliver kennen. 1997 packte ihn das Heimweh. Er kehrte in seine Heimatstadt Hamburg zurück und trat im „Café Fees“ seine erste Küchenchefstelle an. 2002 eröffnete er sein erstes eigenes Restaurant, „das weisse haus”(bis 2007), bevor er seine Fernsehkarriere mit dem täglichen Format „Schmeckt nicht – gibt’s nicht!” startete. Seit 2009 kocht Mälzer beim ersten deutschen Fernsehen ARD. In demselben Jahr eröffnete er sein neues Restaurant „Bullerei“ in Hamburg. Im September war Tim Mälzer zum ersten Mal in Japan. Warum erst jetzt? „Japan ist so weit weg, im Kopf viel weiter als die elf Flugstunden.“ War er in Sterne-Restaurants? „Nein, in Spezialitäten-Restaurants, die nicht mehr als fünf Gerichte auf der Speisekarte hatten.“ Seine Empfehlung? „Kikko, ein Sushi-Restaurant in Nagoya, sensationell, wirklich, ein Hammer.“ Würde er Sushi selber zubereiten? „Definitiv nicht. Dafür habe ich zuviel Respekt vor der japanischen Kultur.“ Und was nimmt er mit? „Diese grüne Brühe, Dashi. Einfach die Idee, eine gute Grundlage zu haben und die peu à peu zu verändern und zu steigern und dadurch ein sehr sehr leichtes Essen zu haben.“////

Shinji Kagawa

Shinji Kagawa ist der Shooting-Star der Fußball-Bundesliga. Der offensive Mittelfeldspieler kam im August gegen eine vergleichsweise geringe Ausbildungsentschädigung in Höhe von 350000 Euro von Cerezo Osaka zu Borussia Dortmund. Da fragten sich die Experten noch: Was soll ein 21 Jahre junger Mann aus der zweiten japanischen Liga in einem Fußball-Land ausrichten, das zu den drei bedeutendsten in Europa gehört? Die Antwort kam prompt. Kagawa erzielte in seinem ersten Europa-League-Spiel seine ersten beiden Pflichtspieltore. Und durch zwei weitere Tore beim Erfolg des BVB über den „Erzrivalen“ Schalke 04 avancierte er gar zum gefeierten Derbystar (Foto). Inzwischen ist Kagawa aus der um die Meisterschaft spielenden Dortmunder Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Und auch die Fans wollen ihn nicht mehr missen. Die Saison hatte kaum angefangen, da war das Trikot des neuen Publikumslieblings im Fanshop schon ausverkauft. Nicht nur seine sportlichen Leistungen, sondern auch seine sympathische Art kam in Dortmund gut an. Bei seiner Ankunft hatte er gesagt, er habe noch nie so viele hübsche Blondinen wie in Dortmund gesehen. Treffer! Erheiterung bei den Fans und im Verein. Kagawa ist nicht der einzige Japaner in der Bundesliga. In der Dortmunder Nachbarstadt Gelsenkirchen spielt Atsuto Uchida bei Schalke 04 und bei Ex-Meister VfL Wolfsburg Makoto Hasebe. Auf die Frage, warum den meisten japanischen Spielern in Europa der ganz große Erfolg bisher verwehrt blieb, antwortete Kagawa: „Ich möchte in Dortmund beweisen, dass ein Spieler aus Japan mit seiner technischen Stärke auch in Europa erfolgreich sein kann.“////

Franka Potente

Franka Potente ist spätestens seit „Lola rennt“ (1998/Foto) eine der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen. Im August hat sie ihren ersten literarischen Erzählband veröffentlicht. „Zehn“ ist ein Buch mit zehn Geschichten, die in Japan spielen, Sie gewährt einen sensiblen Einblick in den japanischen Alltag, schildert sehr genau, sprachlich fast spartanisch. Zum Beispiel vom Unglück einer Ehefrau und Mutter: „Nach der Hochzeit stellte sie fest, dass der Mann nicht so lustig war, wie sie gedacht hatte, dann kam das Kind.“ Warum schreibt sie über Japan? Weil man sich da so unendlich fremd fühle. Und das Fühlen der Fremdheit einsam mache, aber auch sehr frei.////

27.10.2010
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