Herr Sievers, im Herbst hat das Deutschlandjahr in Indien begonnen. Wie war die Resonanz zum Auftakt?
Bundeskanzlerin Merkel hatte in Delhi bereits am 31. Mai 2011 mit einem Konzert des Young Euro Classic Orchestra den offiziellen Startschuss für das Deutschlandjahr gegeben. Die eigentliche Eröffnung fand dann Ende September mit hochkarätigen Konzert- und Tanztheater-Veranstaltungen parallel in den sieben indischen Mega-Cities New Delhi, Mumbai, Kolkata, Chennai, Pune, Bangalore und Hyderabad statt. Größte Publikumsattraktion war dabei die Open-Air-Begegnung des indischen Percussion-Stars Sivamani mit Deutschlands Top-Solo-Perkussionisten Christoph Haberer vor 3000 begeisterten Fans im beliebtesten Park von New Delhi. Ähnlich enthusiastisch reagierte auch das klassisch orientierte indische Publikum auf die Konzerttourneen der Philharmonie Merck und des Quintett 5 Beaufort der Jungen Deutschen Philharmonie. Auf noch größeres Interesse bei Hunderttausenden von Menschen stieß in Kolkata die Installation „It’s All Rheydt’ von Gregor Schneider, eine Weiterentwicklung seines „Haus u r“, mit dem er auf der Biennale in Venedig 2001 den Goldenen Löwen gewann. Als erster ausländischer Künstler durfte Schneider im Oktober einen sogenannten Pandal (Schrein) gestalten für die Durga Puja, das wichtigste hinduistische Fest in Bengalen zu Ehren der Göttin Durga.
Wie umfangreich ist das Programm und auf welche Höhepunkte können sich die Menschen in Indien freuen?
Zwischen September 2011 und Ende 2012 werden Hunderte von Veranstaltungen und Projekte stattfinden, die entsprechend des integrierten Deutschlandjahr-Konzepts alle Bereiche der bilateralen Zusammenarbeit abdecken: Kultur, Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft und Politik. Einen guten Überblick bietet unsere Website www.germany-and-india.com. Im Laufe des Jahres werden große Namen der deutschen Kunstszene in Indien ausstellen, zum Teil auch hier arbeiten, darunter Rebecca Horn, Wolfgang Laib, Eberhard Havekost, Tino Sehgal und Heidi Specker. Die Kuratorin Adrienne Göhler wird in Mumbai ihre einzigartige Ausstellung „Zur Nachahmung empfohlen!“ oder, wie sie es nennt, ihre „Expeditionen in Ästhetik und Nachhaltigkeit“ zeigen und durch Arbeiten wichtiger zeitgenössischer indischer Künstler erweitern, die sich wie die anderen an diesem Projekt Beteiligten künstlerisch mit Innovationen im Bereich erneuerbarer Energien, Klimawandel, Stadtentwicklung und Ökologie auseinandersetzen. Im Januar 2012 findet gewissermaßen die ultimative Konzerttour des Jahres statt: Bollywood-Star und Oscar-Preisträger A.R. Rahman wird mit dem Filmorchester Babelsberg vor größter Kulisse in fünf indischen Städten seine Kompositionen präsentieren. Die Begeisterung für seine Musik ist in Indien dermaßen groß, dass seine Konzerte Stadien füllen und als Live-Mitschnitt vom Fernsehen übertragen werden. Ein herausragendes Ereignis in der zweiten Hälfte des Deutschlandjahres ist die Eröffnung des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses in New Delhi, das unter einem Dach die wichtigsten in Indien vertretenen deutschen Forschungsinstitutionen und Universitäten vereinigen und deren Vernetzung mit indischen akademischen, wirtschaftlichen und entwicklungspolitischen Partnerinstitutionen fördern wird. In Gurgaon, der Boomtown vor den Toren Delhi, wird Anfang November 2012 die 13. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft gastieren. Dies ist das bedeutendste deutsch-asiatische Netzwerk-Treffen von Politik und Wirtschaft im Raum Asien-Pazifik.
Ein Kernelement ist ein mobiler Veranstaltungsraum, der durch zentrale Städte reist. Wie sieht er aus? Wer hat ihn entworfen? Wo wird er 2012 Station machen? Und was wird darin geboten?
Der Münchner Künstler Markus Heinsdorff hat ein Ensemble von 15 kunstvoll gestalteten Pavillons entworfen, die zusammen eine Art „Deutschland-Plaza“ bilden und die in den großen Metropolen Indiens jeweils 10 Tage lang auf einem über 2000 Quadratmeter großem Gelände installiert werden. In den Pavillons – hoch attraktiven membranbespannten Stahlkonstruktionen – werden unsere Wirtschaftspartner und die Projektträger Informationen und Lösungsansätze zum zentralen Thema des Deutschlandjahres „StadtRäume“ präsentieren. Zugleich wird es in speziellen Pavillons ein abwechslungsreiches Kultur- und Konferenzprogramm geben, an jedem Ort neu und anders. Wir gehen davon aus, dass diese Plaza zum Publikumsmagneten des Deutschlandjahres wird. Die Vernissage findet im April 2012 in Mumbai statt, weitere Stationen sind unter anderem Chennai, Bangalore, Kolkata und Delhi.
Ein Fokus liegt auf „der urbanen, bildungsorientierten und Englisch sprechenden jungen indischen Zielgruppe“. Wie wollen Sie die erreichen?
Die Zielgruppe gebildeter, englischsprachiger urbaner junger Menschen ist nicht allein für das Deutschlandjahr relevant, dies sind auch die wichtigste Adressaten sowohl für Wirtschaftsunternehmen, für Bildung und Forschung als auch für die Arbeit der Goethe-Institute. Über 90 Prozent der KursteilnehmerInnen an den Goethe-Instituten sind jünger als 25, die meisten Besucher unserer Ausstellungen, Jazzkonzerte, Techno- und Club-Abende oder Dokumentarfilm-Reihen sind unter 30 ebenso wie die BewerberInnen für die Dualen Ausbildungslehrgänge an den Indo-German Training Centres der Deutsch-Indischen Handelskammer oder die StipendiatInnen des DAAD. Das Angebot des Deutschlandjahres wird folglich von den Projektträgern und Wirtschaftspartnern mit entsprechenden Formaten auf diese Zielgruppe zugeschnitten, selbstverständlich auch unter Nutzung der Social Media. Allerdings geht es nicht darum, einseitig nur auf die Jugend zu fokussieren, denn es ist klar, dass eine zentrale und zahlenmäßig bedeutende Zielgruppe dieses Jahres auch viele wichtige Entscheidungsträger mit engem Bezug zu Deutschland in allen Bereichen der indischen Wirtschaft und Gesellschaft sind.///














