Wenn Dan Zhu an ihren ersten Deutschland-Besuch denkt, schwärmt sie noch heute. Der Kölner Dom mit seiner imposanten Architektur hatte es ihr vor Jahren angetan. Jetzt war die 26-jährige Managerin beim Shanghai International Film Festival für vier Wochen in der deutschen Hauptstadt Berlin. Als eine von 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Qualifizierungsprogramms „KUMA Kulturmanagement in China“. Ein Crashkurs für besonders Engagierte aus dem Reich der Mitte. Deutschland eilt in China der Ruf einer Kultur- und Kreativnation voraus. Diesen Umstand nahmen sich das Goethe-Institut, das Institut für Kultur- und Medienmanagement der Freien Universität Berlin (IKM) und die Stiftung Mercator zu Herzen und initiierten nach einem Pilotprojekt im vergangenen Jahr zum zweiten Mal eine Fortbildung für Kulturmanager aus China.
Inhalte und Strukturen des deutschen und europäischen Kulturmanagements zu vermitteln war das Ziel. Aber auch langfristig nutzbare Kooperationen zwischen beiden Ländern zu bilden. „Eine neue Generation von international ausgerichteten Kulturmanagern wird in den nächsten Jahren die dynamisch wachsende kulturelle Infrastruktur mit attraktiven künstlerischen Programmen und kreativen Vermittlungskonzepten bespielen. Dabei geht es um Werte, aber auch um wirtschaftlichen Erfolg“, sagt der Leiter des Qualifizierungsprogramms, Professor Klaus Siebenhaar vom IKM bei der Abschlussveranstaltung in Berlin. Um diese Herausforderungen bestehen zu können, brauche es eine hochqualifizierte Ausbildung aus dem Geist des kulturellen Dialogs heraus. Sein Kollege, der ehemalige Leiter des Goethe-Instituts Peking, Dr. Uwe Nitschke, fügt hinzu: „Das Projekt Kulturmanagement ist in China angekommen und zieht immer weitere Kreise. Eine große Zahl der Teilnehmer des Pilotprojekts wurde nach dem erfolgreichen Abschluss des Programms befördert oder fand einen neuen attraktiven kulturellen Arbeitgeber.“
Das war ein gutes Argument für Dan Zhu. Nach einem zweiwöchigen Theorieprogramm in Peking erhielten die chinesischen Nachwuchskräfte während ihres vierwöchigen Deutschlandaufenthaltes intensive Einblicke in rund 90 öffentliche und private Kultur- und Medieneinrichtungen. Es kam zu Treffen mit dem stellvertretenden Direktor des Pergamon-Museums, Kuratoren des Museums Hamburger Bahnhof und der Nationalgalerie und zu einer Exkursion in das legendäre Filmstudio Babelsberg. Aber auch zur Kommunikationsagentur Triad, die im Auftrag des chinesischen Organisationskomitees der Expo 2010 einen der zentralen Themenpavillon gestaltete. „Das Qualifizierungsprogramm war für mich eine tolle Gelegenheit, rund 100 Leute aus den unterschiedlichsten Kulturbereichen zu treffen. Unter anderem sprach ich mit Dieter Kosslick, dem Leiter des Berliner Filmfestivals Berlinale, und Leuten des Berlinale Talent Campus. Aber auch mit den Leitern von Triad sowie mit Dokumentarfilmern“, sagt Dan Zhu.
Auf Diskussionen und die Reflexion von Kunst wurde in diesem Jahr besonderer Wert gelegt. „Wir haben versucht, den chinesischen Teilnehmern das kritische Selbstverständnis vieler europäischer Künstler zu vermitteln und dass Kritik eine Grundhaltung der Kunst ist“, sagt Klaus Siebenhaar. Das hat Zhanglun Dai sehr gefallen. Die 26-Jährige ist Kunstkritikerin des monatlich erscheinenden „Art Time Magazines“. Viel gelernt habe sie bei ihrem Aufenthalt etwa über die Organisation von Museen. Beeindruckt habe sie auch die Transformation der Ruhrgebietsstadt Essen zur europäischen Kulturhauptstadt. Oder dass es in Wolfsburg eine „Autostadt“ gebe. Sie selbst habe für sich die Choreografin Sasha Waltz entdeckt. Die „neue Pina Bausch“ des Tanzes habe sie so beeindruckt, dass sie unbedingt über sie schreiben wolle.
Tak Wai Tsui indes, Professor der Shantou University Cheung und bis 2009 noch Verwaltungsdirektor im Hong Kong Repertory Theatre, wollte gern noch mehr über die Kulturindustrie in Deutschland erfahren. Ihn beeindruckten das Berliner Jüdische Museum mit seinem eigenwilligen Zickzack-Bau von Architekt Daniel Liebeskind, der Besuch des Bundestages, aber auch die unzähligen Galerien der deutschen Hauptstadt. Eine Woche lang war er zu Gast im Friedrichstadtpalast bei der Yma-Show. Dort durchlief er alle Stationen – vom Direktorat über die Maske und die Technik bis zum Kostüm. Während seines Deutschlandbesuchs habe er viele wertvolle Kontakte gewonnen und viel diskutieren können. Miaomiao Zhang, Kuratorin im National Art Museum of China, fand bemerkenswert, wie strukturiert deutsche Museen seien. „Sie haben durch ihr langes Bestehen eine ganz konkrete Systematik, die es bei uns nicht gibt.“ Was sie nach Hause mitnehme, seien Ideen, wie man das öffentliche Interesse für die eigenen Sammlungen wecken und Spendengelder akquirieren könne. Und dass Erziehung in Sachen Kultur für die Zukunft äußerst wichtig sei.
Zurück in China verfassen die Teilnehmer eine 15-seitige Arbeit, in der sie ihre Erfahrungen in Bezug auf ihre berufliche Situation reflektieren sollen. Außerdem führt Professor Siebenhaar ein Gespräch mit den Teilnehmern darüber, wie sie ihre Zukunft einschätzen und in welche Richtung sie sich gern entwickeln wollen. „Danach überlegen wir gemeinsam, wie wir dabei mit unseren Kontakten weiterhelfen können“, so Siebenhaar. 2011 wird es einen dritten Durchgang geben.////














