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Kultur

Deutsch lernen, Kultur erleben

Von Mexiko bis Argentinien will das Goethe-Institut in Lateinamerika Begeisterung für Deutschland, seine Sprache und Kultur wecken. Die 15 Institute in der Region bieten nicht nur Deutschkurse an, sondern fördern mit vielen Projekten den Kulturdialog

Von Katharina Nickoleit

Der Anmeldeschluss für die neuen Sprachkurse naht – und im Goethe-Institut in Boliviens Hauptstadt La Paz herrscht ein reges Kommen und Gehen. Die meisten Schüler, die sich in dem hübschen, weißen Kolonialstilbau zum Deutschlernen anmelden, sind Anfang 20. So wie Cyntia Ablas. „Ich möchte einen Master in Deutschland machen. Damit ich mich um einen Studienplatz bewerben kann, lerne ich hier Deutsch.“ Die 22-Jährige ist eine von rund 350 Kursteilnehmern, die sich jedes Jahr für einen Deutschkurs am Institut einschreiben.

Deutschkurse sind aber bei weitem nicht das Einzige, was das Goethe-Institut in La Paz anbietet. Mindestens ebenso wichtig ist die vielfältige Kulturarbeit: eine Gerhard Richter-Ausstellung mit Originalen im Nationalmuseum, ein Seminar zum Thema Migration, geleitet von einem deutschen Professor, ein Workshop mit einer Graffiti-Künstlerin aus Berlin sind nur einige Programmpunkt der vergangenen Monate. „Es geht uns nicht nur darum zu zeigen, was es an klassischer Kunst aus Deutschland gibt, sondern wir möchten genauso die deutsche Gegenwarts- und Subkultur vorstellen. Wir bemühen uns, bei Veranstaltungen eine gute Mischung zu finden“, erklärt Sigrid Savelsberg, die Leiterin des Goethe-Instituts in Bolivien. Als Einrichtung fördert das Goethe-Institut auch Künstler, die sich mit deutschem Kulturgut beschäftigen. „Es gab da etwa einen Regisseur, der ein Theaterstück von Roland Schimmelpfennig inszenieren wollte. So etwas unterstützen wir natürlich.“ Und manchmal geht es auch um ganz Praktisches: Zum Beispiel ein Seminar, in dem die Teilnehmer lernen, wertvolle historische Dokumente zu restaurieren.

Zur Förderung der internationalen kulturellen Zusammenarbeit veranstaltet das Goethe-Institut allein in La Paz jedes Jahr zwischen 40 und 50 Kulturevents, zu denen Künstler und Intellektuelle aus Deutschland eingeladen werden. Die Besuche werden vom Goethe-Institut im brasilianischen São Paulo koordiniert, das für die Gäste immer eine Rundreise zu mehreren Instituten organisiert. Insgesamt gibt es in ganz Lateinamerika 15 Goethe-Institute. Hinzu kommen neun Goethe-Zentren sowie mehr als 20 Kulturgesellschaften die mit Projektmitteln unterstützt werden.

Die Institute in Brasilien, Argentinien und Chile etwa sind wesentlich größer als die Dependance in Bolivien, und sie erreichen auch einen noch größeren Kreis an Menschen, die sich für Deutschland, seine Kultur und Sprache interessieren. Alles in allem verzeichneten die Goethe-Institute in Lateinamerika 2008/2009 rund 24000 Einschreibungen für den zwei-monatigen Deutschunterricht. Mehr als 2000 Kurse wurden in den beiden Jahren angeboten. Und das Interesse, Deutsch zu lernen, nimmt durch die Globalisierung überall in der Region zu.

Mit dem Projekt „Die Kunst der Unabhängigkeit. Der zeitgenössische Pulsschlag“ beteiligen sich die Goethe-Institute der Region auch am „Bicentenario“, den Feierlichkeiten zu 200 Jahren Unabhängigkeit lateinamerikanischer Staaten. Kernstück ist die Wanderausstellung „Menos tiempo que lugar“ („Weniger Zeit als Raum“), die derzeit in Buenos Aires zu sehen ist. Südamerikanische und deutsche Künstler setzen sich in ihren Arbeiten mit der Frage auseinander, was Freiheit und Unabhängigkeit bedeutet. Im Anschluss geht die Ausstellung auf Reisen und wird in den kommenden zwei Jahren in verschiedenen Ländern Lateinamerikas und in Deutschland zu sehen sein.

Eine weitere Aufgabe der Goethe-Institute ist die Weiterbildung von lateinamerikanischen Deutschlehrern. „Wir veranstalten Seminare und schicken Lehrer mit Stipendien nach Deutschland, damit sie in ihrem Unterricht ein aktuelles Deutschlandbild vermitteln können“ sagt Sigrid Savelsberg. Auch für Jugendliche organisieren die Institute Bildungsprojekte – oft auch international ausgerichtet. In Uruguay etwa veranstaltet das Goethe-Institut Montevideo im Juli das erste internationale Jugendparlament. 100 Jugendliche aus Lateinamerika, Europa und Afrika wollen dabei Lösungsstrategien zur Verwirklichung der Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen erarbeiten.

Neben den Sprachkursen und dem Kulturprogramm sind die Bibliotheken eine wichtige Einrichtung der Goethe-Institute, um Deutschland den Menschen zwischen Mexiko und Argentinien näher zu bringen. Ob Werke von Goethe, Erich Kästner, Martin Walser und Comic-zeichner Tom Körner – das alles findet sich in den Regalen. Auch ausgewählte Zeitschriften und Zeitungen liegen hier aus. Wer will, kann sich auch deutsche Filme ausleihen: Stummfilme aus den 20er-Jahren, Vertreter des „Neuen Deutschen Films“ wie Werner Herzog oder Wim Wenders oder auch die jüngsten Werke deutscher Regisseure.

Auch in Bolivien ist die Bibliothek, zu der auch ein kleines Medienzentrum mit Computern gehört, das Herzstück des Institutes. „Zunächst habe ich mich nicht an deutsche Bücher herangetraut“, erzählt Sprachschülerin Cyntia Ablas. „Aber dann habe ich mit Kinderbüchern angefangen und wage mich jetzt an mein erstes Buch für Erwachsene heran.“ Wenn alles klappt, wie sie sich vorstellt, wird die Studentin im Herbst ihr Masterstudium in Deutschland beginnen. „Am liebsten in Berlin“, schwärmt sie, „darüber habe ich hier im Goethe-Institut schon so viel gehört und gelesen.“

02.03.2010
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