Es gilt als eines der A-Festivals der Literatur – und das zu Recht: Das internationale Literaturfestival Berlin (ilb) versammelt seit 2001 regelmäßig internationale Autoren und wird weltweit rezipiert. Kein Wunder, dass in den vergangenen Jahren bis zu 34.000 Besucher zu Lesungen, Autorengesprächen, politischen Diskussionen und Konzerten in die deutsche Hauptstadt kamen.
Ulrich Schreiber (Foto oben), der Leiter des ilb, freut sich, vom 9. bis 19. September in über 200 Veranstaltungen wieder 140 Schriftsteller aus 50 Ländern in Berlin begrüßen zu dürfen. In diesem Jahr richtet sich der Fokus auf die Literatur der Arabischen Welt. „Das ist wichtig, denn das Wissensdefizit in Europa über die Arabische Welt im Allgemeinen und ihre Literatur im Besonderen ist nach wie vor groß. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren einiges getan hat“, sagt er. Leider fänden arabische Autoren in Europa nur wenige Verleger, bedauert Schreiber.
Allgemein bietet das ilb einen Einblick in neue und tradierte Entwicklungen der aktuellen Weltliteratur. Das Publikum kommt anderthalb Wochen lang in den Genuss von Prosa, Lyrik, Gesprächen mit Autoren und politischen Diskussionen, Kinder- und Jugendliteratur sowie Literaturverfilmungen, die unter anderem im Haus der Berliner Festspiele stattfinden. Finanziert wird das Festival von der Kulturstiftung des Bundes und aus dem Hauptstadtkulturfonds und gefördert auch durch das Auswärtige Amt, Stiftungen, ausländische Kulturinstitute und eine Reihe weiterer Sponsoren.
Neben Bestsellerautorin Arundhati Roy aus Indien wird in diesem Jahr die in Bangladesh geborenen Autorin Monica Ali, die durch „Brick Lane“ weltbekannt wurde, nach Berlin kommen. Philippe Dijan, seit „Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen“ zum Provokateur mit Kultstatus avanciert, wird aus seiner Romanreihe „Doggy Bag“ lesen. Der Schwerpunkt des Festivals liegt allerdings auf der Literatur der Arabischen Welt. Dabei reiche die Liste der Autoren vom Irak bis Mauretanien, so der Journalist und Schriftsteller Mohamed Massad, der das Festival als Berater unterstützt. Das ilb wolle die breite Vielfalt der arabischen Welt darstellen, so Massad. Aber von den über 600 auf der „long list“ notierten Autoren habe man nur 35 einladen können.
Zu den Gästen, die voraussichtlich nach Berlin kommen werden, zählen renommierte, aber auch junge, avantgardistische Autoren: Rehab Bassam aus Ägypten beispielsweise machte sich das Internet zunutze – ihr mit zwei anderen jungen Frauen geschriebener Bestseller „Rice Pudding for two“ war ursprünglich ein literarischer Blog. Joumana Haddad, Poetin, Prosaistin und Journalistin aus dem Libanon, setzt sich in ihrer Lyrik und in ihrer Zeitschrift „Körper“ provokant mit Geschlechterrollen auseinander. Der „Arab Booker-Prize“-Träger 2009, Youssef Zeidan aus Ägypten, wird aus seinem Roman „Azazeel“ lesen, das die koptische Geschichte thematisiert und große Diskussionen auslöste. Ihr Kommen zugesagt hat auch die in Deutschland sehr bekannte algerische Schriftstellerin Assia Djebar. Da die arabische Literatur ohne Lyrik undenkbar wäre, wurden auch die Poeten Ghassan Zaqtan aus Palästina und jüngere Dichter wie Yassin Adnan (Marokko) oder Dalia Taha (Palästina) eingeladen. Unter den Autoren sind auch Verleger und Journalisten. Und häufig geht es in der arabische Literatur sehr politisch zu: So beschreibt der Libanese Youssef Bazzi die Gewalt des Krieges und das Werk des Irakers Sinan Antoons erzählt vom Leben unter dem Regime Saddam Husseins.
„Unser Anliegen ist es, dem Publikum den Kulturkreis des arabischen Raums zu öffnen, das gegenseitige Verständnis zu fördern und einen lebendigen Austausch zwischen den Künstlern, Vermittlern und Autoren anzuregen“, sagt ilb-Leiter Ulrich Schreiber. Berlin solle eine Bühne sein, die den Gästen aus dem arabischen Raum die Möglichkeit einer authentischen Vermittlung ihrer Literaturen, ihrer geistigen, kulturellen und politischen Haltungen gebe. Besonders gehe es darum, welche Fragen die arabische Welt bewegten, so Schreiber. Das Interesse daran ist nicht nur auf dieses Jahr beschränkt: Auch in Zukunft wird die arabische Literatur fester Bestandteil des Festivals sein.














