Bei seiner Vorstellung als zukünftiger Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München wirkte Kirill Petrenko erstaunlich schüchtern. Er sei „sehr, sehr aufgeregt“ und bitte um Verzeihung, wenn seine Stimme zittere. Nun ist die Bayerische Staatsoper ein traditionsreiches Haus, für das in der Vergangenheit so herausragende Generalmusikdirektoren wie Sir Georg Solti, Wolfgang Sawallisch oder Zubin Mehta glänzten. Das kann einen 38-Jährigen durchaus beeindrucken. Doch Kirill Petrenko ist auch kein Unbekannter. So kürte ihn etwa die Fachzeitschrift „Opernwelt“ schon zweimal zum Dirigenten des Jahres (2007 und 2009). Nicht umsonst galt er als Wunschkandidat des Münchner Staatsindentanten Nikolaus Bachler bei der Suche nach einem Nachfolger für den US-Amerikaner Kent Nagano.
Auch der für Kirill Petrenkos Ernennung zum Generalmusikdirektor zuständige bayerische Kunstminister Wolfgang Heubisch zeigte sich hochzufrieden: „Mit Kirill Petrenko konnten wir einen der weltweit gefragtesten Dirigenten für München gewinnen.“ Es gebe nur sehr wenige Orchesterleiter, die dem Anforderungsprofil des Generalmusikdirektors der Bayerischen Staatsoper gerecht würden. „Petrenko bringt alle Voraussetzungen mit: Er ist ein schöpferisch-kreativer und hoch akkurater Maestro mit breitem Repertoire und internationaler Erfahrung.“ Kirill Petrenko hat bereits an zahlreichen internationalen Spitzenhäusern dirigiert, etwa am Londoner Royal Opera House, an der New Yorker Metropolitan Opera oder an der Wiener Staatsoper. Hier leitete er erst im Mai einige „Eugen Onegin“-Aufführungen.
Die österreichische Hauptstadt Wien ist für den 1972 im sibirischen Omsk geborenen Sohn eines Geigers und einer Musikwissenschaftlerin ohnehin eine besondere Stadt. Petrenkos Familie siedelt 1990 aus Russland nach Österreich über, wo Petrenko unter anderem Dirigieren an der Wiener Musikuniversität studiert. Nach seinem Abschluss tritt er 1997 sein erstes Engagement als Kapellmeister an der Wiener Volksoper an. Rasant geht es weiter: 1999 wird Kirill Petrenko am Südthüringischen Staatstheater Meiningen jüngster Generalmusikdirektor Deutschlands. Hier gelingt ihm der internationale Durchbruch – mit einer umjubelten Neuinszenierung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. Von einem „Triumph für den jungen Dirigenten Kirill Petrenko“ schreibt der Kritiker der „Süddeutschen Zeitung“. Sein Kollege von der „Frankfurter Rundschau“ lobt die minuziöse Vorbereitung des noch nicht einmal Dreißigjährigen und bezeichnet sein „unpathetisches, souverän zwischen Ruhezonen und hitzigen Dramatisierungen vermittelndes Konzept“ als „Weltklasse“. Kein Wunder, dass immer mehr Opernhäuser auf den Senkrechtstarter aufmerksam werden. Petrenko wechselt an die Komische Oper Berlin und prägt das Haus mit so unterschiedlichen Werken wie Mozarts „Così fan tutte“, Weills „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ oder Janaceks „Jenufa“.
Mit „Jenufa“ hat Kirill Petrenko 2009 auch an der Bayerischen Staatsoper überzeugt, ebenso mit Tschaikowskys „Pique Dame“ sechs Jahre zuvor. Staatsintendant Nikolaus Bachler betont, Petrenkos bisherige Arbeit an der Staatsoper und seine Tätigkeit als Generalmusikdirektor an anderen Spielstätten machten ihn zur „idealen Besetzung für unser Haus“. Auch Petrenko schätzt seine neue Wirkungsstätte: „Das Münchner Publikum ist vernarrt in die Oper.“ Ihren zukünftigen Generalmusikdirektor werden die Münchner im Sommer 2011 wieder am Dirigentenpult erleben: Im Juli übernimmt Petrenko in München die musikalische Leitung einer „Tosca“-Aufführung.
Soviel ist sicher: Zur Ruhe kommen wird der Ausnahmedirigent fürs Erste nicht. Dafür hat er die Fachwelt in der Vergangenheit zu sehr begeistert. Und auch für das Jahr seines Amtsantritts in München kündigt sich eine weitere große Herausforderung an: 2013 soll Kirill Petrenko in Bayreuth den Jubiläums-„Ring“ zu Richard Wagners 200. Geburtstag dirigieren.////














