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Musik

Partituren für Klangskulpturen

Der japanische Computermusiker Yutaka Makino ist dieses Jahr Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Das Wellenfeld-Synthese-System der Technischen Universität Berlin bietet ihm ideale Arbeitsmöglichkeiten.

Von Katja Winckler

Er macht Musik, obwohl er nie richtig ein Instrument gelernt hat. Yutaka Makino lächelt, als er das erzählt. Der 34-jährige Japaner ist Computermusiker. Wer sich auf seiner schlicht gestalteten Homepage informiert, erfährt, dass er auch Skulpturen und Klanginstallationen gestaltet. Und gelangt zu seinen Kompositionen, die wie sirrende Maschinengeräusche oder das Starten eines Flugzeugs klingen, nur artifizieller. Zuweilen sind die Klänge kaum hörbar, dann wiederum wegen der Lautstärke kaum zu ertragen. Musik für Eingeweihte und eine sehr kleine, feine und internationale Hörerschaft. „Mein Computer ist mein Instrument“, sagt Makino. „Ich versuche mit Klängen immaterielle Räume zu schaffen und zu inszenieren.“ Der jungenhaft wirkende Mann sitzt im Elektronischen Studio der Technischen Universität (TU) Berlin. Vor ihm sein Apple-Laptop, an dem er komponiert. Seit Ende Januar ist er für ein Jahr Gast des Berliner Künstlerprogramms (BKP) des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in der deutschen Hauptstadt. Seit 47 Jahren besteht das international renommierte Stipendienprogramm. Bislang haben mehr als 1000 ausländische Künstler aus den Sparten Bildende Kunst, Literatur, Musik und Film als Gäste des Künstlerprogramms für ein Jahr in Berlin gelebt – frei von allen ökonomischen Zwängen.Ende Juli nahm Yutaka Makino am Festival „Inventionen“ für Elektroakustische Musik und Klangkunst teil, das vom Künstlerporgramm und der TU Berlin organisiert wird. Seit mittlerweile 25 Jahren zieht das Festival Computermusiker und -fans aus aller Welt an. Vier Tage lang bespielte Makino die für avantgardistische Musik und Tanz offene „Villa Elisabeth“ in der Invalidenstraße in Berlin-Mitte mit einem seiner Werke: Er ließ in seiner Klang- und Lichtinstallation „Pulsar“ in dem völlig abgedunkelten und vernebelten Kapellenraum Laserstrahlen auf die Architektur mit den vielen Rundbögen und der Empore treffen, gesteuert durch algorithmisch generierte Computer-Klänge. So griff er massiv in den Orientierungssinn der Besucher ein. „Ich beschäftige mich mit Strukturen und Systemen, die die Aspekte wie Kunst, Architektur, Philosophie, Politik und Naturwissenschaften berühren“, fasst er das Ausmaß seiner Werke zusammen. Makino arbeitet gern mit Nebel, Luft, Licht und Klang. 2009 gründete er sein eigenes Computermusik-Label „Strukto“, und manchmal tritt er mit dem Turntabelisten Takuro Mizuta Lippit alias „DJ Sniff“ unter dem Namen „Audile“ in live-elektronischen Musikperformances auf.

Studiert hatte der aus der Präfektur Tochigi in der Region Kanto auf der Insel Honshu stammende Makino zunächst Geo-Wissenschaften in Tokio. Schon während seines Studiums kristallisierte sich heraus, dass er kein Geo-Wissenschaftler werden würde. Deshalb zog es den Computerfreak, der sich mit elektronischer Musik und ihren komplexen Theorien verstärkt zu beschäftigen begann, weiter – an das Centre de Création Musicale Iannis Xenakis (CCMIX) in Paris. Er ging an die School of the Art Institute of Chicago und in die Niederlande, um in Den Haag am Königlichen Konservatorium und an der Königlichen Kunstakademie zeitgenössische Musik und Medienkunst zu studieren, und anschließend an die University of California (Media Art and Technology Program) in Santa Barbara. Mittlerweile ist Yutaka Makino eine feste Instanz in der Com

putermusik-Szene.

In Berlin hat er ein neues künstlerisches Zuhause gefunden. Die kreative Atmosphäre fasziniert ihn. Und natürlich die einmalige Möglichkeit, das Wellenfeld-Synthese-System der Technischen Universität Berlin für eine Reihe neuer Computermusik-Kompositionen und Klanginstallationen zu nutzen. Dabei handelt es sich um eine Anlage mit 2700 Lautsprechern und 832 Audiokanälen – die weltweit größte dieser Art. Der Clou: Hier werden nicht, wie bei konventionellen, mehrkanaligen Wiedergabesystemen üblich, einfach Klänge über einen oder mehrere Lautsprecher abgestrahlt. Es wird vielmehr das Feld der Schallwellen berechnet und generiert, das Klangquellen an bestimmten oder sich bewegenden Positionen im Raum ausprägen. Auf diese Weise entstehen akustische Situationen, die von den allgemein üblichen Klangerfahrungen bedeutend abweichen. In Zukunft möchte sich Makino noch stärker dem Thema Skulptur widmen. Nicht mit Hammer und Meißel. Mit dem Computer, versteht sich.////

28.09.2010
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