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Musik Zeitreise

Von Bach bis Lena: Die kurze musikalische Zeitreise durch vier Jahrhunderte wirft Schlaglichter auf wegweisende Höhepunkte.

Von Karen Allihn

18. JAHRHUNDERT

1705 wird Georg Friedrich Händels erste Oper „Almira, Königin von Kastilien“ im Hamburger Theater am Gänsemarkt urauf­geführt. Während etwa 20 Aufführungen folgen, bricht Händel nach Italien auf. Von 1710 an ist er Hofkapellmeister in Hannover, 1712 siedelt er nach London über.

1713 beginnt Johann Sebastian Bach mit der Komposition der „Sechs Brandenburgischen Konzerte“. 1717 wechselt er vom ­Weimarer an den Köthener Hof, bevor er 1723 in Leipzig Thomaskantor wird. Dort schreibt er bedeutende Kantaten und beeindruckt seine Zeitgenossen auch als Orgelvirtuose.

1721 wird Georg Philipp Telemann Musikdirektor in Hamburg, nachdem er dieses Amt zuvor neun Jahre lang in Frankfurt am Main ausgeübt hat. Er macht sich um die Entwicklung der Oper und des Orchesterwesens verdient und hinterlässt ein Œuvre von mehr als 3500 Werken, darunter 46 Passions-Oratorien.

1743 beginnen 16 Kaufleute in Leipzig, ein Konzertunternehmen zu betreiben, das bald in einen Gasthof verlegt wird und um 1750 pro Konzert bereits etwa 300 Zuhörer zählt. 1781 schlägt mit der Eröffnung eines Konzertsaals im Gewandhaus der Tuchhändler die Geburtsstunde der Gewandhauskonzerte.

1753 veröffentlicht der zweitälteste Bach-Sohn, Carl Philipp Emanuel Bach, seinen „Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen“, eines der bedeutendsten Musiktraktate des 18. Jahrhunderts. Der Kammercembalist Friedrichs II. und Hamburger Musikdirektor entwickelt den „empfindsamen Stil“.

1776 – nach ausgedehnten Konzertreisen durch Europa – wird die Sängerin, Schauspielerin und Komponistin Corona Schröter auf Goethes Vermittlung hin Kammermusikerin am Weimarer Hof. 1779 bringt sie mit großem Erfolg Goethes „Iphigenie auf Tauris“ auf die Bühne des Weimarer Theaters.

1778 kommt, mit der Verlegung des Mannheimer Hofes nach München, die Mannheimer Hofkapelle nach Bayern. Im Jahr zuvor begeistert sich Wolfgang Amadeus Mozart an dem neuartigen Klang des Orchesters, das mit seinem Repertoire (Stamitz, Cannabich etc.) nicht nur das Orchesterspiel revolutioniert, sondern auch der Klassik den Weg bereitet.

1783 gründet der preußische Kapellmeister Johann Friedrich Reichardt nach Pariser Vorbild in Berlin die „Concerts spirituels“, mit denen das öffentliche bürgerliche Konzertleben seinen Anfang nimmt und – mit gedruckten Einführungstexten sowie Textbüchern – die Produktion von Programmheften.

1791 singen in der Berliner Marienkirche erstmals Männer und Frauen der von Carl Friedrich Fasch gegründeten „Singe­Akademie“ öffentlich gemeinsam. Dieses Konzert ist eine ­Initialzündung für die Gründung von gemischten Chören in ganz Deutschland.

19. JAHRHUNDERT

1800 wird in Wien die 1. Sinfonie des jungen Ludwig van Beethoven mit großem Erfolg uraufgeführt. Der in Bonn geborene Komponist gilt als Vollender der Wiener Klassik und Wegbereiter der Romantik.

1821 geht mit Carl Maria von Webers „Freischütz“ im neu erbauten Schinkel‘schen Schauspielhaus am Berliner Gendarmenmarkt die erste Opernaufführung über die Bühne. Die erste ­deutsche romantische Oper ist sogleich populär: Das Lied vom „Jungfernkranz“ wird an jeder Straßenecke gesungen.

1823 tritt die Sängerin Wilhelmine Schröder-Devrient ins ­Ensemble der Dresdner Hofoper ein, der sie bis 1847 angehört. Sie wirkt bei mehreren Uraufführungen von Wagner-Opern mit, unter anderem als Senta im „Fliegenden Holländer“ und als Venus in „Tannhäuser“.

1824, mit einem Engagement an das Berliner Königstädtische Theater, beginnt die internationale Karriere von Henriette Sontag. Bereits mit 17 Jahren singt Sontag, eine der bedeutendsten ­Koloratursopranistinnen ihrer Zeit und der erste Star im modernen Sinne, die Titelrolle in Webers „Euryanthe“.

1826 schreibt der 17-jährige Felix Mendelssohn-Bartholdy die Kon­zertouvertüre „Ein Sommernachtstraum“; Mit nur 38 Jahren stirbt der Gründer des ersten deutschen Konservatoriums in Leipzig.

1827 findet in Württemberg das erste deutsche Sängerfest statt. Hier werden auch nationale Bestrebungen manifestiert, will man doch, wie die Satzung festhält, „Ausbildung und Veredlung des deutschen Männergesanges [...] durch die dem Liede innewohnende einigende Kraft“ erreichen.

1832 erscheint die Violinschule von Ludwig Spohr; sie gilt im 19. Jahrhundert als Standardwerk. Zum umfangreichen Œuvre des Kasseler Hofkapellmeisters (ab 1822) und Generalmusik­direk­tors (ab 1847), der als Geigenvirtuose ausgedehnte Europa-Tourneen unternimmt, gehören 10 Sinfonien und 15 Violinkonzerte.

1835 findet im Leipziger Gewandhaus die Urauf­führung des „Klavierkonzerts a-Moll op. 7“ von Clara Schumann statt – mit der Komponistin als Solistin. Als gefeierte Virtuosin bereist Clara ­Schumann ganz Europa.

1840 heiratet Robert Schumann Clara Wieck. Nach einem „Klavier-Jahr“ folgt das „Lieder-Jahr“. Bis zu seinem tra­gischen Tod 1856 schreibt er vor allem Konzerte, Sinfonien und Kammermusik.

1842 erlebt Richard Wagner mit „Rienzi“ in Dresden seinen ersten großen Opernerfolg; 1843 wird er Königlich Sächsischer Hofkapellmeister. Nach weiteren Stationen zieht er 1872 nach Bayreuth, wo er mit dem „Ring des Nibelungen“ ein musi­kalisches Gesamtkunstwerk schafft.

1842 wird der 30-jährige Franz Liszt Großherzoglicher Kapellmeis­ter in Weimar. Er gilt als größter Klaviervirtuose seiner Zeit; seine Spiel- und Lehrmethode wirkt über seinen Tod hinaus. Seine Werke (u.a. zwei Klavierkonzerte, „Ungarische Rhapsodie“, „Mephisto-Walzer“) erklingen bis heute im Konzertsaal.

1853 lernt Johannes Brahms in Düsseldorf Clara und Robert Schumann kennen. Schumann kündigt Brahms in dem Aufsatz „Neue Bahnen“ als kommenden Meister an. Brahms‘ Werke (u.a. vier Sinfonien, Konzerte, mehr als 200 Lieder) geben ihm Recht.

1865 dirigiert Hans von Bülow die Uraufführung von „Tristan und Isolde“, 1868 die der „Meistersinger“. Ein Jahr später verlässt ihn seine Frau Cosima, um mit dem Komponisten dieser beiden Opern, Richard Wagner, zusammenzuleben. Hans von Bülow gilt als erster moderner Orchesterdirigent.

1882 verselbstständigt sich ein Teil der anerkannten Berliner Kapelle von Benjamin Bilse und tritt nun als Berliner Philharmonisches Orchester auf. 1963 erhält das Orchester eine grandiose Heimstatt, als nach den ­Plänen von Hans Scharoun die Berliner Philharmonie eröffnet wird. Heute gehören die Berliner Philharmoniker zu den bekanntesten Klangkörpern der Welt.

1899 erlebt Paul Linckes „Frau Luna“ im Berliner Apollo-Theater ihre Uraufführung. Mit diesem Singspiel, zu dem Lieder wie „Das macht die Berliner Luft, Luft, Luft“ gehören, beginnt die ­Geschichte der eigenständigen Berliner Operette.

20.–21. JAHRHUNDERT

1905 wird in Dresden Richard Strauss‘ „Salome“ uraufgeführt, mit der er der Oper neue Ausdrucksmöglich­keiten eröffnet.

1907 wird Max Reger Universitätsmusikdirektor in Leipzig, er komponiert vor allem Orgel- und Kammermusik.

1922 wird Wilhelm Furtwängler Chefdirigent der Berliner Phil­harmoniker. Nach 1945 wird der „Fall Furtwängler“ zum Symbol für die Aufarbeitung des Umgangs mit der Nazidiktatur. 1952 ernen­nen die Philharmoniker Furtwängler zum Ehrendirigenten.

1927 lehrt Paul Hindemith an der Berliner Musikhochschule. Er macht sich als Bahnbrecher der Neuen Musik einen Namen.

1927 kommt Otto Klemperer nach Berlin und setzt sich für expressionistisches Musiktheater ein. 1933 emigriert er in die USA.

1928 beginnt die Erfolgsgeschichte der „Dreigroschenoper“ von Kurt Weill. Mit Bertolt Brecht entwickelt er das „epische“ Theater.

1934 komponiert Carl Orff seine „Carmina Burana“. Das populäre Chorwerk wird heute meist konzertant aufgeführt.

1934 veröffentlichen die Comedian Harmonists „Mein kleiner grüner Kaktus“. Ein Teil des Ensembles flieht vor den Nazis ins Exil.

1950 findet das weltweit erste Festival für Neue ­Musik statt: die Donaueschinger Musiktage. Die Konzerte finden mit ihren Ur- und Erstaufführungen bis heute internationale Beachtung.

1951 werden die Berliner Festwochen als Retrospektive der Moderne gegründet – schon bald mit internationaler Resonanz. Seit 2005 werden sie unter dem Namen Musikfest Berlin fortgesetzt.

1952 gibt der international erfolgreiche Bariton Dietrich Fischer-Dieskau als Wolfram im „Tannhäuser“ sein Debüt in Bayreuth.

1958 beginnt der King of Rock‘n‘Roll Elvis Presley in der US-Kaserne in Friedberg seinen Militärdienst und wird von seinen deutschen Fans bejubelt.

1959 wird an der Deutschen Oper Berlin Arnold Schönbergs „Moses und Aron“ erstaufgeführt – Gustav Rudolf Sellners Inszenierung hat bahnbrechende Wirkung.

1960 nimmt die Weltkarriere der britischen Beatles ihren Anfang im „Star Club“ in Hamburg.

1961 wird Peter Schreier Mitglied der Staatsoper in Dresden, der lyrische Tenor gehört zu den gefragtesten Sängern seines Fachs.

1963 übernimmt Karlheinz Stockhausen die Leitung des Studios für elektronische Musik beim WDR in Köln. Er hat großen Einfluss auf die Entwicklung der Neuen Musik nach dem Zweiten Weltkrieg.

1970 gründet sich Kraftwerk in Düsseldorf. Die Band wirkt ­prägend auf Stilrichtungen von Hip-Hop, Electro bis Techno.

1976 entdeckt Herbert von Karajan das Jahrhunderttalent Anne-Sophie Mutter. Die Geigerin feiert größte Erfolge.

1980 schließen sich junge Musiker zum basisdemokratisch organisierten „Ensemble Modern“ zusammen. Das heute in Frankfurt am Main beheimatete Ensemble arbeitet eng mit zeitgenössischen Komponisten zusammen.

1983 landet Nena mit „99 Luftballons“ einen Welthit. Ein Höhepunkt der „Neuen Deutschen Welle“.

1986 findet das erste Schleswig-Holstein Musik Festival in Norddeutschland statt – eins der größten Klassikfestivals.

1988 gewinnt Bassbariton Thomas Quasthoff seine erste ­Auszeichnung und startet seine internationale Karriere.

1989 schreibt und komponiert „Scorpions“-Sänger Klaus Meine das erfolgreichste Lied seiner Band „Wind of Change“, das auf den Fall des Eisernen Vorhangs in Europa anspielt.

1994 lädt der amerikanische Musiksender MTV Herbert Grönemeyer als ersten nicht-englischsprachigen Künstler in die ­Fernsehsendung „MTV Unplugged“ ein.

2007 entsteht mit der Oper „Phaedra“das 20. Musiktheaterwerk des Komponisten, Musikdramatikers, Dirigenten und Festival­organisators Hans Werner Henze.

2010 werden die Salzburger Festspiele mit der Uraufführung der Oper „Dionysos“ von Wolfgang Rihm eröffnet. Der in Karlsruhe und Berlin lebende Komponist wird im Rahmen der Festspiele mit der Werkschau „Kontinent Rihm“ geehrt.

2010 gewinnt Lena, Siegerin in einer Casting-Show, den prestigereichen „Eurovision Song Contest“ für Deutschland.

15.10.2010
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