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Veranstaltungsreihe

Ein Erlebnis für alle Beteiligten

Das Deutschlandjahr in Vietnam findet bei Publikum und Presse großen Anklang. Auch für die Organisatoren ist es ein besonderes Erlebnis. Ein Bericht aus Vietnam.

Von Sybille Wilhelm

Das Deutschlandjahr in Vietnam ist ein besonderes Erlebnis – für alle Beteiligten. Der Auftakt mit der Aufführung von Beethovens 9. Symphonie im Opernhaus Hanoi gelang spektakulär. Doch auch hinter den Kulissen ging es turbulent zu. „Der Klavierspieler sprang ab. In der Nacht vor der Aufführung musste noch ein neues Chorpodest gebaut werden, da das alte zu brüchig war. Die Programmbroschüren wurden eine halbe Stunde vor dem Konzertbeginn geliefert und bis zur letzten Minute war nicht klar, ob der Ehrengast von vietnamesischer Seite, der Stellvertretende Ministerpräsident Nguyen Tien Nhan, kommen würde“, berichtet Almuth Meyer-Zollitsch, Leiterin des Goethe-Instituts in Vietnam und zugleich Projektleiterin des Deutschlandjahres. „Doch er kam, das Podest war neu, ein Pianist gefunden, die Broschüren beim Verteilen noch warm, der Tenor in Bestform und wir konnten wieder sehen: Irgendwie klappt alles in Vietnam dann doch noch.“

Ein ganzes Jahr lang feiert Deutschland in Vietnam den 35. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Auch aus einem weiteren Grund: Mit keinem anderen südostasiatischen Land unterhält Deutschland derart intensive Beziehungen. In den 1960er- und 70er- Jahren wurde eine ganze Generation junger Vietnamesen in der ehemaligen DDR ausgebildet. Sie bekleiden heute höchste Positionen. In der jüngeren Generation lebt das Interesse durch den attraktiven Studienstandort Deutschland wieder auf. 4000 junge Vietnamesinnen und Vietnamesen lernen derzeit Deutsch an den Goethe-Instituten. Das Veranstaltungsprogramm, das man unter www.deutschland-in-vietnam.de einsehen kann, bildet die ganze Bandbreite der Beziehungen ab. Insgesamt finden weit über 60 große Veranstaltungen statt – von musikalischen Darbietungen über Symposien und landesweite Filmfestivals bis hin zur Gegenwartskunst.

Die Resonanz ist überragend, „Was mich besonders überrascht hat ist, dass junge Leute das Opernhaus bis auf den letzten Platz füllen, wenn ein deutscher Dirigent Beethoven oder Mendelssohn aufführt. Das wäre in Deutschland ein Traum für jeden Konzertveranstalter“, sagt Almuth Meyer-Zollitsch. „Der Pressespiegel füllt inzwischen mehrere Aktenordner. Und selbst zu kleineren Veranstaltungen kommen zwei, drei Fernsehteams.“ Ein Moment hat die Organisatorin besonders gerührt. „Vor der Eröffnung des deutschen Filmfestivals in Haiphong war den ganzen Tag der Strom ausgefallen“, sagt sie, „Die Lichter gingen erst eine knappe halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn wieder an. Aber dann strömten die Besucher in Großfamilien, vom Dreijährigen bis zur Großmama, in den großen Kinosaal.“

Zu den Höhepunkten zählte auch eine Veranstaltung für Deutschland-Alumni, die der deutsche Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel, eröffnete. Zu dem Treffen kamen statt der erwarteten 200 Teilnehmer mehr als 900, Einer von ihnen war Nguyen Thien Nhan. Der vietnamesische Erziehungsminister und Stellvertretende Premierminister hat eine starke Beziehung zu Deutschland, wie er immer wieder betont. Er erlangte 1979 in Magdeburg seinen Doktortitel in Kybernetik und spricht fließend deutsch. Auch seine Ministerkollegen sind regelmäßig bei den Veranstaltungen zu Gast.

Im Herbst stehen noch einige Highlights auf dem Programm. Im Oktober werden die deutschen Autoren Ingo Schulze und Juli Zeh in Vietnam aus ihren Werken lesen. Die Schriftstellerin Juli Zeh wird danach das Land von Nord nach Süd bereisen und ihre Reiseeindrücke in einem Blog festhalten, der auf Vietnamesisch und Englisch in der Onlinezeitung vietnamnet.vn und auf der Webseite des Goethe-Instituts Vietnam erscheint. Und im November beginnen die Proben für das Projekt, das das Deutschlandjahr abschließen wird. Der wohl bedeutendste deutsche Dramatiker der Gegenwart, Tankred Dorst, hat ein Libretto über den jungen Parzival geschrieben, das von Pierre Oser vertont und als vielschichtiges Musik-Tanz-Theaterstück mit vietnamesischen Schauspielern, Sängern und Tänzern auf die Bühne gebracht wird. „Das Stück heißt ‚Der durch das Tal geht’“, sagt Almuth Meyer-Zollitsch. „Ich ahne schon, dass uns die Tage bis zur Premiere am 14. Januar 2011 viel zu kurz vorkommen werden.“////

21.09.2010
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