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Wenn das Haus zur Tankstelle wird

Autokonzerne und Architekten arbeiten an Lösungen, die Mobilität und Wohnen verbinden und das Haus zur Tankstelle für Elektroautos werden lassen.

Von Oliver Sefrin

JEDER AUTOFAHRER KENNT diesen Moment: Die Tankanzeige im Display leuchtet auf. Ein deutliches Signal, bald die nächste Tankstelle anzusteuern. In Zukunft könnte diese direkt vor der eigenen Haustür liegen. Und statt Benzin fließt dann Ökostrom, der das Auto mit neuer Energie auflädt. Ein Wohnhaus, das zur Tankstelle für Elektroautos wird: Diese Vision, Mobilität und Immobilie miteinander zu verbinden, bekommt in der Fasanenstraße 87 in Berlin eine reale Adresse. Hier entsteht von Herbst 2011 an ein innovatives Projekt der Elektromobilitäts- und Bauforschung. Das Energie-Plus-Haus im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung erzeugt doppelt so viel Strom, wie es verbraucht. In dem Einfamilienhaus speichern Hochleistungsbatterien überschüssige Energie, die ins Netz eingespeist wird oder über eine Ladestation ein Elektroauto betankt.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer will mit dem Projekt unter dem Namen „Mein Haus, meine Tankstelle!“ dazu beitragen, die Elektromobilität in Deutschland weiter auszubauen. Das Haus dient als Schaufenster für gemeinschaftliche Entwicklungen und die nachhaltige Nutzung von Synergieeffekten in der Bau- und Fahrzeugtechnik: „Gebäude und Verkehr haben zusammen einen Anteil von etwa 70 Prozent am gesamten Endenergieverbrauch“, sagt der Minister. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Fraunhofer-Gesellschaft. Mehrere deutsche Automobilhersteller haben ihr Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert.

Die baulichen und technischen Voraussetzungen, damit das Haus zusätzliche Energie für ein Elektroauto freisetzt, kann dessen Architekt Professor Werner Sobek schnell benennen: sinnvolle Wärmeisolierung, intelligente Nutzung regenerativer Energien, recyclinggerechte Bauweise, moderne Gebäudeautomation. Sobek ist ein international renommierter Experte für ressourcen- und klimafreundliches Bauen. Er sieht ein Gebäude als Teil eines urbanen Gewebes an: „Mobilität ist ein wichtiger Bestandteil dieses urbanen Gewebes. Deshalb müssen Architekten und Ingenieure angemessene Lösungen für die Mobilität von morgen in ihren Planungen berücksichtigen.“

Für eine Diskussion über das Zusammenspiel von Mobilität, Architektur und Stadtentwicklung hat der Autokonzern Audi kürzlich die „Urban Future Initiative“ ins Leben gerufen. Der deutsche Fertighaushersteller Weber Haus wiederum bietet bereits ein besonders energieeffizientes Haus an. Es kommt ohne klassische Heizung aus, versorgt sich etwa über eine Solaranlage selbst mit Wärme und Energie – und betankt nebenbei ein Elektroauto. Bei Weber Haus ist man davon überzeugt: Das Auto der nächsten Generation fährt mit Strom, deshalb gibt es keine bessere Tankstelle als das eigene Haus. Die Firma kooperiert mit dem Autohersteller Mitsubishi, der seinen elektrisch betriebenen Kleinwagen i-MiEV beisteuert. Vergleichbar mit Sobeks Projekt in Berlin setzt auch diese Zusammenarbeit auf eine Wiederverwertung der Batterie des Elektroautos: Lässt deren Leistungsfähigkeit nach, kann sie immer noch im Haus als Energiespeicher genutzt werden.

Was es in der Praxis bedeutet, in einem Hightech-Haus mit Elektroauto zu wohnen, das erlebt eine Familie mit vier Personen von 2012 an in der Berliner Fasanenstraße. Sie unterzieht das Energie-Plus-Haus dann ein Jahr lang dem Alltagstest – ein Probewohnen auf 130 Quadratmetern und mit hauseigner Tankstelle.////

11.05.2011
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