Seit fast einem halben Jahrhundert arbeiten die führenden Forschungsinstitutionen und Hochschulen aus Deutschland und Israel gemeinsam an Lösungen für die drängenden Fragen der Zeit: Gerade in den zukunftsträchtigen Feldern wie Wassertechnologie, Umweltforschung, Biotechnologie, Neurowissenschaften, Energie- und Sicherheitsforschung liegen die Schwerpunkte der Zusammenarbeit.
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich diese Kooperation zu einer tragenden Säule der Verbindung zwischen den beiden Ländern entwickelt. Man kann sogar sagen, dass die wissenschaftlichen Kontakte vor dem Hintergrund der schweren Erinnerung an die Shoah die ersten Verbindungen zwischen Israel und der jungen Bundesrepublik waren, die den Weg für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen bereiteten. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat die deutsch-israelische Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik eine Intensität erreicht, die bei ihren Anfängen nicht vorherzusehen war. Die Verbindungen sind heute vitaler denn je: So hatten das deutsche und das israelische Wissenschaftsministerium das Jahr 2008 gemeinsam zum deutsch-israelischen Wissenschaftsjahr erklärt. Die Initiative hat viele neue bilateale Projekte auf den Weg gebracht und neue Impulse für die Zusammenarbeit gegeben: Das besondere Augenmerk des Wissenschaftsjahres lag auf der Zusammenarbeit von Nachwuchswissenschaftlern beider Länder, um die sehr guten Forschungsbeziehungen zwischen Deutschland und Israel auch in der nächsten Generation fortsetzen zu können. So hat das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Ende 2008 erstmals einen mit insgesamt 400.000 Euro dotierten Förderpreis für zwei leistungsstarke deutsch-israelische Teams von Nachwuchswissenschaftlern in den Geistes- und Sozialwissenschaften verliehen. Die Auszeichnung soll jährlich wechselnd in den Geistes- und Sozialwissenschaften und den Natur- und Lebenswissenschaften ausgeschrieben werden.
Ein weiterer Meilenstein des Wissenschaftsjahres war ein neues, mit zwei Millionen Euro Stiftungskapital ausgestattetes Minerva-Zentrum für Geistes- und Kulturwissenschaften. Die an israelische Forschungseinrichtungen angegliederten Minerva-Zentren sind auf unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen ausgerichtet und fördern die Zusammenarbeit von deutschen und israelischen Wissenschaftlern durch gemeinsame Projekte, Austauschprogramme, Symposien und Workshops. Trägerin der Zentren ist die Minerva-Stiftung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die seit 1964 Keimzelle und bis heute Flaggschiff unter den deutsch-israelischen Wissenschaftskooperationen ist. Minerva, die römische Göttin des Handwerks, der Weisheit und der schönen Künste, ist Symbol-Figur der deutschen Max-Planck-Gesellschaft. Auf deren Initiative ist die Stiftung entstanden und es bestehen auch noch heute enge Verbindungen zwischen MPG und Minerva. Die Minerva-Stiftung wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit jährlich mehr als fünf Millionen Euro unterstützt. Sie arbeitet heute über ein Wissenschaftleraustauschprogramm (Kurz- und Langzeitstipendien, Minerva-Schulen, Symposien) und mit Programmen zum Aufbau von Forschungszentren, zur Einrichtung von Nachwuchsgruppen und zur Projektförderung am Weizmann Institut deutschlandweit und mit sieben bedeutenden Universitäten und Forschungseinrichtungen in Israel zusammen. Seit 1975 sind vor allem an israelischen Universitäten und dem Weizmann-Institut 37 Minerva-Zentren eingerichtet worden, um dort Spitzenforschung in Zusammenarbeit mit deutschen Wissenschaftlern zu ermöglichen.
Seit 1986 befördert die Deutsch-israelische Stiftung für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung (GIF) den Wissenschaftsaustausch: GIF unterstützt Spitzenforschung in nahezu allen Wissenschaftsdisziplinen mit jährlich wechselnden Schwerpunkten. Darüber hinaus hat sie 2000 ein Sonderprogramm für Nachwuchswissenschaftler (Young Scientists Program) ins Leben gerufen. 2007 wurde das GIF-Stiftungskapital um 50 Millionen Euro auf insgesamt 210 Millionen Euro aufgestockt – getragen zu gleichen Teilen durch das deutsche Bildungs- und Forschungsministerium und das israelische Ministerium für Wissenschaft, Kultur und Sport (MOST).
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist die zentrale Selbstverwaltungseinrichtung der Wissenschaft zur Förderung der Forschung an Hochschulen und öffentlich finanzierten Forschungsinstitutionen in Deutschland. Auch die DFG unterstützt die Zusammenarbeit zwischen Israel und Deutschland, zum Beispiel durch bilaterale Symposien. Seit 2008 betreut die DFG zudem die so genannte Deutsch-Israelische Projektkooperation (DIP). Sie wurde 1997 am BMBF ins Leben gerufen und richtet sich in erster Linie an Wissenschaftlerteams, die gemeinsam in besonders innovativen Bereichen zusammenarbeiten. Schwerpunkte liegen in der Physik, den Lebenswissenschaften und der Chemie. In der derzeit laufenden 11. Förderrunde werden bis 2011 drei Projekte in der Alzheimer-Forschung, der Biochemie und der Mikrostrukturphysik unterstützt.
Seit 1973 kooperieren zudem das BMBF und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) mit dem israelischen Ministerium für Wissenschaft, Kultur und Sport und dem für Industrie, Handel und Arbeit (MOITAL), um die gemeinsame Forschung zu stärken. Diese interministerielle Kooperation hat bisher Forschungseinrichtungen aus Deutschland und Israel in mehr als 600 Projekten unterstützt. Seit einigen Jahren wird dabei ein besonderer Schwerpunkt auf anwendungsorientierte industrienahe Forschung gelegt. Die deutsche Seite förderte die Zusammenarbeit mit den israelischen Forschungseinrichtungen in den letzten 40 Jahren mit rund 550 Millionen Euro – eine Summe, in der das Stiftungskapital für die Deutsch-israelische Stiftung für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung noch nicht mitgerechnet ist. Die Bundesregierung hat dabei im Wesentlichen über das BMBF rund 380 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Über 170 Millionen Euro kamen von deutschen Stiftungen und zahlreichen privaten Spendern, hiervon allein 30 Millionen Euro von der VW-Stiftung.
Auch im Bereich Bildung kooperieren Deutschland und Israel: Das Deutsch-Israelische Programm zur Zusammenarbeit in der Berufsbildung hat die Weiterentwicklung der Ausbildung in beiden Ländern zum Ziel. Seit fast 40 Jahren ermöglicht das Programm Berufsbildungsexperten aus beiden Ländern, Erfahrungen auszutauschen sowie innovative Ansätze auszuarbeiten und in der Praxis zu erproben. Gemeinsam entwickelte Lehrmaterialien für die Ausbildung, zum Beispiel in der Kfz- und IT-Branche sowie in der Mikrosystemtechnik finden in beiden Ländern Anwendung. Damit gelingt es, in der Berufsbildung auf neue technologische, wirtschaftliche und demografische Herausforderungen zu reagieren.














