Es ist eine schwierige Geburt. Als die gemeinsame Währung von zunächst elf europäischen Ländern am 1. Januar 1999 das Licht der Welt erblickt, sind viele Europäer noch vorsichtig mit ihrer Einschätzung. Wird der Euro stabil sein, lautet eine der am häufigsten gestellten Fragen. Selbst der damalige amerikanische Notenbankpräsident Alan Greenspan schreibt später in seiner Autobiographie, er habe zu dieser Zeit große Bedenken gehabt, ob die gemeinsame Währung der Europäer funktioniert. Zehn Jahre später, im Jahr 2009, sind alle Skeptiker verstummt. Der Euro ist ohne Zweifel eine Erfolgsgeschichte, die sich stabilisierend auf Europas Volkswirtschaften ausgewirkt hat. „Der Euro ist eine stabile Währung und international höchst respektiert“, lobt der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter. Auch Alan Greenspan ist jetzt überzeugt: „Es war eine außergewöhnliche Leistung, und ich staune bis heute, was meine europäischen Kollegen aufgebaut haben“, schreibt der Altmeister der Geldpolitik. Selbst in den aktuell turbulenten Zeiten der Wirtschaftskrise steht der Euro wie ein Fels in der Brandung. Mehr oder weniger bewusst genießen die meisten Europäer heute die Vorzüge der Währung: So entfällt bei Reisen innerhalb der Euro-Zone das lästige Geldwechseln. Indirekte Vorteile sind die geringe Inflation und die hohe Schuldendisziplin der Euro-Länder. Die europäische Gemeinschaftswährung gilt heute in Asien oder den Golfstaaten als Vorbild für ähnliche Währungsprojekte.
Die Idee zur Europäischen Währungsunion hatten der frühere deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl und der einstige französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing schon 1986. Den konkreten Plan für die Einführung legte der EU-Kommissionspräsident Jacques Delors 1989 vor – nur wenige Monate vor dem Beginn der Demonstrationen in Ostdeutschland, die schließlich zum Zusammenbruch der DDR führen. Nicht nur die Diskussionen in den EU-Ländern über die gemeinsame Währung, sondern auch die deutsch-deutsche Vereinigung hielten die Euro-Einführung erst einmal auf. Über Nacht aber änderten sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Dem Euro geht ein mühsamer Prozess der wirtschaftlichen Konvergenz in der Europäischen Union voraus. Alle Euro-Länder verpflichteten sich 1992 im Vertrag von Maastricht, die „Konvergenzkriterien“ als eine Art volkswirtschaftliches Fitness-Programm zu erfüllen. Die Länder müssen ihre Inflation in den Griff bekommen und dürfen sich nur maßvoll verschulden, damit die gemeinsame Währung später nicht zu Spannungen führt.
Die Europäische Zentralbank (EZB), deren Hauptaufgabe es ist, die Kaufkraft des Euro und somit die Preisstabilität im Euro-Raum zu gewährleisten, kam nach Frankfurt am Main. Der Niederländer Wim Duisenberg wurde erster Präsident der Europäischen Zentralbank. Die Entscheidung für ihn erwies sich als Glücksfall. Denn er ließ von Anfang an keinen Zweifel daran, dass die EZB einen Stabilitätskurs steuert und sich nicht zum Spielball der Länderinteressen machen lässt.
Duisenberg steuerte den Euro auch durch die harte Anfangszeit, als – trotz scharfer Stabilitätskriterien – der Euro gegenüber dem amerikanischen Dollar stetig an Wert verlor. Die beharrliche Stabilitätspolitik von EZB-Präsident Duisenberg und seinem Nachfolger Jean-Claude Trichet zahlte sich bisher aus. Im April 2008 erreicht der Euro sogar einen Wert von 1,6019 Dollar.
Der Erfolg der gemeinsamen europäischen Währung wirkt anziehend. Nacheinander entscheiden sich Griechenland, dann Slowenien, Malta, Zypern und zuletzt die Slowakei für den Euro. Damit ist die Euro-Zone auf inzwischen 16 Länder und über 320 Millionen Menschen gewachsen. Womit sie größer als die Vereinigten Staaten ist. Weitere Länder der europäischen Staatengemeinschaft wollen den Euro einführen, zum Beispiel Rumänien, Estland, Polen oder Bulgarien. Sogar die Briten als erklärte Euroskeptiker überlegen, ob sie angesichts der aktuellen Krise unter das Euro-Dach schlüpfen. Der Euro und die Europäische Zentralbank stehen durch die Finanzkrise vor ihrer vielleicht größten Herausforderung. Partystimmung kommt zum zehnten Geburtstag darum kaum auf. Doch die bisherige Erfolgsgeschichte des Euro zeigt: Die Chancen, dass die Europa-Währung auch diese schwierige Phase überstehen wird, stehen gut.














