Da ist die Sache mit den Röhrenmonitoren. Kein Mensch will sie mehr haben. Schon lange übertragen Computer ihre Grafikdarstellung an schick-moderne Flachbildschirme, die wesentlich schärfer und vor allem platzsparender sind. Die Konsequenz: Keine Firma produziert mehr die klassischen kiloschweren Kästen, die jahrzehntelang zu jedem Rechner gehörten. Völlig unwichtig für Computernutzer – ein großes Problem für Bernhard Serexhe. Der etwas ratlos wirkende Mann steht Anfang Oktober 2009 im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) und seufzt. Als Kurator des Museums bereitet er die Jubiläumsschau „Imaging Media@ZKM“ vor. 20 Jahre ZKM werden 2009 gefeiert. Vieles, was in früheren Ausstellungen schon mal zu sehen war, wird nun erneut präsentiert. Und dies möglichst im Originalzustand. Dazu gehört, Medienkunst, die auf alten Röhrenmonitoren gezeigt wurde, nicht auf Flachbildschirmen auszustellen. Schließlich werde die Mona Lisa ja auch fachgerecht restauriert.
20 Jahre Zentrum für Kunst und Medientechnologie, das sind zwei Jahrzehnte einer weltweit einmaligen Kulturinstitution. Das ZKM gilt als größtes Zentrum für Medienkunst der Welt. Bei der Gründung 1999 lautete das selbstgesteckte Ziel, ein „Forum für die Begegnung von Wissenschaft und Kunst, Politik und Wirtschaft“ zu werden. Das ist den Verantwortlichen gelungen. Seit Beginn setzt sich das ZKM, heute unter der Leitung von Professor Peter Weibel, mit der Theorie und Praxis der neuen Medien auseinander, entwickelt selbst neue Technologien und beschäftigt sich wissenschaftlich – und durchaus kritisch – mit der Gestaltung der Informationsgesellschaft. Mit dem Museum für Neue Kunst, dem Medienmuseum, dem Institut für Bildmedien, dem Institut für Musik und Akustik und dem Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft fördert das ZKM interdisziplinäre Projekte und pflegt zahlreiche internationale Kooperationen.
Vieles von dem, was in Karlsruhe entwickelt wurde, ist heute Stand der Technik. Ein Gang durch die Ausstellung (bis 31. Dezember 2010) wirkt wie eine Zeitreise durch die Computertechnik. Kleiderschrankgroß war die Daten-Jukebox vor Jahren eine Sensation. 1500 CDs werden darin von einem Greifarm in ein Laufwerk verfrachtet. Heute wird solch eine Datenmenge einfach auf Terabyte-Speicherplatten abgelegt. Es gibt aber auch Neues: zimmergroße Zylinder, auf deren Wände Projektoren Rundumbilder werfen und den Besuchern das Gefühl vermitteln, mittendrin in einem Film zu sein. „Wenn das mal billig zu machen ist, wird Hollywood sich das nicht entgehen lassen“, prophezeit Kurator Serexhe.
Das Problem mit den Röhrenmonitoren hat der findige Ausstellungsmacher schließlich doch noch gelöst. Ein Mitarbeiter durchstöbert ein Internetauktionshaus, um Bildschirme zu kaufen. 1000 Stück sollen ins Lager, mindestens. Damit die Besucher die Zukunft von gestern weiter genießen können.














