Donnerstag, 24.05.2012 03:38

Aktuell

Reise durch die Musik und Kultur Afrikas

Afrikanische Lebensfreude erleben: Musikstars von den Kapverdischen Inseln und aus dem Senegal stehen in diesem Jahr im...weiter

© Thomas Dorn

Nachrichten

IMK: Rezessionsgefahr in Deutschland weiterhin niedrig

Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in Deutschland ist weiterhin sehr niedrig. Bis Ende Juli besteht keine Gefahr...weiter

G8: Staats- und Regierungschefs fordern Konsolidierung und Wirtschaftswachstum

Die Entwicklung der Weltwirtschaft stand im Mittelpunkt des G8-Gipfels in Camp David. Konsolidierung und...weiter

Staatsminister Link trifft neuen französischen Europaminister Cazeneuve

Staatsminister Michael Link empfängt am heutigen Montag, 21.05., den neuen französischen Europaminister Bernard...weiter

Aktuell

Wirtschaft

Viele Aufgaben für den neuen Umweltminister  

Wirtschaft

Facebook drohen Klagen  

Kultur

"Der Grand Prix ist eine politische Inszenierung"  

Veranstaltungen

Comicleben

Eine Endeckungsreise in die Welt der Superhelden: Das Museum Europäischer Kulturen in...weiter

Deutschland Veranstaltungskalender

Übersicht von Veranstaltungen und Orten:
> Veranstaltungskalender

Porträt

Grünes Talent

Der Kenianer Mike Otieno erforscht mit deutscher Unterstützung den nachhaltigen Umgang mit Stahlbeton und leistet damit...weiter

Goethe-Institut Nachrichten

Unerhörte Geschichten: Buchkinder e. V.  

Wieder zuhause: „re-turn“ (21.05.2012)  

„Moorsoldaten“ – die Gedenkstätte Esterwegen  

Bookmarks
| |

Musik

Wo aus Tradition Neues entsteht

Zwölf Jahre nach seiner Gründung ist das Konservatorium für türkische Musik in Kreuzberg ein fester Bestandteil der Berliner Musikszene. Und zudem ein viel geschätzter Ort der gegenseitigen Begegnung und des kreativen Miteinanders.

Von Johannes Göbel

„Knapp die Hälfte unserer Schüler sind nicht türkisch“, sagt Nuri Karademirli. „Zu uns kommen Deutsche, Griechen, Italiener, Franzosen, Amerikaner, Engländer. Das ist perfekt!“ Der umtriebige 60-Jährige freut sich unverkennbar, dass das Berliner Konservatorium für türkische Musik ein echter Ort der Begegnung und des Austauschs geworden ist. So wird die von Karademirli und seinen Mitstreitern gepflegte türkische Musik auch Menschen nahe gebracht, die keinen unmittelbaren Bezug zu ihr haben.

Zur Gründung des Konservatoriums führte jedoch insbesondere das Interesse junger Türken an der Musik ihrer Heimat. „Gerade bei Festen merkten sie, dass sie die traditionellen türkischen Lieder nicht kannten. Ganz grundsätzlich hat hier in Berlin eine Einrichtung gefehlt, die sich um das Erbe der türkischen Musik kümmerte. Schon lange bevor wir das Konservatorium gründeten, gab es immer wieder Anfragen, ob wir hier nicht helfen könnten“, erinnert sich Karademirli. Er selbst wurde in der Türkei von fünf hoch angesehenen Lehrern im Gesang und an verschiedenen Instrumenten ausgebildet und ist in seinem Heimatland Staatsmusiker.

1998, rund dreißig Jahre, nachdem Nuri Karademirli erstmals nach Deutschland gekommen war, gründete er mit seiner Frau Halime, die auch Geschäftsführerin des Konservatoriums ist, die Ausbildungsstätte. Das Angebot ist bis heute gewachsen. Rund 300 Schüler werden mittlerweile im Berliner Stadtteil Kreuzberg unterrichtet. Die Studenten des Konservatoriums können sich an Instrumenten und im Gesang sowohl in der klassischen türkischen Musik als auch in der Volksmusik ausbilden lassen. Neben Instrumenten wie der türkischen Kurzhalslaute Ud oder der orientalischen Zither Kanun werden am Konservatorium auch in Deutschland wohlbekannte Instrumente wie Geige und Klavier unterrichtet. Seit kurzem können zudem Kurse im türkischen Volkstanz und im Instrumentenbau belegt werden.

„Unsere Dozenten sind in erster Linie Hochschulabsolventen aus der Türkei“, betont Nuri Karademirli. Ihr Know-how geben die Lehrer auch an das Team in Berlin weiter. Von der Kompetenz der Lehrenden profitieren nicht nur Studenten. Das Konservatorium bietet musikalische Früherziehung an und hat für Kinder und Jugendliche jeweils einen eigenen Chor aufgebaut. Hinzu kommen die beiden großen Chöre für Volksmusik und klassische türkische Musik. Regelmäßig treffen sich alle Instrumentalisten und Sänger des Konservatoriums, um gemeinsam zu musizieren.

„Solch ein Austausch ist in der Musik besonders wichtig“, sagt Nuri Karademirli. „Auch wenn etwa ein Türke auf Französisch singt oder ein Deutscher Türkisch singt, bereichert das die Musik. Aufbauend auf verschiedenen Traditionen entsteht etwas Neues.“ Dennoch hat natürlich die Pflege der türkischen Musik Priorität am Konservatorium. Mit ganz erstaunlichen Erfolgen. So wurde etwa der Deutsche Mario Rispo von Nuri Karademirli im türkischen Gesang ausgebildet. Mitttlerweile sorgt Rispo zwischen Istanbul und Berlin für Furore. „Er ist wohl der erste deutsche Künstler, der verschiedene türkische Musikstile singen kann, von der Klassik bis zur modernen Ballade“, lobte kürzlich die Zeitschrift der Berliner Philharmoniker.

Mittlerweile lassen sich mehrere Deutsche am Konservatorium im anspruchsvollen türkischen Gesang ausbilden. Auch zwei Profi-Sängerinnen, die ihr Repertoire erweitern wollen und extra aus Bayern anreisen. Wer noch von einer Profikarriere träumt, kann sich im Tonstudio des Konservatoriums ausprobieren. „Die Probe-Aufnahmen helfen unseren Studenten, ihre Stimme und ihre Leistung besser einschätzen zu können“, erläutert Nuri Karademirli. Auch die musikalische Begleitung für ein Hörbuch mit den Geschichten des weisen Narren Mullah Nasrudin haben Mitglieder des Konservatoriums im hauseigenen Tonstudio eingespielt. Und sogar der Soundtrack zu dem Hollywood-Film „In 80 Tagen um die Welt“ wurde hier produziert. Der Kontakt kam damals direkt über Nuri Karademirli zustande, der Hauptdarsteller Arnold Schwarzenegger für den Film das Spielen der Ud beigebracht hat. Mit der Kurzhalslaute war der vielseitige Karademirli auch im Einsatz, als das Ensemble des Konservatoriums vor kurzem mit Solisten des Berliner Rundfunkchors im Bezirk Neukölln auftrat. Unter dem Titel „Von der Liebe und anderen Blumen“ präsentierten die Künstler gemeinsam „Die Liedkunst der Sepharden im Mittelmeer-Raum und im Osmanischen Reich“ – ein frühes Zeugnis für den musikalischen Austausch zwischen den Kulturen.

Den Reichtum der türkischen Musik pflegt das Konservatorium auch durch den neuen Ausbildungszweig Instrumentenbau. Hier hat sich Nuri Karademirli ebenfalls die Unterstützung eines Experten aus der Türkei gesichert, um Baglama, Tanbur und Ud professionell reparieren und bauen zu können. Erst kürzlich haben die ersten Auszubildenden den auch von der deutschen Industrie- und Handelskammer (IHK) anerkannten Abschluss als Zupfinstrumentenmacher erworben. Die nächsten drei Auszubildenden sind schon eingestellt. Sie werden den anstehenden Umzug des Konservatoriums innerhalb von Kreuzberg miterleben. Der wachsende Zuspruch für die Institution macht größere Räumlichkeiten nötig.////

31.08.2010
Bookmarks
| |

Videos

Get the Flash Player to see this player.

HANNOVER MESSE 2012

Ostseerat

Art Cologne 2012

YouTube Deutschland Channel

Deutschland Channel YouTube

Zeitschrift DE Magazin Deutschland

PDF-Sonderausgaben

zur Übersicht