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Prof. Dr. Rafig Azzam, Lehrstuhl für Ingenieurgeologie und Hydrogeologie, RWTH Aachen

„Wissenschaft braucht internationale Netzwerke“

Der Ingenieur- und Hydrogeologe Professor Rafig Azzam forscht und lehrt an der RWTH Aachen. Ihn beschäftigen drängende Fragen des Umwelt- und Wassermanagements. Auf internationalen Austausch legt er großen Wert, „weil wir viel voneinander lernen können“.

Janet Schayan

Prof. Dr. Rafig Azzam, Lehrstuhl für Ingenieurgeologie und Hydrogeologie, RWTH Aachen (Foto: Jan Greune)

Prof. Dr. Rafig Azzam, Lehrstuhl für Ingenieurgeologie und Hydrogeologie, RWTH Aachen (Foto: Jan Greune)

Wie kann man Megacities mit sauberem Wasser versorgen? Lässt sich Kohle in elektrische Energie umwandeln, ohne die Umwelt zu belasten? Welche innovative Technologie kann frühzeitig vor gefährlichen Erdrutschen warnen? Das sind Themen, denen Professor Rafig Azzam auf den Grund geht. Seit 2002 hat der in Jordanien geborene Wissenschaftler den Lehrstuhl für Ingenieurgeologie und Hydrogeologie an der Exzellenz-Universität RWTH Aachen inne. Umwelt- und Wassermanagement gehören zu den zentralen Feldern seiner Arbeit. Themen, die weltweit immer wichtiger werden und viele Studierende anziehen: Im vergangenen Semester haben 290 junge Frauen und Männer an der RWTH ein Bachelorstudium der „Angewandten Geowissenschaften“ oder des „Georessourcenmanagements“ begonnen. Dreimal so viele wie vor drei Jahren. Auch für internationale Studierende entwickelt das Fach Magnetkraft: Rafig Azzam betreut zurzeit vier chinesische Doktoranden.

 

Verbindungen in die Welt

Rafig Azzam ist ein Netzwerker, ein Manager des Wissens. Unermüdlich knüpft er Verbindungen ins Ausland, schließt Kooperationen: „Wissenschaft braucht internationale Netzwerke. Und mit jedem Doktoranden, der international arbeitet oder aus dem Ausland zu uns kommt, wird das Netzwerk größer“. Intensiven Kontakt hält er in die arabische Welt, nach Mexiko, Kanada, Australien. Er engagiert sich für den vom DAAD ins Leben gerufenen Deutsch-Arabisch/Iranischen Hochschuldialog und für das neue Deutsch-Indische Zentrum für Nachhaltigkeit. Seine Absolventen widmen sich oft internationalen Themen – wie der Erforschung der Grundwasserqualität in Indonesien oder der Steinverwitterung in der jordanischen Felsenstadt Petra. Mit der University of Shanghai for Science and Technology schloss Rafig Azzam im Herbst 2008 ein offizielles Kooperationsabkommen. „Es ist spannend, wie andere Probleme lösen. Chinesen zum Beispiel arbeiten häufig theoretischer an Modellen, wir stärker experimentell. Wir können viel voneinander lernen.“

 

Exzellente RWTH Aachen

„Die RWTH hat im Ausland einen ausgezeichneten Ruf“, sagt Professor Azzam, „das Interesse nach Aachen zu kommen ist groß“. Das kann der 1951 geborene Sohn christlich-palästinensischer Eltern gut verstehen. Ihn zog als junger Mann ebenfalls ein Studium an der RWTH nach Deutschland. Und nach der Promotion führte ihn sein wissenschaftlicher Weg über Australien und eine erste Professur an der renommierten TU Bergakademie Freiberg in Sachsen auch wieder hierher zurück. In der kleinen Großstadt Aachen mit seiner großen RWTH fühlt sich der mit einer Deutschen verheiratete Vater von vier Kindern rundum wohl.

 

Mit Querdenken zu Innovationen

Lernen, mehr Wissen – das treibt Rafig Azzam an, seit er ein kleiner Junge war: „Meine wissenschaftliche Neugier ist einfach riesig“. Sie reicht weit über sein Fachgebiet hinaus. Querdenken ist Rafig Azzams Leidenschaft – und die nützt auch seiner eigenen Forschungsarbeit. Als er über zigarettenschachtelkleine Computer las, die in sich  selbstorganisierenden Netzwerken die Wege von Containern verfolgen, hatte er gleich eine Idee: Damit könnte man doch auch ein Sensorennetzwerk für Frühwarnsysteme bei Naturkatastrophen wie Erdrutschen steuern – eine Bedrohung in vielen Regionen der Welt. Heute gehört dieses Forschungsprojekt zu den wichtigsten am Lehrstuhl. Dabei werden Sensoren aus dem Automobilbau verwendet, die normalerweise einen Airbag auslösen. Das Ziel: ein besonders kostengünstiges und engmaschiges Frühwarnsystem, wie es bisher noch nicht existiert. Es könnte genauso auch vor Tsunamis, Waldbränden oder Überschwemmungen warnen. Besonders gut gefällt Rafig Azzam, wenn sich wie hier Hightechwissen und einfache Anwendung verbinden. So sind die Forschungsergebnisse auch in ärmeren Weltregionen gut umsetzbar.

 

Umweltfreundlich Energie gewinnen

Mit einem anderen Forschungsprojekt unter Professor Azzams Leitung haben sich die Ingenieurgeologen der RWTH Aachen in der Energiebranche ins Gespräch gebracht. Das Projekt CO2SINUS geht neue Wege, um Energie aus Steinkohle zu gewinnen: Dabei wird die Kohle direkt am Ort der Förderung in Gas umgewandelt. Das Neue: Das entstehende Kohlendioxid wird gleich wieder untertage gespeichert. Treibhausgas kommt gar nicht erst in die Atmosphäre. Das ist perfekt für die Klimabilanz und außerdem wirtschaftlich günstig. Das CO2SINUS-Projekt passt ideal zu einem Leitsatz von Professor Azzam: „Wissenschaft muss für mich immer einen konkreten Nutzen für die Menschen und die Umwelt haben.“

29.04.2009
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