Bei der Oscar-Verleihung in diesem Jahr war das deutsche Kino ziemlich prominent vertreten. Gewonnen hat es nichts, es sei denn, man zählte den Oscar für den Österreicher Christoph Waltz in der internationalen Koproduktion „Inglourious Basterds“ von Quentin Tarantino dazu. In ihr steckt zwar eine Menge deutsches Geld und sie wurde in den Babelsberger Studios bei Berlin gedreht, aber ansonsten scheint es wenig sinnvoll, sie in irgendeiner Weise mit dem deutschen Kino in Verbindung zu bringen. Jedenfalls wenn wir von einer nationalen Filmkultur sprechen wollen. Ein bisschen, wenn auch nicht viel anders sieht es mit Michael Hanekes „Weißem Band“ aus. Das war eine deutsche Produktion mit einem deutschen Thema, wenn auch von einem Österreicher gedreht. Aber auch dieser Film ging bekanntlich leer aus.
Die Amerikaner sind nicht berühmt dafür, sich intensiv für die Kinokulturen anderer Länder zu interessieren. Einerseits. Das bedeutet, dass in den großen Multiplexen überall im Land das fremdsprachige und also auch das deutsche Kino sozusagen nicht vorkommt, was allerdings auch weitgehend für das sogenannte Arthouse-Kino amerikanischen Ursprungs gilt.
Andererseits gibt es in den Metropolen vor allem an den Küsten im Osten und Westen durchaus ein Publikum, das vor allem nach Filmen jenseits der kommerziellen Hollywoodproduktion sucht und sich auf fremdsprachige Filme nachgerade stürzt. Und bei diesem Publikum hat das deutsche Kino inzwischen wieder einen guten Ruf.
Das bedeutet: Deutsche Filmreihen, wie sie in New York etwa das Museum of Modern Art seit vielen Jahren veranstaltet, wie sie aber auch von den Goethe-Instituten immer wieder ausgerichtet werden, sind sehr gut besucht und werden auch von der Presse mit Aufmerksamkeit verfolgt. Regelmäßig bekommen deutsche Filme, auch spröde wie etwa Christian Petzolds „Jerichow“, in den großen Zeitungen und Magazinen wie zum Beispiel dem „New Yorker“, fabelhafte Kritiken. Die Fachzeitschriften schreiben mit großem Respekt übers deutsche Kino, und für einzelne Filme, etwa Maren Ades „Alle Anderen“, der im vergangenen Jahr bei der Berlinale einen Silbernen Bären gewann und in Amerika auf Festivals in Seattle, Los Angeles und New York gezeigt wurde, räumen sie viele Seiten frei. Und das, obwohl für diesen Film ein offizieller Starttermin gar nicht feststeht und möglicherweise auch gar kein Verleih den Film ins Kino bringen wird. Es wird also ein Interesse am deutschen Kino vorausgesetzt, obwohl es nur teilweise überhaupt sichtbar ist. Und das gilt umso mehr, je „deutscher“ es daherkommt – mit deutschen Darstellern und einem Thema, das verspricht, über das Land Auskunft zu geben.
Das war nicht immer so. Der Begeisterung, mit der die Amerikaner in den siebziger und frühen achtziger Jahren beobachteten, was im sogenannen Neuen Deutschen Film los war und eine Verehrung vor allem für Rainer Werner Fassbinder pflegten, wie sie diesem in Deutschland bis heute kaum zukommt, folgten nach Fassbinders Tod viele Jahre völliger Gleichgültigkeit. Das hatte natürlich auch mit dem Zustand des deutschen Kinos zu tun. Tom Tykwers „Lola rennt“ war der Wendepunkt, in Deutschland 1998, und auch in Amerika, ein Jahr später. Es folgten 2001 Sandra Nettelbecks „Bella Martha“, die ein kleiner Arthouse-Hit wurde, „Good Bye, Lenin!“ von Wolfgang Becker 2003, und dann natürlich Florian Henckel von Donnersmarcks „Das Leben der Anderen“, der nicht erst seit seiner Oscar-Krönung als bester fremdsprachiger Film des Jahres 2006 Begeisterung auslöste. Wenn man sich anschaut, welche Filme jenseits der zahlreichen Festivals, auf denen deutsche Filme immer wieder einen Auftritt haben, auf die Leinwände kommen, verwandelt sich dieser gute Ruf allerdings kaum in messbare Sichtbarkeit.
„Das weiße Band“ startete am 3. Januar auf gerade einmal drei Leinwänden und spielte am Eröffnungswochenende dort entsprechend wenig ein: kaum 60000 Dollar. Und dies, obwohl der Film herausragende Kritiken bekommen hatte, obwohl er im Mai beim Filmfestival in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden war, und obwohl Michael Haneke nicht erst seit seiner Oscar-Nominierung kein unbekannter Name ist. „Das Leben der Anderen“ kam zunächst auf neun Leinwänden zum Einsatz. Dagegen wirken die zwanzig, die einst „Lola rennt“ bespielte, nachgerade sagenhaft. Aber auch die Brüder Joel und Ethan Coen, mit „A Serious Man“ in diesem Jahr Oscar-nominiert, starteten mit ihrem Film nur auf sechs Leinwänden. Was zeigt, wo das Problem liegt – bei den Blockbustern, die die Kinos verstopfen und dafür sorgen, dass überall dieselben Filme laufen.
Wo also steht der deutsche Film in Amerika? Bei denen, die ihn zu sehen bekommen, in hohem Kurs. Aber die meisten haben keine Chance, ihn kennenzulernen.















