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Über Grenzen hinweg

Die internationalen Mediendialoge des Auswärtigen Amts bringen Publizisten aus verschiedenen Kulturkreisen an einen Tisch und öffnen den Blick

Welche Folgen haben die jüngsten weltwirtschaftlichen Entwicklungen auf die wechselseitigen Wahrnehmun­gen der arabi­schen und deutschen Gesellschaften? Können die in Deutschland und Eu­ropa gemachten Erfahrungen den Transformationsprozessen im Nahen Osten neue Impulse geben? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des jüngsten internationalen Mediendialogs des Auswärtigen Amtes – Mitte Oktober 2009 in Damaskus. Rund 30 Journalisten und Medien­experten nahmen an diesem Treffen teil. Sie kamen aus Deutschland und sieben arabischen Ländern; das gemeinsam diskutierte Thema: „Medien und Transformationsprozesse“.

Die regelmäßig vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) im Auftrag des Auswärtigen Amtes geplanten bilateralen oder regionalen Mediendialoge gehören zu den wichtigen Instrumenten der deutschen politischen Öffentlichkeitsarbeit im Ausland. Dabei kommen Medienmacher aus Deutschland mit Kol­leginnen und Kollegen aus den verschiedensten Ländern ins intensive Gespräch. Dazu gehörten bisher zum Beispiel ­China, Pakistan, die Türkei, Israel, Indonesien, die Ukraine, Frankreich, Zen­tral­asien, die GUS-Staaten, mittel- und südosteuropäische Länder, Länder des östlichen und südlichen Afrikas, die Mongolei, Serbien, Kroatien und Kasachstan.

Am runden Tisch tauschen Journalisten, Publizisten, Medienmanager und Politiker Erfahrungen aus der journalistischen Praxis aus und diskutieren aktuelle Medienfragen. „Diese Begegnungen von Multiplikatoren aus verschiedenen geografischen Räumen und Kulturkreisen schaffen zusätzlich grenzübergreifende Netzwerke und regen Kooperationen an“, sagt ifa-Generalsekretär Ronald Grätz. Viele Teilnehmer entwickelten durch die Mediendialoge bleibende Kontakte: „So wird auch ein intensiver Austausch zwischen den Redaktionen gefördert, und das kommt – durch aktuellere Informationen sowie eine bessere Kenntnis der Hintergründe – natürlich auch der Berichterstattung zugute.“ Das bestätigt ein „Mann der Praxis“. Victor Kocher, langjähriger Nahostberichterstatter der „Neuen Zürcher Zeitung“ und jetzt Korrespondent bei den Vereinten Nationen in Genf, hat an einer Reihe von Mediendialogen mit der arabischen Welt teilgenommen. Die Auseinandersetzung mit den großen aktuellen Themen – wie demokratische Reformen, Terrorbekämpfung oder Meinungsfreiheit – unter gleichgestellten Kollegen und auf einer Grundlage der Selbstkritik und der konstruktiven Kritik am anderen „baut“, so der Schweizer Journalist, „gegenseitige Vorurteile ab und öffnet den Blick für eine sachgemäße Darstellung über den west-östlichen Graben hinweg“.

Das Thema „Spannungsfeld zwischen Regierung, privaten und öffentlichen Medien“ behandelte – ebenfalls im Oktober 2009 – der aktuelle deutsch-lateinamerikanische Dialog in Quito, mit Teilnehmern aus Bolivien, Chile, Ecuador und Deutschland. Der Vergleich der Mediensysteme dieser Länder diente einem doppelten Ziel: die Stärken und Schwächen der Verhältnisse im jeweils eigenen Land genauer wahrzunehmen und von den Erfahrungen der anderen Länder zu lernen. Kernpunkte waren die ­normativen Vorgaben der Medienordnun­gen (private/öffentlich-rechtliche Medien, Staatsmedien), Merkmale politischer Kommunikation, die Organisation regionaler und lokaler Öffentlichkeit, die – immer größer werdenden – Finanzprobleme der Medien und die Selbstorganisation und Ausbildung der Journalisten.

Einen Blick in die Zukunft der Mediendialoge wagt Barbara Kuhnert, bisherige stellvertretende Leiterin der Abteilung „Dialoge“ beim Stuttgarter ifa. Sie hat die Medien­dialoge des Auswärtigen Amtes seit 1997 entwickelt und auch „vor Ort“ begleitet: „Anlass für die Mediendialoge war seinerzeit, Stereotypen und Vorurteilen durch eine ausgewogene Berichterstattung entgegenzuwirken. Mit einigen Ländern wird dies auch künftig notwendig und richtig sein. Die Erfahrung hat allerdings bei den jüngsten Mediendialogen gezeigt, dass eine Fokussierung auf ­globale Themen, wie zum Beispiel Umweltpolitik, Wirtschaftssysteme, Vergangenheitsaufarbeitung größere Chan­cen für eine interkulturelle Nachhaltigkeit im Sinne von Ideen für neue Projekte und Netzwerke bietet. Daher sehe ich die Zukunft der Mediendialoge in einer noch stärkeren Verflechtung mit der Zivilgesellschaft und deren aktuellen Themen.“

22.12.2009
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