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Medien

Training für die Krise

Für Journalisten gibt es einfachere Themen als Wirtschaftspolitik. Vor allem innerhalb der Europäischen Union sind die Zusammenhänge nicht immer auf den ersten Blick klar. Für Journalisten aus Südosteuropa schafft ein Programm der Robert Bosch Stiftung einen Überblick.

Von Kerstin Schneider

Durchatmen nach einem langen Tag im urigen Restaurant „Sophieneck”. Etwas müde nach einer Sightseeing-Bustour durch Berlin sitzen die jungen Wirtschaftsjournalisten aus Südosteuropa gemeinsam in einer Runde. Vom Trubel am Brandenburger Tor, wo an diesem 3. Oktober 2009 der Tag der Deutschen Einheit gefeiert wird, ist hier wenig zu spüren. Dennoch – die fröhliche Atmosphäre in der Stadt hat es der Radiojournalistin Milica Milovanovic aus Serbien angetan. Die 31-Jährige ist Teilnehmerin des Journalistenprogramms „Economic and Political Reporting from Southeast Europe”, das die Robert Bosch Stiftung und die Thomson Reuters Foundation seit 2007 für Wirtschaftsjournalisten aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Rumänien, Serbien und Slowenien anbieten.

Zwei mal zwei Wochen sind die zwölf Journalisten unterwegs: Nach London, Brüssel und Frankfurt am Main ist Berlin die vierte Station. In zwei Tagen geht es wieder zurück an den Main, wo die Teilnehmer zum Abschluss noch die Europäische Zentralbank besuchen. In Berlin stehen Besuche und Diskussionen im Auswärtigen Amt und der Berliner Dependance der Bosch Stiftung an. Im Fokus bei allen Terminen: die Finanz- und Wirtschaftspolitik. Das Programm ist intensiv, vor allem die erste Woche in London war hart. „Doch wir sind eine Powergruppe“, sagt Milica Milovanovic vom landesweiten Sender RTS Radio Beograd mit einem Lächeln. Ziel des Programms ist es, in intensiven Trainingseinheiten und Gesprächen mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Medien das Wissen vor allem jüngerer Journalisten über wirtschaftspolitische Themen zu verbessern und damit, wie es bei der Bosch Stiftung heißt, „zu einem höheren Informiertheitsgrad der südosteuropäischen Öffentlichkeit“ beizutragen. So geht es in der inhaltlichen und journalistischen Fortbildung um die Auswirkungen der Wirtschaftskrise, um Währungsstabilität und das Verhältnis der Europäischen Union zu den Nachbarländern. Den journalistischen Part übernehmen Lehrbeauftragte der Nachrichtenagentur Thomson Reuters. Dass das Programm viel Anerkennung bei den Chefredakteuren und Programmleitern findet, hat Lisa Heemann, Projektleiterin in der Robert Bosch Stiftung, immer wieder erfahren: „In der Krise sind gute Wirtschaftsjournalisten gefragt“.

Dieses Thema beschäftigt auch Jeton Musliu von der Tageszeitung „Express“ im Kosovo. Er muss seinen Lesern erklären, wie der massive wirtschaftliche Wandel in den Ländern funktioniert und was es für Fallstricke etwa bei Privatisierungen gibt. Das Programm helfe ihm, Informationen zu gewichten und zu bewerten, sagt der 29-Jährige. Im Kosovo gäbe es viele Firmen, die investieren wollten. Da sei es nicht leicht zu erkennen, welche Absicht die Unternehmen hätten. Einmal hätten die Reuters-Lehrbeauftragten bewusst beim Schreibtraining mit Falschinformationen gearbeitet, erzählt Musliu, um zu zeigen, wie wichtig es ist, genau nachzurecherchieren. Vieles läuft bei den Gesprächen mit Wirtschafts- und Bankenvertretern unter dem Stichwort Hintergrundinformation. Dennoch ist es ein handfestes „Training on the Job“, in dem mit Fallstudien, Schreib- und Rechercheübungen gearbeitet wird. Daneben will die Bosch Stiftung die jungen Journalisten aus Südosteuropa stärker vernetzen. Gelernt hat Milica Milovanovic, die Jura studiert hat und erst nach dem Studium zum Journalismus kam, schon jetzt viel über die Wirtschaft in ihren Nachbarländern – auch mit Hilfe der Länderprofile, die Teil des Trainings sind. „Und vor allem weiß ich, wen ich nun anrufen kann, wenn ich eine Frage habe.“ Auch die finanzpolitischen Informationen und die EU-Themen spielten eine wichtige Rolle, erklärt die junge Journalistin. Denn die Auf­nahme in die Europäische Union sei doch die wichtigste Hoffnung, die viele Menschen in den südosteuropäischen Ländern teilten.

15.10.2009
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