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„Tokio Hotel“ erstmals in Tokyo

Eine Pop-Band macht die Residenz des deutschen Botschafters zum Teenie-Treff. Ein japanischer Koch erhält einen Michelin-Stern. Und ein japanischer Fußball-Nationalspieler wechselt mit hohen Ambitionen in die Bundesliga. Drei Geschichten, die den Austausch zwischen Deutschland und Japan beschreiben.

Von Martin Orth

Tomoaki Makino

Mit Fan-Schal und Fußball vor dem Kölner Dom. Das ist Tomoaki Makino, der in der Winterpause in die Fußball-Bundesliga wechselte. Der Defensiv-Allrounder von Sanfrecce Hiroshima unterschrieb beim 1. FC Köln. Der neue Sportdirektor des Vereins, Volker Finke, bis Ende Januar Trainer der Urawa Red Diamonds, hatte den Deal eingefädelt. Makino trifft auf einige erfolgreiche Japaner in der Bundesliga und will es seinem Nationalmannschaftskollegen Shinji Kagawa nachmachen, der in Dortmund zum Shooting-Star wurde. Der 1. FC Köln feierte seine letzte Meisterschaft 1978 – mit Yasuhiko Okudera, dem ersten Japaner in der Bundesliga.////

„Tokio Hotel“

Schreie, Gedrängel, Jubel – Teenager-Treff in der Residenz des Deutschen Botschafters. Die deutsche Kultgruppe „Tokio Hotel“ war im Dezember – zum ersten Mal – in Tokyo, um als Jugendbotschafter für das Freundschaftsjahr „150 Jahre Deutschland-Japan“ zu werben. Die Resonanz war überwältigend. Die jungen Japanerinnen und Japaner kamen in schrillen Outfits. Botschafter Volker Stanzel hielt sie nicht lange auf. Sie durften alles fragen, was sie von den vier Magdeburgern um Frontman Bill Kaulitz wissen wollten. Die Band nahm es locker, amüsierte sich und gab die offenen Liebesbekundungen brav zurück. „Die japanischen Mädchen sind ein bisschen zurückhaltend, ein bisschen schüchtern. Ich finde das total niedlich, total süß“, sagte Bill. Mit seinen durchgestylten Klamotten – offene Militärjacke, Stiefel, Jeans und schwarzes T-Shirt – passte er perfekt zur Jugendszene in Tokyo. Unbedingt wollte er auch noch das trendige Ausgehviertel Shibuya besuchen. Am Abend gab es aber erst mal ein kleines Konzert mit einigen der international bekannten Lieder. Die Gruppe kündigte an, mit einer richtigen Show wieder zu kommen. Das wird aber etwas dauern. „Wir verabschieden uns gerade in die kreative Zeit“, sagte Tom. „Wir wollen uns ins Studio zurückziehen. Die Japan-Trips sind das Einzige, was wir außerhalb des Studios noch machen.“ „Tokio Hotel“ ist mit über sechs Millionen verkauften Tonträgern eine der erfolgreichsten deutschen Bands der letzen Jahre. In Frankreich lernen die jugendlichen Fans ihretwegen sogar Deutsch. Den Namen wählten sie übrigens, weil Tokio früher ein Ziel gewesen sei, von dem sie nur träumen konnten.////

Yoshizumi Nagaya

„Wenn man lernen möchte, wie japanische Köche optisch ästhetisch arrangieren können“, schreibt der Gourmet-Führer Gault-Millau 2010, „wenn man wissen möchte, wie süßsaure und bitter-sanfte Aromenkontraste sich aufbauen lassen, wenn man genießen möchte, wie japanische und europäische Koch- und Aromenkonzeptionen kontrastiv gegenüber stehen und sich doch harmonisch ergänzen können, dann sollte man im Nagaya speisen und sich verwöhnen lassen.“ Das sei Fusionsküche im Sinne von Lévi-Strauss: eine Summe von Kontrasten. Dieses Lob hat das japanische Restaurant in Düsseldorf jetzt noch getoppt. Die Restaurant-Tester vom führenden Guide Michelin verliehen dem „Nagaya“ einen Michelin-Stern. Der erste Stern für ein japanisches Restaurant in Deutschland überhaupt und eine große Ehre für den Koch und Betreiber Yoshizumi Nagaya. Er ging durch die Schulen von Kandagawa, dem Großmeister der traditionellen japanischen Küche, Hasho, dem Star der modernen japanischen Küche, und kochte bei Armani/Nobu, Italiens Topadresse für japanische Esskunst. 2003 eröffnete er sein „Nagaya“ Düsseldorf. Es ist modern und schlicht eingerichtet und liegt mitten in „Klein-Tokyo“, dem Düsseldorfer Viertel, in dem sich die meisten japanischen Geschäfte finden. In Düsseldorf lebt – nach London und Paris – die größte japanische Community in Europa. In dem Viertel um die Immermannstraße in der Nähe des Bahnhofs finden Japaner alles, was sie zum Leben brauchen. Nun werden sich auch zunehmend deutsche Gourmets auf den Weg dorthin machen.////

20.01.2011
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