Im März wurde in Tokio zum ersten Mal der „German Innovation Award“ an fünf japanische Nachwuchsforscher aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften verliehen. Insgesamt gingen 91 qualifizierte Bewerbungen von 35 japanischen Universitäten und Forschungsinstituten ein. Das übertraf alle Erwartungen. Die Initiative zu dem Preis ging von der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan (DIHKJ) und dem Deutsche Akademischen Austauschdienst (DAAD) aus. Getragen wird er von zwölf in Japan tätigen deutschen Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Die Schirmherrschaft übernahm Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan. Der Preis soll helfen, die technologische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Japan zu stärken. Die Bestenauswahl traf eine binationale Jury unter Vorsitz von Professor Masuo Aizawa, dem Präsidenten des Council for Science and Technology Policy. Zum engeren Auswahlgremium zählten die Präsidenten der Universitäten Tokio und Kyoto sowie des National Institute of Material Science und auf deutscher Seite der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft für angewandte Forschung, Hans-Jörg Bullinger. Ausgezeichnet wurden Konzepte aus den Bereichen Elektronik, Nanotechnologie und Medizintechnik. Neben der herausragenden wissenschaftlichen Qualität haben die Arbeiten auch großes Potenzial in der Anwendung. Die Preisträger durften sich über einen Geldpreis sowie ein zweimonatiges DAAD-Forschungsstipendium in Deutschland freuen. Die Gewinner und ihre Arbeitsgebiete:
Takao Someya
ist der Hauptgewinner des German Innovation Award. Er und sein Forschungsteam liefern herausragende Forschungsergebnisse im Bereich flexibler, großflächiger Sensoren und Aktoren auf Basis organischer Transistoren. Beispielsweise kann eine elastische Variante als hautähnlicher Tastsensor bei Robotern eingesetzt werden. Someya verbesserte die elektronische Leistungsfähigkeit organischer Transistoren mit Hilfe verschiedener bahnbrechender Material- und Fertigungstechnologien. Mit seinem Team entwickelte er den kleinsten gedruckten organischen Transistor der Welt, hergestellt mit einer neuen Attoliter-Inkjet Technik. Dieser Teil der Arbeit wurde in Zusammenarbeit zwischen der Universität Tokyo und dem Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart realisiert. „Wir ergänzen uns hervorragend“, sagt Hagen Klauk, Nachwuchsgruppenleiter in Stuttgart. „Someya und seine Kollegen sind besonders stark in der Anwendung flexibler, biegsamer und faltbarer Kunststoffelektronik, wir in Deutschland sind führend unter materialwissenschaftlichen Aspekten.“ Someya promovierte 1997 an der Universität Tokio. 2001/2 forschte er im Nanocenter der Columbia University in New York und in den Bell Laboratories des Weltunternehmens Alcatel-Lucent. Seit 2003 ist er Associate Professor an seiner Heimatuniversität.
Akira Yoshikawa
erforscht neue strahlungsempfindliche Materialien. Der Anwendungsbereich reicht von bildgebenden Verfahren in der Nuklearmedizin (PET Mammographie bei der Brustkrebsdiagnose) bis zur elektronischen Gepäckkontrolle auf dem Flughafen. Maßstab für die Materialqualität ist die möglichst klare Abbildung bei einer möglichst geringen Strahlendosis. Yoshikawa will diesem Ziel mit der Herstellung künstlicher Kristalle nach seinem eigenen „Rezept“ näher kommen. Dafür erhielt er den zweiten Preis des German Innovation Award. Yoshikawa hat an der Universität Tokio promoviert. Jetzt ist der 39-jährige Associate Professor für neue Werkstoffe an der Tohoku Universität. Bei der Bestimmung seiner Reiseroute durch Deutschland hat der DAAD-Stipendiat noch die Qual der Wahl.
Etsuko Kobayashi
errang mit ihrem Weitwinkel-Endoskop zur Bildübertragung aus dem Innenleben von Organen einen dritten Platz. Dieses chirurgische „Navigationssystem“ ermöglicht dem Arzt eine großflächige Beobachtung von der fixen Position eines Miniroboters auf kleinstem Raum. Zwei spezielle Prismen zur Lichtumlenkung drehen sich unabhängig voneinander um die Achse des Endoskops. Da es sich nicht drehen muss, sinkt das Risiko unbeabsichtigter Organverletzungen gegen Null. Die Innovation dient dem Fortschritt minimal-invasiver Operationstechniken. Kobayashi, Jahrgang 1972, hat an der Universität Tokio Maschinenbau studiert. Als Promotionsstudentin forschte sie zeitweilig (1997/8) an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne/Schweiz. Im Jahre 2000 machte sie an ihrer Heimatuni den Doktor und ist an der dortigen Graduate School of Engineering seit 2006 Associate Professor. Mit ihrem Deutschland-Stipendium will sie mehrere Universitäten und Unternehmen besuchen. Auf ihrem Programm stehen namentlich das Institut für Prozessrechentechnik, Automation und Robotik der Uni Karlsruhe und der Lehrstuhl für Informationsanwendungen in der Medizin an der Technischen Universität München.
Katsuro Hayashi
befasst sich mit Nanotechnologie. Sein Forschungsziel sind umweltfreundliche und energiesparende neue Materialien aufgrund chemischer Verbindungen mit Sauerstoff (Oxide). Das ist molekulare Grundlagenforschung, die aber schnell zu marktfähigen Innovationen führen kann. Ein erster Beweis ist eine Hautcreme gegen schädliche UV-Bestrahlung, die Hayashi inzwischen mit einer Industriefirma entwickelt. Nach seiner Promotion in den Ingenieurwissenschaften an der Universität Tokio im Jahre 2000 forschte Hayashi vier Jahre für die nationale Japan Science and Technology Agency. Seit 2004 arbeitet er am Tokyo Institute of Technology, das im 19. Jahrhundert vom Namensgeber des German Innovation Award, Gottfried Wagener, mitbegründet wurde. An diesem Institut ist der 37-Jährige gegenwärtig Associate Professor. Sein Forschungsstipendium wird er am Physikalisch-Chemischen Institut der Universität Gießen wahrnehmen. Der Institutsdirektor Jürgen Janek forscht wie sein Gast an elektrochemischen Fragestellungen und hat selber schon vor Jahren in einem Forschungssemester bei Kollegen in Japan hospitiert.
Takuto Watanabe
ist mit 31 Jahren der jüngste Preisträger. Er promoviert gegenwärtig an der privaten Aoyama Gakuin Universität in Tokio über „Elektromagnetische Verträglichkeit“. Es geht darum, ungewollte Strahlung von technischen Geräten so weit wie möglich zu reduzieren. Andernfalls würden sie sich wechselseitig in ihren Funktionen stören und könnten sogar die Gesundheit der Menschen beeinträchtigen („Elektrosmog“). Watanabe entwickelt neue Messverfahren für elektromagnetische Ströme auf Verbindungsleitungen zwischen einzelnen Elektrobauteilen. Seine Forschungen, urteilt die Jury, könnten zu einem Qualitätssprung bei Elektrogeräten führen. Bisher arbeitete Watanabe mit der Universität Stuttgart zusammen. Jetzt will er zusätzlich mit dem Institut für „Elektronische Nanosysteme“(ENAS) der Fraunhofer-Gesellschaft für angewandte Forschung in Paderborn enger kooperieren.














